Wie die New York Fashion Week Stellung gegen Trump bezieht

Die Modenschau von Prabal Gurung am 8. September machte ein politisches Statement mit „Wer darf Amerikaner sein?“-Schärpen. (Foto: Victor VIRGILE/Gamma-Rapho über Getty Images)

Letzten Monat wurde bekannt, dass Stephen Ross, Besitzer der Fitnesscenter Equinox und SoulCycle, eine Spendenaktion für Donald Trump in den Hamptons veranstalten wollte. Dies versetzte Fitnessfans in Aufruhr – Petitionen gingen um, Mitgliedschaften wurden gekündigt und es wurde mit Boykotten gedroht. Aber die Verbindungen des Milliardärs zu Trump hatten auch Einfluss auf die New York Fashion Week – zum Teil dank der Mode-Verbindungen seiner Frau.

Kara Ross, die Ross 2003 heiratete, ist Schmuckdesignern. Sie saß bis zu diesem Monat im Vorstand des Rats der Modedesigner von Amerika (CFDA). Der neue CFDA-Vorsitzende Tom Ford bestätigte gegenüber WWD, dass Ross eine von vier Vorstandsmitgliedern sei (zusätzlich zu Marchesa Georgina Chapman, der entfremdeten Ehefrau Harvey Weinsteins), die kürzlich ohne Stimmrecht emeritiert wurden. Dadurch solle der Vorstand “betreffend Alter und aller anderen Dinge diverser“ gestaltet werden.

Kara Ross (hier mit Stephen Ross im Jahr 2017) hat die Modebranche aufgrund der Trump-Spendenaktion ihres Mannes aufgewühlt. (Foto: Sylvain Gaboury/Patrick McMullan über Getty Images)

Ford stritt außerdem ab, dass der Weggang von Ross eine Bestrafung für die Trump-Spendenaktion gewesen sei. Die Vorstandsänderungen seien bereits seit Monaten geplant gewesen.

“Kara wird den Vorstand verlassen“, sagte er gegenüber WWD. “Allerdings hat das absolut nichts mit den politischen Überzeugungen ihres Mannes oder seiner Spendenaktion für Trump zu tun.”

“Ich meine, in diesem Land gilt freie Meinungsäußerung, die Freiheit, seine politische Überzeugung selbst zu wählen“, fuhr er fort. “Es gibt so viele Leute in der Branche, die uns dazu aufgefordert haben, sie aus dem Vorstand zu entlassen, was absolut falsch ist. Das ist nicht demokratisch, es ist nicht, worum es in diesem Land geht. Dies zu tun wäre dieselbe Art von Zensur gewesen, die unsere derzeitige Regierung bei der Presse versucht – sie versucht auf eine Art die wirkliche Redefreiheit zu manipulieren. Wir würden so etwas niemals tun und es war absolut nicht der Fall.“

Kritik von Schmuckdesignerin Dana Lorenz

Abgesehen von Forderungen, Ross aus dem CFDA-Vorstand zu entlassen (was sich nach ihrer Statusänderung nun soundso erledigt hat) sorgte die umstrittene Trump-Spendenaktion auch dafür, dass Schmuckdesignerin Dana Lorenz ihre CFDA-Mitgliedschaft aus Protest beendete. Lorenz, deren Designs unter dem Label Fallon erscheinen, schickte der CFDA einen offenen Brief und kritisierte die Führungsetage für ihre Weigerung, sich von Ross zu trennen.

Schmuckdesignerin Dana Lorenz (rechts, mit Model Ophelie Guillermand im Jahr 2005) kündigte ihre CFDA-Mitgliedschaft aus Protest, weil Ross im Vorstand sitzt. (Foto: Andrew Toth/Getty Images)

“Mir wurde gesagt “nicht unser Problem“ und dass ich meine Energie für etwas anderes verwenden soll“, schrieb Lorenz. “Das werde ich also tun. Den Jahresbeitrag und die hochpreisigen Eintrittskarten zu künftigen Preisverleihungen werde ich nun dafür verwenden, zu bekämpfen, was diese Regierung gerade zerstört – insbesondere Gleichberechtigung und Klimawandel.“

Sehr geehrter Herr Ford, Herr Kolb, sehr geehrte Mitglieder und sehr geehrte Vorstandsmitglieder der CFDA,

