Wer sagt, das Superfood weit gereist sein muss? Zehn regionale Alternativen

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 5 Min.

Wieso gelten eigentlich Leinsamen, Grünkohl und Haferflocken als bieder und gewöhnlich, während Chia, Matcha und Quinoa als edles Superfood gefeiert wird? In Sachen Nährstoffdichte stehen lokale Alternativen den Exoten schließlich in kaum etwas nach.

Close-up shot of a tote bag with various vegetables on a wooden table.
Superfood geht auch umweltfreundlich - mit regionalen Alternativen (Symbolbild: Getty Images)

Superfood ist ein moderner Trendbegriff für Lebensmittel, die uns aufgrund wertvoller Nährstoffe einen besonderen Gesundheitsboost geben sollen. Lange Zeit wurden dabei besonders die unbekannteren, exotischen Kandidaten besonders hervorgehoben: Zum Superfood wurde vor allem erkoren, was ausgefallen klang und einen weiten Weg zurückgelegt hat.

Dabei gibt es zu nahezu jedem importierten Superfood eine regionale Alternative, die noch dazu entscheidende Vorteile gegenüber den weit gereisten Exoten haben. Die sind nicht nur oft ziemlich teuer - so manches modernes Superfood schlägt mit zehn bis 15 Euro pro 100 Gramm zu Buche - sondern haben aufgrund des langen Transportweges eine unterirdische Klimabilanz. Da Früchte oder Kräuter zudem den weiten Weg oft nicht unbeschadet überstehen würden, werden sie getrocknet, gemahlen oder mit Konservierungsstoffen bearbeitet - das überstehen nicht alle gesunden Inhaltsstoffe unbeschadet.

Warum also nicht zu den regionalen Alternativen greifen? Hier ein paar Vorschläge:

Statt Chiasamen: Leinsamen

Gesundheitsbewusste Menschen veredeln ihre Müslis und Bowls bevorzugt mit Chiasamen, die wegen des hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren, Proteinen und Ballaststoffen seit Jahren als ultimatives Superfood gefeiert werden - nicht selten jedoch aus China importiert werden. Leinsamen können eine ähnliche Gesundheitsbilanz aufweisen - in Sachen Omega-3-Fettsäuren schlagen sie Chia sogar noch.

Statt Quinoa: Haferflocken

Quinoa ist vor allem für Veganer und Vegetarier eine beliebte Quelle an Eiweiß und Eisen. Beides bieten jedoch auch Hirse und Hafer. Überhaupt ist Hafer ein wahres Kraftpaket an Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren und ungesättigten Fettsäuren und ist dank besonders gut verdaulicher Ballaststoffe und Proteine perfekt für empfindliche Mägen. Vielseitig ist das Getreide noch dazu: Wer es als Müslizutat oder Brei nicht mag, kann sie als Basis für Smoothies und Veggie-Burger sowie zum Backen verwenden.

Statt rohem Kakao: Grünkohl

Klar ist Kakao gesund - und damit meinen wir nicht das fertige, zuckrige Schokopulver, sondern die Rohversion - doch er gedeiht in unserem Klima nur schlecht und wird daher am Äquator angebaut. Grünkohl hingegen wächst hierzulande und hat ebenfalls einen hohen Anteil der beim Kakao so begehrten Flavinoide, die die Gedächtnisleistung und die Herzgesundheit stärken sollen.

kale salad with blueberries and a glass of tea on an old serving plate
Regional, nahrhaft und umweltfreundlich: Grünkohlsalat mit Heidelbeeren - gesünder geht's kaum! (Bild: Getty Images)

Statt Açaí-Beeren: Heidelbeeren

Neben Kalzium, Mineral- und Ballaststoffen enthalten die teuren Açaí-Beeren Anthocyane - blaue Pflanzenfarbstoffe, die antioxidativ wirken und unseren Körper damit vor freien Radikalen schützen. Die sind allerdings auch in vielen anderen blauen Lebensmitteln enthalten - allen voran Heidelbeeren. Jede Menge Provitamin A (wichtig für die Sehkraft) und eine Extra-Portion Magnesium enthalten sie noch dazu.

