WLAN im Flugzeug: Endlich besser surfen

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Seit 2003 wird Internet auf Flügen angeboten, doch Preise und Übertragungsgeschwindigkeiten über den Wolken sind weiterhin unterirdisch. Dabei könnten LTE-Satellit-Hybridnetzwerke nun Abhilfe schaffen.

LTE-Satellit-Hybridnetzwerke werden Ihre Internetnutzung während des Fluges verbessern (Symbolbild: Getty Images)

Es sind oft Geschäftsreisende, die die Flugzeit über am Laptop arbeiten möchten, doch auch Urlauber wollen zunehmend über den Wolken streamen, auf sozialen Kanälen unterwegs sein oder Mails checken. Das ist dank angebotenem WLAN zwar in vielen Flugzeugen grundsätzlich möglich, gestaltet sich für den Endkunden jedoch entweder als zu teuer oder zu langsam – oder beides. Kein Wunder, dass einer Bitkom-Umfrage zufolge bislang nur jeder achte Deutsche Internet im Flugzeug genutzt hat.

Was ist eigentlich das Problem in Sachen WLAN im Flieger?

Dabei ist das Thema nicht allzu neu: Schon seit Anfang des Jahrtausends wird auf Langstreckenflügen Internet angeboten – die Signale kamen zunächst über Satelliten in die Jets. Erst seit vergangenem Jahr wird zumindest in Europa auch mit Signalen vom Boden aus gearbeitet: Rund 300 LTE-Basisstationen des so genannten “European Aviation Networks“ von Nokia und der Deutschen Telekom bilden mit Satelliten des britischen Herstellers Inmarsat ein Hybrid-Netz, das an Bord eine Übertragungsrate von immerhin 75 Mbit/Sekunde schafft – eine Geschwindigkeit, die für Videokonferenzen oder TV-Streaming definitiv ausreichend ist. Die speziell erweiterten Basisstationen sind für den Empfang in hoher Flughöhe optimiert, während bislang der Mobilfunkempfang mit terrestrischen Anbietern nicht oder nicht reibungslos möglich war.

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Digitalisierung über den Wolken: eher unterirdisch

Die 300 Basisstationen sind quer über die 28 EU-Mitgliedsstaaten, Norwegen und die Schweiz auf erhöhten Standorten wie Bergen oder Sendetürmen verteilt und sollen den Mobilfunkempfang in Flugzeugen über Europa sichern und grundlegend optimieren. Das Netzwerk unterstützt Fluggeschwindigkeiten von bis zu 1200 km/h und eine Flughöhe von bis zu 12 Kilometer. Befindet sich das Flugzeug über dem Meer, kommt das Satellitennetzwerk von Inmarsat zum Einsatz – weshalb die Antennen der mit EAN ausgestatteten Flugzeuge unten am Rumpf und auf der Oberseite der Maschine angebracht sind.

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Allerdings: Bislang hat sich nur die IAG (unter anderem Iberia und British Airways) dazu entschieden, den in den Jets notwendigen technischen Umbau vorzunehmen. Die IAG ist der drittgrößte europäische Luftfahrtkonzern nach Ryanair und Lufthansa. Letztere stehen Berichten zufolge zwar in Gesprächen mit der EAN, eine Einigung über die konkreten Konditionen gibt es wohl jedoch noch nicht. Der Einbau der erforderlichen technischen Updates ist aufwendig und teuer: Fast 140 der rund 170 A320-Mittelstreckenjets von Lufthansa sind noch mit den Buckelantennen für den herkömmlichen Satellitenfunk ausgestattet. Tests mit den deutlich leichteren EAN-Antennen könnten nur auf den neueren Flugzeugen des Modells A320neo laufen, mit denen die Lufthansa in bislang nur 20 aktiven Maschinen derzeit wichtige Ersterfahrungen macht.

Nur ein Drittel der von Bitkom befragten Deutschen – meist ältere Menschen – haben kein Bedürfnis, auch über den Wolken online zu sein. Mehr als die Hälfte haben grundsätzlich Interesse an einer Internetverbindung während eines Flugs. Letztere müssen sich, wenn sie in den Genuss einer von EAN bereitgestellten Verbindung kommen wollen, noch ein wenig gedulden – oder sich Strecke und Airline gut aussuchen: Neben Jets von Iberia und British Airways nutzen auch Maschinen von Vueling und Air Lingus, die ebenfalls zu IAG gehören, bereits das EAN-Netzwerk.