Weil Humor hilft: Das waren die lustigsten politischen Memes 2019

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Als Politiker ist die Gefahr, wegen einer Äußerung oder eines bestimmten Fotos zum Meme zu werden, klassischerweise ziemlich hoch. Was alles zur Steilvorlage dient und wie schnell sich die Tweets verbreiten, das haben in diesem Jahr unter anderem der CDU-Europa-Politiker Axel Voss, Donald Trump und Boris Johnson erfahren.

Boris Johnson hat schon öfter eine gute Vorlage für Memes abgegeben. (Bild: Getty Images)

Boris Johnson

Kurz bevor Boris Johnson sich und den Konservativen eine Mehrheit im britischen Unterhaus sicherte, rührte er noch einmal kräftig die Werbetrommel für sein Hauptthema, den Brexit. Er nahm also einen Werbeclip auf, für den er sich eine Szene aus dem Weihnachts-Film "Tatsächlich Liebe" zum Vorbild nahm. Während im Original der unglücklich in die Frau seines besten Freundes verliebte Mark (Andrew Lincoln) seiner Angebeteten (Keira Knightly) mit Hilfe von Schildern seine Liebe gesteht, wirbt Johnson an der Haustür einer Wählerin für seine Partei:

Johnson hatte die Idee aber nicht nur von der Labour-Politikerin Dr. Rosena Allin-Khan geklaut:

Er sorgte auch dafür, dass User seinen Spot ihrerseits nutzten, um gegen ihn Stimmung zu machen.

Ein User wies zum Beispiel daraufhin, dass Johnson ein Schild ausgelassen hätte, auf dem im Film die Worte stehen: "An Weihnachten sagt man die Wahrheit"

Für andere musste nach der Aktion der Filmtitel "umgedichtet" werden wie hier:

Oder hier mit "Tatsächlich Hass. Wählt taktisch."

Andere nutzten die Gelegenheit, die sich immer dann bietet, wenn Politiker Schilder welchen Inhalts auch immer in die Kamera halten und schrieben, was ihrer Meinung nach auf Johnsons Plakat hätte stehen sollen:

"Ich habe solche Angst zu verlieren, dass ich Fake News verbreite"

Oder einfach: "Ich bin ein Lügner"

Und dieser Clip hier spielte auf den von Labour-Chef Jeremy Corbyn geäußerten Vorwurf an Johnson an, dieser wolle das britische Gesundheitssystem bei den Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit den USA "verkaufen":

Jacob Rees-Mogg bot mit einem Nickerchen im britischen Unterhaus eine Steilvorlage. (Bild: Getty Images)

Jacob Rees-Mogg

Als es im britischen Unterhaus während der Brexit-Debatten im September rundging, schaltete einer demonstrativ einen Gang herunter: Der erzkonservative Brexit-Hardliner und "Leader of the House of Commons" Jacob Rees-Mogg lümmelte sich in der ersten Bank zum scheinbaren Nickerchen. Die Labour-Abgeordnete Anna Turley fotografierte Jacob Rees-Mogg und postete das Bild mit den Worten: "Die Verkörperung von Arroganz, Dünkel, Respektlosigkeit und Geringschätzung unseres Parlaments." Das Foto wurde schnell zum Meme.

Andere veranschaulichten, wie sich ein solches Gebaren auf die politische Machtverteilung auswirken könnte:

Oder auf den Wert der britischen Währung:

Dieser User konnte sich gut vorstellen, von wem der Politiker da wohl träumte:

Andere erinnerte das Bild an jemand anderen:

Und wieder andere machten sich über die neckische Pose lustig:

Ein weiterer User fand eine sportliche Metapher für das, was Rees-Mogg da für sich selbst heraufbeschworen hatte:

Axel Voss ließ mit seinen Statements keinen Zweifel daran, dass er sich mit dem Internet nicht ganz so gut auskennt. (Bild: Getty Images)

#axelsurft

Als Chef-Verhandler für Artikel 13 und die EU-Urheberrechtsreform erklärte Axel Voss im Interview mit "Vice", dass Google eine Meme-Rubrik hätte, sei der Beweis dafür, dass Uploadfilter funktionierten. Diese Rubrik gibt es freilich nicht bei Google, was nicht weniger enthüllte, als dass der CDU-EU-Politiker vom Internet ähnlich viel Ahnung hat, wie es ihm Kritiker im Vorfeld vorgeworfen hatten. Noch peinlicher wurde die Chose, als vom offiziellen CDU/CSU-Europa-Account dieser Tweet gesendet wurde:

