Wie kann man durch Flüge verursachte Klimaschäden kompensieren?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Wer mit dem Flugzeug unterwegs ist, weiß nicht erst seit dem Aufkommen des Wortes Flugscham, dass der Urlaubsspaß hinsichtlich des ökologischen Fußabdrucks ein Desaster ist. Einen Ausweg aus dem Dilemma bietet die CO2-Kompensation. Doch wie genau funktioniert sie und vor allem: Was bringt sie wirklich?

Wer viel fliegt, sollte die verursachten Klimaschäden irgendwie kompensieren (Symbolbild: Getty Images)

Die Idee hinter der CO2-Kompensation ist simpel. Wer der Umwelt schadet, indem er in ein Flugzeug steigt und damit massenweise Treibhausgase verursacht, versucht, den entstandenen Schaden woanders wieder wett zu machen. Konkret bezahlt man also Geld, das in Klimaprojekte fließt. Und das kann auf verschiedene Arten passieren.

Wie viel CO2 bei einem Flug anfällt, kann man sich berechnen lassen

Wer zum Beispiel einen Flug bei der Lufthansa bucht, kann sich danach auf der Website ausrechnen lassen, wie viel CO2 im Laufe seiner Flugreise anfällt und wie viel es kosten würde, das zu kompensieren. Den Betrag kann man dann an die gemeinnützige Stiftung Myclimate oder an das Projekt Compensaid stiften. Auch andere Airlines bieten eine CO2-Kompensation an, manche Reiseagenturen schlagen den Preis dafür gleich auf die Rechnung oder aber man spendet einfach direkt an Anbieter wie Myclimate oder Atmosfair. Auf deren Websites kann man sich erkundigen, welche Projekte mit den Spenden unterstützt werden. Bei der NGO Atmosfair sind es zum Beispiel Windkraftanlagen in Nicaragua, umweltfreundliche Wasserkraftwerke in Honduras oder solarthermische Heizungsanlagen in Südafrika.

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Anbieter sollten zertifiziert sein

Wie viel Geld für die CO2-Kompensation eines Fluges berechnet wird, hängt von den unterschiedlichen Anbietern ab. Für einen Hin-und Rückflug für die Strecke Düsseldorf - New York werden um die 60 Euro berechnet.

Das Umweltbundesamt rät dazu, sich bei der Wahl der Anbieter und Klimaschutzprojekte am Siegel Gold Standard zu orientieren. Derart ausgezeichnete Klimaschutzprojekte seien von hoher Qualität und würden die Treibhausgasemissionen realistisch berechnen. Der Gold Standard bezieht obendrein nicht nur den ökologisch nachhaltigen Effekt mit ein, sondern auch den sozialen.

Wer mit dem Zug fährt, reist umweltfreundlicher (Symbolbild: Getty Images)

Vermeiden ist besser als kompensieren

Auch, wenn man sein Gewissen mit einer CO2-Kompensation beruhigen kann, sollte man sich bewusst sein, dass Fliegen auch dann noch die klimaschädlichste Art des Reisens ist. Wer ein Mal auf die Malediven und zurück fliegt, verursacht dadurch eine Klimawirkung von mehr als fünf Tonnen CO2. Um dieselbe Menge mit dem Auto zu erreichen, könnte man mit einem Mittelklassewagen 25.000 Kilometer zurücklegen.

Das Umweltbundesamt rät deswegen dazu, wenn möglich auf Flugzeuge zu verzichten und stattdessen Busse oder Züge zu nutzen. Unternehmen, auch solche, die die Flugreisen ihrer Mitarbeiter kompensieren, sollten sich überlegen, ob Außentermine nicht über andere Kommunikationskanäle wie Videokonferenzen abgehalten werden können. Generell gilt auch beim Kompensieren: Es ist viel besser, Emissionen schon im Vorfeld zu verhindern, als dann zu versuchen, ihre Folgen abzumildern.

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Beim Fliegen ist CO2 nicht das einzige Problem

Flugzeuge verursachen nicht nur CO2. Verbrennt Kerosin, werden dabei auch andere Schadstoffe wie Stickoxide, Wasserdampf und Aerosole freigesetzt, die die Erdatmosphäre ebenfalls schädigen. Betrachtet man nur die durch den Luftverkehr freigesetzten CO2-Emissionen, haben diese 2017 genau 3,3 Prozent der deutschlandweiten CO2-Emissionen ausgemacht. Rechnet man aber auch die anderen Schadstoffe dazu, ist die Wirkung laut Umweltbundesamt mindestens doppelt so hoch.

Was nützt CO2-Kompensation wirklich?

Laut dem von fast 200 Staaten geschlossenen Pariser Klimaabkommen ist es das Ziel der beteiligten Länder, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Angestrebt sind 1,5 Grad. Ein Ziel, dass je nach Expertenmeinung schon jetzt nur noch schwer oder gar nicht mehr erreicht werden kann. Die EU jedenfalls hat versprochen, bis 2030 mindestens vierzig Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990.

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Bei der Umsetzung des Klimaschutzplans ist die Politik gefragt

In Deutschland wurde 2016 der Klimaschutzplan 2050 vorgestellt. Bis zu diesem Jahr soll Deutschland “weitgehend treibhausgasneutral“ werden, bis 2030 ist das Ziel, die Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken.

Neben dem Verkehrsbereich sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf in den Bereichen Energieversorgung, Industrie und Wirtschaft sowie Gebäude-, Land- und Forstwirtschaft. Mit CO2-Kompensation alleine kommt man da nicht weit. Und doch ist es, wenn man auf Flugreisen tatsächlich nicht verzichten kann oder mag, zumindest mehr als ein rein symbolischer Tropfen auf dem heißen Stein.

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