Wodka-Ballons: Sich betrinken ist so was von gestern!

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Wodkawackelpudding und klassische Shots haben ausgedient: In Großbritannien macht sich ein Hype um Wodka-Ballons breit, die für einen schnellen Rausch sorgen. Das schont zwar die Gläser, aber leider nicht unsere Gehirnzellen.

Das morgendliche Müsli, der gesunde Frucht-Snack zwischendurch und natürlich das liebevoll zubereitete Abendessen: An die Tatsache, dass Essen für viele nicht mehr nur lecker, sondern auch "Instagrammable" sein muss, hat man sich ja schon fast gewöhnt. Aber das gute alte Besäufnis? Echt jetzt? Nein, wir sprechen nicht von den Sonnenschirm-Cocktails am weißen Sandstrand, die gediegen in die Luft gehalten werden. Sondern von schummrigen Fotos, die in der Eckkneipe aufgenommen wurden. Und aus den britischen Kneipen (die zwar nicht um die Ecke, dafür aber anscheinend besonders innovativ sind) ereilt uns eine Bilderflut, die genau das zeigt: Menschen, die sich ungeniert ihren Rausch einverleiben.

Was das Besäufnis vermeintlich fototauglich und an dieser Stelle erwähnenswert macht: Er wird nicht etwa dadurch erzeugt, dass man mindestens ein alkoholhaltiges Getränk leert. Nein, Alkohol wird nun nicht mehr getrunken, sondern inhaliert – und zwar in Form eines vielversprechenden Wodka-Nebels, der durch einen herkömmlichen Luftballon eingeatmet wird.

Die Maschine von Vapshot schlägt mit 5500 Euro nicht nur zu Buche, sondern die Folgen laut Ärzten auch aufs Gehirn. (Bild: Vapshot)

Erfunden wurde das bei den britischen Partylöwen mittlerweile beliebte Rauschkonzept von der US-Firma Vapshot, die von der "Zukunft der Alkohol-Industrie" spricht und die Maschine, die den Alkoholdunst erzeugt, für rund 5.000 Pfund (rund 5500 Euro) auf ihrer Webseite feilbietet.

Die Wirkung hält lediglich 20 Minuten an

Die Kneipen wiederum rufen für einen "Shot" verschiedenen britischen Medien zufolge zwischen 4 und 6 Pfund (4,40 bis 6,60 Euro) auf und machen damit ein dickes Geschäft. Denn auf der Vapshots-Webseite wird vorgerechnet, dass sich aus einer einzigen 750ml-Flasche stolze 1.500 bis 2.000 Shots generieren lassen. Und weil die Rauschwirkung eines Ballons nach lediglich 20 Minuten wieder nachlässt, wird es wohl bei den wenigsten Gästen bei einem bleiben.

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Wer die Wodka-Ballons nun schon als dankbare Alternative eines abendfüllenden Rauschs in Betracht gezogen hat, sei gewarnt. "Alkohol, der in Ihre Lunge gelangt, geht direkt in den Blutkreislauf und man kann sehr schnell betrunken werden. Das ist sehr gefährlich und kann beispielsweise zur Alkoholvergiftung führen", sagt etwa Andrew Misell, einer der Vorsitzenden der Kampagne Alcohol Change gegenüber der "Sun".

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Auch Andrew Scott-Clark, Direktor des Kent County Council für öffentliche Gesundheit, warnt vor den direkten und Spätfolgen der Wodka-Ballons: "Die erhöhte Absorption kann das Gehirn schädigen und ist besonders für Jugendliche und junge Erwachsene gefährlich, da sich ihr Gehirn noch nicht vollständig entwickelt hat."

In einem Statement von Vapshot heißt es hingegen: "Wir haben das Projekt gestartet, um einen innovativen und potenziell gesünderen Weg des Alkoholkonsums zu beschreiten. Es gibt keinen Beweis dafür, dass diese Form schädigend ist."