Was die Politiker meinten, waren suchverwandte Tags. Dass das Tag "Memes" bei der Suche nach Axel Voss angezeigt wird, liegt einfach daran, dass in vielen Berichten über ihn auch das Thema Memes behandelt wurde. So viel Unkenntnis war auch dem Bundestagsabgeordneten Matthias Hauer von der CDU richtig peinlich:

Und natürlich konnte die "heute show" diese Vorlage nicht ungenutzt vorüberziehen lassen:

Ab da war es nur ein kurzer Weg zum Hastag #axelsurft, unter dem die User Ideen lieferten, wann Axel Voss mutmaßlich zuletzt im Internet war:

Auch Kim Jong Un bot nicht zum ersten Mal eine gute Vorlage für ein Meme. (Bild: Getty Images)

Kim Jong Un

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un veröffentlichte über die Staatsmedien Bilder von sich, die ihn im Schnee auf einem Schimmel reitend auf dem heiligen Berg Paektusan auf der Grenze zwischen Nordkorea und China zeigen. Was staatsmännisch wirken sollte, sorgte im Netz vor allem für Spott.

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Naheliegend war der Vergleich zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, der sich ebenfalls gerne in der Natur ablichten lässt und zudem gerne mit freiem Oberkörper hoch zu Ross sitzt:

"Wer macht die bessere Figur" fragte ein User, der auch eine Parallele zu Donald Trump zog:

Auch das Social-Media-Team der Satiresendung "extra3" witterte einen Dreiklang:

Fabian Köster von der "heute show" montierte Kim Jong Un auf das Cover der "Wendy":

Andere fühlten sich zuerst an das Setting von "Game of Thrones" erinnert, waren ob des "Spin-offs" dann aber doch enttäuscht:

Oftmals ist es gar nicht so schwer, Gretas Gesichtsausdruck zu deuten... (Bild: Getty Images)

Greta Thunbergs Blick auf Donald Trump

Beim UN-Klimagipfel in New York musste man die Klimaaktivistin Greta Thunberg gar nicht erst fragen, was sie von Donald Trump hält – man konnte es an ihren Augen ablesen. Der "Todesblick", wie er später genannt wurde, war für viele User so nachvollziehbar wie bezeichnend.

Ein Nutzer schrieb auf Twitter: "Genau das habe ich auch gefühlt."

Ein anderer: "Findet jemanden, der euren schlimmsten Feind so anschaut, wie Greta Thunberg Trump."

Ein weiterer zog die Parallele zu einem weit zurückliegenden Ereignis, von dem allgemein bekannt ist, wie es ausgegangen ist:

Andere sahen darin eine potenziell gute Szene für "The Office", in der alle Beteiligten an den Folgen des Klimawandels sterben:

Und dieser User schrieb: "Dank Greta Thunberg, die Trump den Todesblick zuwirft, habe ich wieder einen Lebenswillen."

Natürlich darf Donald Trump in der Top-Memes-Liste nicht fehlen. (Bild: Getty Images)

Donald Trump #LostTrumpHistory

Als der US-Kongress neu über einen Hilfsfonds für erkrankte Ersthelfer der Anschläge am World Trade Center entscheiden musste, meldete sich auch der US-Präsident zu Wort. Laut "Mashable" sagte er an die Feuerwehrleute, Polizisten und andere Einsatzkräfte gerichtet: "Ich war auch dort. Aber ich sehe mich nicht als Ersthelfer. Aber ich war da drüben, und ich habe viel Zeit mit euch verbracht." Trump hatte schon in früheren Interviews behauptet, hunderte seiner Mitarbeiter hätten damals geholfen. Laut "New York Times" ist diese Behauptung allerdings "übertrieben". Unter dem Hashtag #LostTrumpHistory tweeteten die Nutzer nun wichtige historische Situationen, in denen der Präsident, ohne dass man es bis dahin wusste, ebenfalls anwesend gewesen sein soll.

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Beim Untergang der Titanic:

"Trump bei der Geburt von Jesus, einen Hamburger essend":

"Ich würde mich nicht als Astronaut bezeichnen, aber ich war da, als wir auf dem Mond gelandet sind":

Trump, der sagt: "Das war nicht Neil Armstrong in der Apollo 11, das war ich. Diese Neil-Armstrong-Story war Fake News ..."

Und wer könnte den Oscar-Gewinner-Film "Forrest Trump" vergessen?

Oder den ersten Amerikaner auf dem Mount Everest?

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