Wasser marsch: Der große Leitungswasser-Guide

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Eine Wohltat, nicht nur im Sommer zum Kühlen oder Trinken: kaltes, klares Wasser direkt aus der Quelle – oder eben aus der Leitung. Aber halt, ist das wirklich gesund und trinkbar? Wann kann deutsches Leitungswasser schädlich sein, was bringen Wasserfilter – und wie schütze ich Haushaltsgeräte, wenn das Wasser meiner Region zu hart ist?

Warum Kästen schleppen, wenn das Leitungswasser in Deutschland so gut ist? (Bild: Getty Images)

Woher kommt unser Leitungswasser?

Deutschland ist ein wasserreiches Land, nur rund 3 Prozent der verfügbaren Ressourcen werden jährlich zur öffentlichen Wasserversorgung entnommen. Unser Trinkwasser wird zu rund 62 Prozent aus Grundwasser und zu rund 30 Prozent aus Oberflächenwasser gewonnen, die restlichen 8 Prozent stammen aus Quellen. Dabei führt der Weg von der Quelle natürlich nicht direkt in die Hausleitung: Nach der Entnahme wird das Wasser zunächst in Wasserwerken aufbereitet. Das aufbereitete Wasser wird anschließend gespeichert und über ein gewartetes Leitungssystem verteilt. Von hier aus werden die Wasseranschlüsse der Gebäude versorgt, bis das Wasser durch die Gebäuderohre zum jeweiligen Zapfhahn fließt.

Wie hochwertig ist unser Leitungswasser?

Deutschland ist für seine hohen Standards in Bezug auf die Leitungs- bzw. Trinkwasserqualität bekannt. Während etwa in den USA das Leitungswasser stark gechlort ist und in Geschmack wie auch Mineraliengehalt spürbare Mängel aufweist, sind in Deutschland die gesetzlichen Vorgaben durch die Trinkwasserverordnung streng geregelt. Aktuell wird das deutsche Trinkwasser regelmäßig auf rund 50 Stoffe und Mikroorganismen überprüft, außerdem sind in der Verordnung Werkstoffe gelistet, die mit dem Trinkwasser in Kontakt kommen dürfen. Materialien, die in dieser Liste nicht genannt sind, dürfen nicht mehr verbaut werden.

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Auch das Thema Bleirohre wird hier berührt, da ein Grenzwert von 0,010 Milligramm Blei pro Liter Wasser nicht überschritten werden darf. In Häusern, die nach 1973 erbaut wurden, sind übrigens keine Bleirohre mehr zu finden – ebenso im gesamten süddeutschen Raum, wo schon seit über einem Jahrhundert keine Bleirohre mehr verlegt wurden. Außerdem schreibt die Trinkwasserverordnung eine alle drei Jahre stattfindende Prüfung des Leitungswassers auf Legionellen vor. Deutschland ist übrigens das erste und einzige Land, das einen Grenzwert für das Schwermetall Uran im Trinkwasser eingeführt hat: Der Wert von 10 Mikrogramm Uran pro Liter Wasser beträgt nur ein Drittel des neuesten WHO-Wertes.

Der Härtegrad des Wassers ist für die Gesundheit nicht entscheidend, wohl aber im Umgang mit deinen Haushaltsgeräten. (Bild: Getty Images)

Was bedeutet hartes oder weiches Wasser?

Grundsätzlich unterscheidet man drei verschiedene Härtegrade des Wassers: weich, mittel und hart. Diese Härtegrade sind davon abhängig, wie stark sich das Wasser im Boden mit Mineralien, vorrangig Kalzium und Magnesium, anreichert. Entsprechend gibt es im Härtegrad regionale Unterschiede, die sich im Lauf der Zeit kaum oder gar nicht ändern.

Ob das Wasser im Wohnort weich oder hart ist, mag der eine oder andere bei der Haarwäsche spüren, spätestens jedoch der ständig verkalkte Wasserkocher gibt Hinweise auf den Härtegrad. Sehr hartes Wasser wird übrigens in den Wasserwerken bereits aufbereitet, so dass es beim Endverbraucher nur noch in einem mittleren Grad ankommt.

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Der örtliche Wasserversorger gibt auf seiner Website im Bereich Wasserqualität oder auch auf Anfrage Auskunft über den Härtegrad des Wassers, der in mmol/l (Wasserhärte) bzw. dH (Grad deutscher Härte) gemessen wird. Von weichem Wasser spricht man bei einem Wert von unter 1,5 mmol/l bzw. unter 8,4 °dH. Mittleres Wasser hat eine Wasserhärte zwischen 1,5 und 2,5 mmol/l bzw. 8,5-14 °dH. Als hart wird das Wasser bezeichnet, das einen Härtegrad von über 2,5 mmol/l und über 14 °dH aufweist. Ein Beispiel: Das Münchner Wasser wird laut lokaler Stadtwerke mit einer Härte zwischen 13 und 18,2 °dH gemessen, mit einem Durchschnittswert von 15,8 mmol/l und einem Durchschnittswert und 2,8 °dH gilt es entsprechend als hart.

