Weder zuverlässig noch vertrauenswürdig: Früchte und Kräuter als Verhütungsmittel

Larissa Kellerer
Freie Autorin

Natürliche Verhütung liegt im Trend: Immer mehr Frauen wünschen sich eine Alternative zur Anti-Babypille und wollen eine Schwangerschaft ohne chemische und hormonelle Mittel vermeiden. Nun sorgt ein Tweet aus den USA für Aufruhr, der angeblich natürliche Inhaltsstoffe zur Empfängnisverhütung auflistet. Gynäkologen warnen allerdings vor Papaya, getrockneten Feige und wilder Yamswurzel.

Die Papaya dient dem kulinarischen Genuss – nicht aber dem Verhütungszweck. (Bild: Getty Images)

In einem mittlerweile gelöschten Tweet stellte die Twitter-Userin @MissBriaJanay in einer Grafik eine Vielzahl von Früchten und Kräutern vor, die angeblich eine Schwangerschaft verhindern sollen.

Den Tweet mit den vermeintlichen Verhütungsmitteln hat die Twitter-Nutzerin mittlerweile wieder gelöscht. (Bild: Twitter / MissBriaJanay)

Als empfängnisverhütende Pflanzen etwa werden Niembaum-Öl oder wilde Yamswurzel aufgelistet. Sozusagen als "Pille danach" könnten Frauen demnach drei bis vier Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zwei Portionen Papaya oder eine Handvoll getrocknete Feigen täglich essen.

In der Beschreibung der einzelnen Kräuter und Obstsorten steht zudem, dass Ingwer, Wasserpfeffer oder Engelwurz die Menstruation fördern und damit die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindern könnten.

Keines der im Tweet genannten “natürlichen Verhütungsmittel“ ist klinisch getestet, wie Nathaniel DeNicola, staatlich geprüfter Frauenarzt und Assistenzprofessor an der George Washington University gegenüber "Buzzfeed" erklärt. “Es gibt überhaupt keine wissenschaftlichen oder medizinischen Erkenntnisse dazu. Der einzige Grund, sich damit näher zu beschäftigen, ist die Tatsache, dass es gefährlich sein kann."

Die Einnahme von Poleiminze kann sogar zum Tod führen

Die ebenfalls gelistete Poleiminze (auch bekannt als Flohkraut) beispielsweise werde in Pflanzenschutzmitteln verwendet. Die Einnahme kann von Vergiftungserscheinungen über narkoseartige Lähmung bis zum Tod durch Atemlähmung führen.

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"Als Botaniker kann ich Ihnen sagen, dass dieser Tweet mit Tausenden Shares zum Tod von Frauen führen könnte", schreibt James Wong auf Twitter.

Patienten, die mehr über Verhütungsoptionen erfahren wollen, sollten bei ihrem Gynäkologen oder ihrer Gynäkologin nachfragen, anstatt sich auf Twitter kundig zu machen, meint DeNicola. "Wichtig ist, dass Frauen keinen medizinischen Rat von substanzlosen Grafiken im Internet erhalten. Wir Ärzte sind für euch da – auch wenn es um die Beratung im Bereich der natürlichen Verhütung geht."

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Bei der Grafik handelt es sich laut Recherchen von "The Daily Dot" übrigens um einen Beitrag einer Website für Hausmittel. Dort finden sich weitere, äußerst dubiose und gesundheitsgefährdende "Ratschläge".