Was verdient eigentlich ein Wiesn-Wirt?

Antonia Wallner
Freie Autorin

Alle Jahre wieder werden auf dem Münchner Oktoberfest Millionen Liter Bier ausgeschenkt. Der Preis für die Maß geht dabei stetig nach oben. In diesem Jahr liegt er bei rund 11,80 Euro. Ein gutes Geschäft für die Wirte also – oder? Zeit für ein paar Zahlen: Wie viel verdient eigentlich ein Wiesn-Wirt?

Die großen Wiesn-Zelte setzten ca. 10 bis 12 Millionen Euro während des Oktoberfests um. (Bild: Reuters)

Über den Verdienst der Wiesn-Wirte wird immer wieder gerne spekuliert. In der Vorstellung vieler Besucher sind sie diejenigen, die das meiste Geld auf der Veranstaltung abräumen. Eine logische Schlussfolgerung, da ja die große Mehrheit der Gäste des Oktoberfestes Bier trinkt. 2014 gab es dann die Steueraffäre um den Münchner Gastronomen Sepp Krätz, ehemals Wiesn-Wirt des Promi-Zeltes Hippodrom. Krätz wurde der Steuerhinterziehung seiner Gewinne aus dem Hippodrom und eines weiteren Betriebs angeklagt und gestand schließlich die Unterschlagung von über 1,1 Millionen Euro. Er verlor daraufhin seine Konzession und das Hippodrom auf der Wiesn war Geschichte. Im Zuge des Verfahrens musste Krätz seine Zahlen offenlegen und die Öffentlichkeit bekam eine erste Ahnung davon, was ein Festzelt-Wirt so auf dem Oktoberfest verdienen kann.

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Die Wiesn ist ein riesiger Kostenpunkt für die Wirte

Pauschal lassen sich aber nur schwer Auskünfte treffen. Denn das Oktoberfest verursacht auch eine Menge Kosten. Personal, Reinigungsdienste, Musiker, Sicherheitsleute, Brauerei und nicht zuletzt die Umsatzpacht der Stadt München summieren sich. Dann kommt es natürlich auch auf die Größe und Auslastung des Zeltes an und welche Getränke der Wirt neben Bier noch ausschenken darf. Sepp Krätz etwa war bekannt für seine Champagner-Bar im Hippodrom. Wer Schaumweine und Hochprozentiges anbietet, nimmt da natürlich mehr ein.

Trotzdem ein Verdienst in Millionenhöhe

Die Stadt München schätzte für ihre Umsatzpacht den Netto-Gewinn aller Zelte im Jahr 2018 auf rund 170 Millionen Euro. Der frühere Wirte-Sprecher Toni Roiderer dagegen korrigierte den Wert gegenüber der Zeitung “tz” letztes Jahr auf ungefähr 130 Millionen. Die großen Festzelte nehmen schätzungsweise zwischen zehn und zwölf Millionen auf dem Oktoberfest ein. Das deckt sich auch mit den Aussagen von Sepp Krätz, der in einem Interview mit dem Magazin “Rolling Pin“ erklärte, dass er mit dem Hippodrom täglich mindestens eine halbe Million Euro umgesetzt hatte.

Übrigens verdiente der Wirt im Prozessjahr insgesamt 3,3 Millionen Euro mit dem Hippodrom. Vor Steuern. Wenn nun ehrlicherweise der Spitzensatz von 45 Prozent dazukommt, wären das ungefähr 1,8 Millionen Euro an reinem Gewinn. Da kann nun wirklich keiner meckern.

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