Wie schädlich sind Autos wirklich?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

In vielen Städten sind die Feinstaubwerte bedenklich hoch und es gibt immer neue Studien, die sich um die Frage drehen, wie gefährlich die Emissionen von Autos für Mensch und Umwelt wirklich sind. E-Autos sollen eine saubere Alternative sein, aber sind sie das wirklich?

Wie schädlich sind Autos wirklich für die Umwelt? (Symbolbild: Getty Images)

Im Jahr 2017 hat der Verkehr in Deutschland 38,8 Prozent aller Emissionen von Stickoxiden in die Luft verursacht, wobei der motorisierte Straßenverkehr als Hauptverursacher gilt. Vor allem in Ballungsräumen ist die Belastung durch Stickstoffdioxide ein Problem und wird spätestens immer dann wieder heiß diskutiert, wenn es um drohende Fahrverbote geht.

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Der Ausstoß von Klimagasen nimmt wieder zu

Laut Umweltbundesamt ist der Ausstoß an Klimagasen in den vergangenen Jahren wieder gestiegen, nachdem er 1999 seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte und danach kontinuierlich gesunken war. Experten des Umweltbundesamts führen das vor allem auf den zunehmenden Straßengüterverkehr zurück, der wiederum zu einem erhöhten Dieselkraftstoffabsatz geführt habe.

Die Autos sind weniger umweltschädlich, werden aber immer mehr

Tatsächlich sind Pkw heute umweltverträglicher als noch vor wenigen Jahrzehnten, was vor allem an der Einführung des geregelten Katalysators bei Benzinern liegt. Auch bei Diesel-Pkw konnten die Stickstoff-Emissionen durch technische Neuerungen unter Laborbedingungen deutlich reduziert werden. Dass diese Möglichkeit allerdings von vielen Herstellern durch illegale Abschaltvorrichtungen ausgehebelt wurde, ist spätestens seit dem Diesel-Skandal bekannt. Unterm Strich bleibt dennoch eine Verbesserung – die allerdings wenig bringt, wenn dafür immer mehr Autos auf den Straßen unterwegs sind. Laut Umweltbundesamt waren 2017 verglichen mit 1995 fast 18 Prozent mehr Pkw im Einsatz.

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Diese Gefahren gehen von Stickoxiden aus

In der Debatte um Feinstaub, Schwefeldioxid und Stickoxide gelten letztere in den meisten Städten als Luftschadstoff Nummer eins. Während Benziner kaum Stickoxide bilden, ist das beim Diesel ganz anders. Stickstoffdioxid ist ein Reizgas, das Menschen beim Atmen aufnehmen und das bis zur Lunge vordringt. Je höher die Konzentration in der Luft ist, desto wahrscheinlicher sind gesundheitliche Folgen wie Husten, Atemnot und Schmerzen in der Brust. Menschen, die über einen längeren Zeitraum einer erhöhten Stickstoffdioxidbelastung ausgesetzt sind, haben ein größeres Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsinfektionen oder Asthma zu bekommen. Laut einem 2017 im Fachmagzin “Nature“ erschienen Artikel sind europaweit fast 38.000 Menschen allein deswegen früher gestorben, weil die Hersteller von Dieselfahrzeugen die gesetzlichen Abgaswerte nicht eingehalten haben.

Sind E-Autos wirklich so viel besser als normale Autos? (Symbolbild: Getty Images)

Sind E-Autos die Lösung?

Das Versprechen hinter Elektro-Autos ist ganz klar, eine klimafreundlichere Alternative zu Benzinern und Diesel-Fahrzeugen zu bieten. Dass sie das tatsächlich tun, bestritt im April 2019 das Ifo-Institut mit einer Studie, bei der ein Mercedes C220 mit Dieselmotor eine bessere Klimabilanz aufwies als ein Tesla Model 3. Die Autoren der Studien hätten mit falschen Zahlen gerechnet, merkten daraufhin Experten wie Don Dahlmann an und auch das Umweltbundesamt verwies auf eine ältere Studie, bei der E-Autos besser abschnitten als Autos mit Dieselmotor. Je nachdem, mit welchem Verbrenner-Typ man ein Elektrofahrzeug vergleiche, stoße ein solches über seinen Lebensweg zwischen 16 und 27 Prozent weniger Klimagase aus, schreibt das Umweltbundesamt. Ein Wert, der sich in Zukunft durch die Energiewende im Strombereich im übrigen noch weiter verbessern werde.

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Bei der Herstellung verursachen Elektro-Fahrzeuge mehr Treibhausgase

Tatsächlich ist bei einem Elektroauto die Produktion ein wunder Punkt. Besonders die Herstellung der wiederaufladbaren Batterie benötigt viel Strom, dessen Erzeugung mit Emissionen einhergeht. Experten schätzen, dass bei der Herstellung eines durchschnittlichen Elektroautos zwischen zehn und zwölf Tonnen Treibhausgase anfallen. Bei Benzinern wie Diesel-Fahrzeugen sind es dagegen nur sechs bis sieben Tonnen.

Je mehr Kilometer, desto besser

Allerdings machen die Elektroautos ihren anfänglichen Nachteil bei der Öko-Bilanz wett, weil der Elektromotor einen viel geringeren Energiebedarf hat als ein Verbrennungsmotor. Ab wie viel gefahrenen Kilometern ihre Öko-Bilanz dann besser ausfällt, differiert je nach Studie. Manche Experten gehen von 50.000 Kilometern aus, bei anderen müssten dafür erst 150.000 Kilometer gefahren werden. Auf der Negativseite der E-Autos bleiben aber die dafür verwendeten Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel stehen, die unter ethisch und ökologisch fragwürdigen Bedingungen abgebaut werden.

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Sind E-Roller die Lösung?

Wer jetzt denkt, die in großen Städten immer häufiger genutzten E-Roller seien das ökologische Allheilmittel des umweltschädlichen Verkehr, irrt. Da sie laut verschiedenen Untersuchungen vor allem in den Innenstädten und dort auf kurzen Strecken genutzt werden, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen wären, schneiden sie in puncto Umweltfreundlichkeit eher schlecht ab. Dazu kommt, dass die Akkus oft nicht ausgetauscht werden können und kaputte Roller eher ersetzt, als repariert werden.

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