Ich bedaure, mit sofortiger Wirkung meine Mitgliedschaft im Rat der Modedesigner von Amerika kündigen zu müssen. Meine Entscheidung steht jedoch fest. Nach vielen Jahren der Mitgliedschaft bin ich nicht länger gewillt, teilzunehmen, solange eine Frau, die die aktuelle Regierung finanziell unterstützt, weiterhin im Vorstand sitzt. Ich werde nicht länger ein Teil von etwas sein, das anscheinend eine käufliche “Geld über Leistung“-Vereinbarung mit jemandem hat, dessen offensichtlicher Plan durch diesen Handelsstreit vielen großen und kleinen Unternehmen schaden wird. Ich als Mitglied identifiziere mich nicht mit ihren Ansichten und ich werde es nicht zulassen, dass sie in meinem Namen Entscheidungen trifft. Ich habe mir diese Entscheidung gut überlegt. Obwohl ich die Unterstützung zu Beginn meiner Karriere geschätzt habe, habe ich nicht länger das Gefühl, dass meine Mitgliedschaft mich repräsentiert. Ich erinnere mich gerne daran zurück, dass ich für einen CFDA-Preis nominiert war. Ich werde mich voller Dankbarkeit daran erinnern, dass ich für die Modestiftung von CFDA/VOGUE nominiert war. Und ich werde dir immer dankbar dafür sein, dass du mir dein Ohr geliehen hast, Steven. Als ich jedoch meine Bedenken zur Vorstandsposition von Frau Ross per E-Mail zum Ausdruck gebracht habe, habe ich eine Antwort erhalten, die mich sehr an die beschwichtigenden öffentlichen Erklärungen von SoulCycle und Equinox erinnert hat. Mir wurde gesagt, „nicht unser Problem“ und dass ich meine Energien für etwas anderes verwenden solle. Das werde ich also tun. Den Jahresbeitrag und die hochpreisigen Eintrittskarten zu künftigen Preisverleihungen werde ich nun dafür verwenden, zu bekämpfen, was diese Regierung gerade zerstört – insbesondere Gleichberechtigung und Klimawandel. Während Frau Ross gestern die letzten Vorbereitungen für ihre Spendenaktion traf, habe ich dafür gesorgt, dass meine schluchzende Haushälterin die Papiere für ihre ganze Familie zusammen hatte. Eine Frau, die seit drei Jahren die Staatsbürgerschaft hat und in Angst lebt. Es reicht nicht aus, Regenbögen auf Instagram zu posten. Macht etwas.

Nachsatz: Die Modestiftung ist nichts wert, solange sie nicht zur Gänze aus nachhaltigen Designern zusammengesetzt ist.

FALLON JEWELRY

Protest anderer Designer

Andere Designer setzten ein Zeichen gegen die politischen Tendenzen von Ross, indem sie ihre Modenschauen im Rahmen der New York Fashion Week in den Hudson Yards absagten. Hudson Yards ist ein Immobilienkomplex, für den das Unternehmen The Related Companies zuständig ist – eine Firma, dessen Vorsitzender, Gründer und Haupteigentümer Stephen Ross ist.

Obwohl Modedesigner Prabal Gurung geplant hatte, seine Modenschau am Samstag im Vessel in den Hudson Yards stattfinden zu lassen, sah er sich aufgrund der Ross-Spendenaktion dazu gezwungen, sich einen anderen Ort zu suchen. Dazu veröffentlichte er auf Twitter eine vernichtende Erklärung.

“Es geht nicht mehr um Parteigrenzen, besonders jetzt, bei all diesen Massenmorden durch die Hände von einheimischen Terroristen und weißen Rassisten“, schrieb der nepalesisch-amerikanische Designer, der zuvor die frühere First Lady Michelle Obama eingekleidet hatte, in einem langen Thread auf Twitter. Hier rechnete er mit Ross ab: “Sondern es ist eine Entscheidung, die man jetzt treffen muss. Es geht hier darum, sich zwischen zwei Seiten zu entscheiden: die richtige oder die falsche Seite der Geschichte.“

WER DARF AMERIKANER SEIN?/Frühjahr Sommer 2020 Finale von @moeez

Gurungs Kollektion anlässlich seines 10-jährigen Jubiläums machte außerdem auch ein politisches Statement. Die Models trugen rot-weiß-blaue Schärpen mit der Aufschrift “Wer darf Amerikaner sein?“ – eine Anspielung auf seine Wurzeln als Einwanderer und das Hochlebenlassen eines “Amerika, von dem ich weiß, dass es noch existiert“, wie es in den Anmerkungen zu seiner Show heißt.

WER DARF AMERIKANER SEIN?/Anmerkungen zur Frühjahr Sommer Kollektion 2020
Ein besonderes Dankeschön an @joseiswriting für die andauernde Unterstützung und Beratung.

Gurung ist damit nicht allein. Die Freitagsshow von Rag & Bone, die im Shed – einem gemeinnützigen Kunstzentrum in den Hudson Yards – stattfinden sollte, wurde ebenfalls verlegt. Und laut der New York Post verzichteten auch Designer wie Vera Wang und Michael Kors auf den Shed, obwohl letzterer jegliche politische Motivation abstritt.

RAG & BONE FRÜHJAHR/SOMMER 2020

Und dann gibt es noch die Trumps selbst. Obwohl Mitglieder der Präsidentenfamilie – insbesondere die erste Tochter Tiffany Trump, die am Samstag bei Taoray Wangs Show durch Abwesenheit glänzte – häufig in der ersten Reihe mit dabei gewesen waren, blieben sie den Laufstegen in dieser Saison fern. Allerdings könnte die Zang-Toi-Präsentation am Dienstag dies ändern: Die von Amerika inspirierte Schau in der vergangenen Saison hatte ein Dreigestirn bestehend aus Donald Trump Jr., seiner Freundin Kimberly Guilfoyle und der zweiten Ehefrau von POTUS, Marla Maples, angelockt.

Wir sehen uns morgen, ihr Hübschen!

Erin Donnelly

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