Was passiert mit dem Sperrmüll?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Irgendwann ist das alte Sofa zu durchgesessen oder passt nicht mehr in die neue Wohnung, der Kühlschrank ist kaputt oder zu klein geworden und das alte Fahrrad will man auch nicht mehr reparieren lassen. Was mit Sachen passiert, die im Sperrmüll landen, erklärt Pressesprecherin Evi Thiermann vom Abfallwirtschaftsbetrieb München im Interview mit Yahoo Finanzen.

Wohin mit dem ganzen Sperrmüll? (Symbolbild: Getty Images)

Wie kann man seinen Sperrmüll loswerden?

Thiermann: In München kann man den Sperrmüll zu einem der zwölf Wertstoffhöfe bringen. Bis zu zwei Kubikmeter pro Tag und pro Anlieferung ist das sogar kostenlos. Wenn man mehr hat, muss man es entweder auf mehrere Tage verteilen oder auf einen der Wertstoffhöfe fahren, die gegen Bezahlung auch größere Mengen annehmen. Oder man lässt den Sperrmüllabholdienst kommen. Dann muss man eine Anfahrtspauschale von 40 Euro bezahlen und dann pro angefangenem Kubikmeter noch einmal 15 Euro.

Darf man eigentlich Sachen, die am Straßenrand stehen, einfach mitnehmen?

Thiermann: Nein. In dem Moment, in dem es am Straßenrand abgestellt wird und die Sperrmüllabholung bestellt ist, ist das in unseren Besitz übergegangen. Das wäre dann Diebstahl.

Was genau zählt denn alles zu Sperrmüll?

Thiermann: Sperrmüll ist im engsten Sinne Restmüll von einer so großen Dimension, dass er nach einer zumutbaren Zerkleinerung nicht in eine Restmülltonne mit 120 oder 240 Liter passt. Restmüll bedeutet, dass keine Wertstoffe darin sind. Aber viele Gegenstände, die der normale Bürger als Sperrmüll betrachtet, bestehen eigentlich aus Wertstoffen, die wir gezielt getrennt einsammeln.

Welche sind das zum Beispiel?

Thiermann: Vor allem Altholz zum Beispiel vornehmlich aus Holz gefertigten Möbeln. Wir selbst recyceln nicht, arbeiten aber mit zertifizierten Weiterverwertern zusammen, die auch nachweisen müssen, was mit den Stoffströmen passiert. Beim Altholz werden gut 70 Prozent recycelt, aus denen dann zum Beispiel Spanplatten hergestellt werden.

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Sehr gut recyceln kann man auch die Metalle, vor allem Eisenschrott und Mischschrott. Das kann ein altes Kellerregal aus Metall sein oder auch Fahrräder oder Wäscheständer. Die werden von den Verwertern aussortiert und aufbereitet, kommen dann in Stahlwerke und werden dort zu neuen Produkten umgeschmolzen. Hartplastik wie alte Putzeimer, Bobby-Cars oder Wäschewannen kann auch gut recycelt werden. Das wird zu Plastikgranulat verarbeitet und man kann es wieder als Werkstoff hernehmen.

Bekommen Sie dafür Geld?

Thiermann: Das hängt immer von den Marktpreisen ab und ist unterschiedlich. Als öffentlicher Betrieb schreiben wir das aus, die Verwerter können sich bei uns bewerben und die, die dann die besten ökologischen Bedingungen zum günstigsten Preis anbieten, bekommen den Zuschlag. Als kommunaler Entsorgungsbetrieb ist unser Anliegen aber vor allem, dass recycelt wird. Unabhängig davon, ob das Geld bringt oder nicht. Die Wertstoffe sollen ja im Kreislauf bleiben.

Was passiert mit noch funktionsfähigen Produkten?

Thiermann: Wenn bei uns etwas ankommt, was noch fast neuwertig aussieht, wird das auf dem Wertstoffhof getrennt gesammelt und bekommt eine zweite Chance. Wenn es sich dabei um Elektro- und Haushaltsgeräte handelt, werden sie auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft. Dafür binden wir Münchner Sozialprojekte wie Weißer Rabe ein, bei denen Leute beschäftigt werden, die auf dem Ersten Arbeitsmarkt wenig Chancen haben.

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Alte Elektrogeräte kommen auf den Wertstoffhof (Symbolbild: Getty Images)

Was funktioniert, kommt in die sogenannte Halle 2. Die ist bei uns das Gebrauchtwarenkaufhaus, wo die Sachen günstig weiter verkauft werden. Und es gibt auch jeden Samstag um elf Uhr eine Versteigerung. Mit der Halle 2 vermeiden wir rund 1000 Tonnen Müll im Jahr, weil die Sachen einfach wieder in den Nutzungskreislauf eingespeist werden. Dazu generieren wir auch Einnahmen. Da wir ein öffentlicher Betrieb sind und keinen Gewinn machen dürfen, kommen diese Erlöse nach Abzug der Kosten in den Gebührenhaushalt und halten somit auch die Münchner Müllgebühren stabil.

Was passiert mit den Sachen, die nicht recycelt werden können?

Thiermann: Was wirklich Sperrmüll ist, zum Beispiel eine alte kaputte Couch aus Polster und Stoff, kommt in den Sperrmüllcontainer, wird gepresst und dann thermisch verwertet.

Die Fernwärme und der Strom kommen auch wieder der Stadt München zugute.

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Was sagen Sie zum Vorwurf von Umweltschützern, manche Kommunen würden nicht richtig recyceln, um den Müll zu verheizen?

Thiermann: Das ist ein altes Vorurteil, das schon lange nicht mehr stimmt. Wir sind mit unserem Heizkraftwerk so ausgelastet, dass wir über jede Tonne, die wir nicht verheizen müssen, froh sind.

Wie viel Sperrmüll steht bei Ihnen wie viel Weggeworfenem gegenüber, das wiederverwertet werden kann?

Thiermann: 2017 hatten wir rund 18.000 Tonnen Sperrmüll, der der thermischen Verwertung zugeführt wurde. Dagegen wurden insgesamt 37.000 Tonnen wieder verwertet: 22.000 Tonnen Altholz, 8000 Tonnen Elektroschrott und 7000 Tonnen Metall.

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