Statt Granatapfel: Himbeeren

Granatäpfel galten einst als Fruchtbarkeitssymbol, werden heute aber eher wegen einer hohen Konzentration an Kalium, Kalzium, Eisen und Antioxidantien geschätzt. Die haben Himbeeren allerdings auch - und noch dazu eine Extraportion an Vitamin C und B-Vitaminen.

Statt Gojibeeren: Hagebutte

Als Bocksdorn getarnt wächst die Gojibeere auch hierzulande, die meisten im Handel erhältlichen Früchte sind jedoch importiert. Beliebt sind sie neben pflanzlichem Eiweiß und diversen Mineralstoffen vor allem wegen ihres enormen Gehalts an Vitamin C, der Orangen um das 500-fache übertrifft.

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Doch auch 100 Gramm frische Hagebutten enthalten 1250 Milligramm Vitamin C und sind damit ein echter Boost für unser Immunsystem. In getrocknetem Zustand - in dem wir Gojibeeren auch meist verspeisen - machen sie sich perfekt als Beigabe zu Müsli oder zu anderen Speisen.

Statt Moringa: Petersilie

Moringa ist eine Kräuterart, die wegen ihrer Vielzahl an Vitaminen und Mineralstoffen gepriesen wird. Auch bei uns kann sie in Gewächshäusern oder Wintergarten gezogen werden, am besten gedeiht sie jedoch in Afrika oder Indien, wo Moringa aus dem Handel in der Regel herkommt. Dabei weisen viele heimische Kräuter eine ebenso hohe Variation an Nährstoffen auf, darunter Löwenzahnblätter, Sauerampfer, Giersch oder eben die Vitamin-C-Bombe Petersilie.

Fried carrots with green herbs in baking tray, close up
Karotten mit heimischen Kräutern: Ein echter Vitamin-Kick (Bild: Getty Images)

Statt Papaya: Karotten

Papaya ist eine seit langem beliebte Südfrucht, die neben verdauungsfördernden Enzymen wegen ihres hohen Vitamin-A-Gehalts geliebt wird. Wer Papaya also nicht wegen ihres süßen Geschmacks, sondern wegen des Sehkraft-fördernden Vitamins isst, kann ebenso zu Karotten greifen. Ihr reichlich enthaltenes Beta-Carotin wird in unserem Körper ebenfalls in Vitamin A umgewandelt. Noch dazu enthalten Möhren Ballaststoffe, die ebenfalls gut für die Verdauung sind, und diverse Mineralstoffe.

Statt Matcha: Kräutertee aus Kamille, Löwenzahn und Lindenblüten

Das grüne Matchapulver ist vor allem bei Teefreunden beliebt. Als Heißgetränk zubereitet soll es beruhigen, den Stoffwechsel anregen und die Cholesterinwerte sowie den Blutdruck senken. Was Matchatee kann, schaffen allerdings auch heimische Kräuter.

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Kamillentee beispielsweise ist für seine beruhigende Wirkung bekannt. Löwenzahn- Hagebutten oder Lindenblütentee hingegen regt die Verdauung an. Lasst euch doch im Teehaus um die Ecke eure eigene Matcha-Alternative mischen - oder pflückt und trocknet die Kräuter selbst.

Statt Kokosöl: Rapsöl

Kokosöl ist vielseitig einsetzbar, sowohl bei der Ernährung als auch in der Kosmetik. Doch der gesundheitliche Nutzen von Kokosöl ist umstritten, und aufgrund seines langen Transportwegs und zunehmender Monokulturen hat es eine schlechte Umweltbilanz. Wer es aber vor allem in der Küche verwendet, kann genauso gut auf klassisches Rapsöl setzen. Es enthält jede Menge ungesättigter Fettsäuren und noch dazu eine ordentliche Portion Vitamin E.

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