Wie Verkehrssünder zu Wohltätern werden

Verkehrssünder bezahlen ihre Knöllchen mit Lebensmittelspenden. Am Ende kommen diese dann in solchen Boxen Bedürftigen zugute. Foto: Symbolbild / gettyimages / Mukhina1

Im US-amerikanischen Örtchen Bay Village können Falschparker ihre Knöllchen ab sofort mit Lebensmittelspenden bezahlen. Diese kommen dann einer wohltätigen Organisation zugute.

Falsch parken und dennoch etwas Gutes tun: Diese Möglichkeit haben Verkehrssünder seit vergangenem Freitag bis einschließlich 31. Dezember in Bay Village. Die Kleinstadt im Norden des US-Bundesstaates Ohio erlaubt ihren Bürgerinnen und Bürgern, wie auch schon im vergangenen Jahr, Strafzettel mit Lebensmitteln zu begleichen – anstatt einfach Geld zu zahlen. Initiativ hinter der Aktion stehen die örtliche Polizei und die Presbyterianische Kirche. Die so gesammelten Lebensmittel werden dann an Wohlfahrtsküchen verteilt oder direkt Bedürftigen gespendet.

Man muss aber nicht erst eine Ordnungswidrigkeit begehen, um mitzumachen. Jede Bürgerin und jeder Bürger kann ab sofort und rund um die Uhr eine Lebensmittel-Spende bei der Polizei abgeben. Für die Sündigen gilt: Jedes Lebensmittel, akzeptiert wird Haltbares und Nicht-Verderbliches, entspricht fünf Dollar. Jeder Strafzettel kann anteilig bis 25 Dollar auf diese Weise beglichen werden. Ist der zu bezahlende Betrag höher, geht das nur noch mit Geld.

Gutes tun seit 30 Jahren

Im vergangenen Jahr wurde die Aktion bereits mit großem Erfolg durchgeführt, insgesamt konnten fast 25 Tonnen gesammelt und gespendet werden. Auf einer Liste der bevorzugten Lebensmitteln steht etwa: ungezuckerte und getrocknete Früchte, dunkle Schokolade, Erdnussbutter, Kartoffelbrei, Honig, Reis, verschiedene Mehlsorten, eingemachtes Gemüse, Konserven oder Brühen.

In einem Facebook-Beitrag schreibt die Polizei von Bay Village: „Gegründet wurden die Wohlfahrtsküchen der ‚Bay Food Ministry‘ bereits im Jahr 1989. Seither werden bedürftige Menschen und Familien, die in unserer Stadt leben oder arbeiten, unterstützt. Es gibt immer eine besonders hohe Nachfrage nach Müsli-Flocken, Thunfisch- und Hühnchenkonserven, Dosensuppen, aber auch nach Toilettenpapier. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!“

Auch in Deutschland kann Bußgeld gespendet werden

Die Kommentare unter dem Beitrag sind entsprechend positiv, eine Nutzerin etwa schreibt: „Großartiges Programm von der Polizei in Bay Village!“ Ein anderer Nutzer schreibt: „Das ist eine wirklich edle Idee der Polizei!“

Auch in Deutschland ist es möglich, Geldauflagen an wohltätige Initiativen zu spenden. Dafür gibt es laut „Bussgeldkatalog.de“ einige Voraussetzungen. Eine davon ist, dass es sich um ein Strafverfahren handelt und nicht um eine Ordnungswidrigkeit. Der vermeintliche Täter oder die Täterin kann dann im Anhörungsbogen angeben, dass die Geldauflage an eine Spendenorganisation gehen soll. Auch in der Gerichtsverhandlung gibt es noch die Möglichkeit, ein Spendenziel zu nennen. Entscheidungsgewalt hat dann aber die richterliche Instanz oder die Staatsanwaltschaft, wer letztlich profitiert. Dabei gilt: Die gemeinnützige Organisation sollte zum vorgeworfenen Tatbestand passen, also folgt etwa auf eine „Gefährdung im Straßenverkehr“ eine Spende an die „Verkehrsunfall-Opferhilfe“.