Werbung eines Metzgers geht nach hinten los

Tomas Soucek
Freier Autor

Ein Werbeplakat für ein Geschäft in Nordrhein-Westfalen polarisiert die Öffentlichkeit. Viele Bürger haben sich innerhalb weniger Tage darüber beschwert. Der Vorwurf lautet: Sexismus.

Diese sexistische Werbung hing nicht lange. (Bild: dpa)

Die Werbung eines Fleischgroßhändlers namens "Der Steaklieferant" ist als Beschwerde beim Deutschen Werberat gelandet: Zu sehen ist auf einem Plakat das Bild eines freundlich lächelnden Mannes, es ist Geschäftsführer Michael Franz, der ein rohes Stück Fleisch schultert. Dazu folgender Spruch: "So schön wie eine Frau. Schmeckt nur anders." Die Anspielung könnte kaum klarer sein, der Sexismus lässt sich nur schwer leugnen.

Gleichsetzung von Frauen mit Produkten

Gegen diese Werbung, die auf 29 Plakaten und in den Sozialen Medien zu sehen war, gingen sehr schnell dutzende Beschwerden beim Deutschen Werberat ein. Kritisiert wird die "Gleichsetzung von Frauen mit Produkten." Die Werbung sei sexistisch und herabsetzend.

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Rückzug nach Verfahrensdrohung

Der Deutsche Werberat leitete ein Verfahren ein. Doch dieses konnte der Rat gleich wieder einstellen. Denn der werbetreibende Steaklieferant Michael Franz zeigte sich kooperativ. Er hält zwar selbst das Stück Fleisch in die Kamera, wollte damit aber, so sagt er, keine Frau diskriminieren. Er habe bei dem Slogan nicht an sexuelle Handlungen gedacht, sondern an einen Kuss, sagte er. Nach dem Sturm der Entrüstung habe er aber eingesehen, dass die Kampagne ein Fehlgriff gewesen sei und sie in den sozialen Medien sofort gelöscht.

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Franz’ Fazit nach dem Shit­­storm: "Wir werden die Kampagne nicht wiederholen.” Der “Steaklieferant" sei jetzt in aller Munde, aber nicht im positiven Sinn.

Gut so. Aber auch schlimm genug, dass es überhaupt erst so weit kommen musste. In Zeiten der "Me too"-Debatte ist es nicht nachvollziehen, dass jemand diese Werbekampagne für eine gute Idee hielt.

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