Wasserkocher und Kaffeemaschine regelmäßig entkalken

Auswirkungen hat der Härtegrad des Wassers vor allem auf stark wasserziehende Haushaltsgeräte wie Waschmaschine und Geschirrspüler, die per Einstellung an die Wasserhärte angepasst werden können. Auch spezielle Produkte wie Wasserenthärter, Maschinenreiniger und Geschirrspülsalz und die Dosierung von Waschmittel sollten gemäß des Härtegrads eingesetzt werden, um Verkalkungen der Geräte zu vermeiden. Bei Kleingeräten wie Wasserkocher oder Kaffeemaschine reicht es im Allgemeinen, sie regelmäßig zu entkalken.

Den Aufsatz deines Wasserhahns solltest du regelmäßig reinigen und entkalken. (Bild: Getty Images)

Kann ich deutsches Leitungswasser wirklich bedenkenlos trinken?

Je nach Region wird auch das Wasser aus unterschiedlichen Gegenden bezogen – der örtliche Wasserversorger oder auch die Stadt selbst bietet genaue Informationen darüber an, woher das Wasser kommt und welche Regionen es durchlaufen hat, bis es schließlich im Stadthaushalt aus dem Zapfhahn schießt. Allerdings übernimmt der Wasserversorger nur bis zum Hausanschluss die Verantwortung für die Qualität des Wassers – Rohrleitungen, Wasserboiler, Armaturen und dergleichen sind Privatsache. Wer das Wasser seines Wohnungsanschlusses testen lassen möchte, kann dies auf eigene Kosten durch eine professionelle Analyse bei einer zugelassenen Trinkwasseruntersuchungsstelle tun.

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Unabhängig vom Alter der Wasserrohre im Gebäude empfehlen Experten, das so genannte Stagnationswasser (also Wasser, das länger als vier Stunden in der Leitung gestanden hat), großzügig ablaufen zu lassen – und zwar nicht nur im Sommer. Sobald das Wasser gleichmäßig kalt ist, kann es verwendet werden. Außerdem sollte der Perlator, der kleine Aufsatz auf dem Wasserhahn, regelmäßig in Essigessenz oder Zitronensäure gereinigt werden, um Rost und Kalkpartikel zu entfernen und mögliche Keime abzutöten.

Übrigens: Nur wegen einer hohen regionalen Wasserhärte ist das Trinkwasser nicht gleich ungesünder. Aber auch nicht gesünder: Das enthaltene Magnesium und Kalzium im Leitungswasser deckt auch bei einem hohen Härtegrad nicht den Tagesbedarf.

Was bringt ein Wasserfilter?

Hersteller von Wasserfiltern werben damit, Leitungswasser von Schadstoffen, Kalk und Bakterien befreien zu können – doch bringt das wirklich etwas? Mit wachsender Anzahl der Wasserfiltervarianten und ihrer Anbieter steigt auch die Skepsis, wie wirksam die Filter wirklich sind, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass die Qualität des deutschen Wassers ja vergleichsweise hoch ist. Tests zeigen schließlich, dass es auf die Art des Filters ankommt und eine überraschende Gefahr droht: Sowohl bei Aktivkohlefiltern als auch bei Ionenaustauschern besteht nämlich eine hohe Verkeimungsgefahr – besonders wenn die Filter nicht ordnungsgemäß ausgetauscht werden und das gefilterte Wasser lange steht.

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Lediglich mit dem sogenannten Umkehrosmose-Verfahren erhält man superrein gefiltertes Wasser – allerdings werden damit, so das Nachhaltigkeitsportal "Utopia", nicht nur Stoffe wie Nitrat oder Phosphat, sondern auch wichtige Mineralstoffe wie Kalzium und Magnesium herausgefiltert. Der daraus entstehende Mineralienmangel kann zur Unterversorgung führen. Verbraucherzentralen sehen den Gebrauch von Wasserfiltern generell kritisch – nicht nur weil sie einen Nährboden für Keime bieten: Durch den Gebrauch von Filtern kann der Preis eines Liters Wassers z.B. in Hamburg von 5 Cent auf 16 Cent pro Liter hochschnellen. Da rechnet sich eine Trinkwasseranalyse (ab circa 40 Euro) für Besorgte mehr.

Fazit: Wer mehr über sein Leitungswasser erfahren will, kann sich an die örtlichen Wasserversorger wenden, häufig bieten diese auch Workshops oder Tage der offenen Tür an. In Mietshäusern muss der Vermieter über die Ergebnisse der vorgeschriebenen Tests informieren, er kann auch über Alter und Beschaffenheit der Leitungen Auskunft geben.