Woran du merkst, dass dein*e Partner*in ein Ego-Fucker ist & wie du das änderst

Kasandra Brabaw

Erinnerst du dich noch an die Eröffnungsszene von Bridesmaids, in der Annie während des Sex' mit ihrem „Freund Plus“ immer noch einen BH trägt? Meine beste Freundin hielt den Film damals an und teilte ihre Weisheit mit mir. Ich war nämlich noch gänzlich unerfahren in Sachen Sex und sie erklärte mir, dass nicht alle Klamotten auszuziehen ein Zeichen für einen schlechten Lover sei.

Aufgrund meiner Unerfahrenheit nahm ich sie beim Wort. Dass der Typ tatsächlich ein Ego-Fucker war, stellte sich im Verlauf des Films heraus. Ich meine, er nahm sich nicht mal Zeit, ihren BH ausziehen, um ihre Brustwarzen zu stimulieren (Vorspielregel Nummer eins, vielen Dank). Jetzt wo ich selber meine Erfahrungen gesammelt habe, weiß ich aber, dass die Welt so schwarz-weiß nun auch wieder nicht ist. Eine Handlung – oder das Ausbleiben einer solchen – machen einen Typen noch nicht schlecht im Bett. Manchmal vergessen wir einfach, alle Klamotten auszuziehen, weil wir im Eifer des Gefechts einfach von unserer Geilheit überrannt werden. Und das ist ehrlich gesagt auch manchmal ziemlich sexy.

Deswegen ist der BH-Test auch nicht das ultimative Kriterium, um herauszufinden, ob der Mensch, mit dem du schläfst, egoistisch beim Sex ist. Um eine professionelle Meinung einzuholen, habe ich mit Dr. Sadie Allison gesprochen. Sie ist die Gründerin von TickleKitty.com und Autorin des bisher leider nur auf Englisch erschienen Sexpositionenratgebers Ride 'Em Cowgirl! Sex Position Secrets for Better Bucking. Sie erklärte mir, dass Anzeichen von selbstbezogenem Verhalten im Bett nicht unbedingt bedeuten, dass du es mit einem Ego-Fucker zu tun hast. Bevor du deinen Lover in die Wüste schickst, solltest du checken, ob es sich vielleicht eher um Unerfahrenheit oder Unsicherheiten auf seiner Seite handelt. „Manchmal ist ihm oder ihr vielleicht nicht mal bewusst, dass er oder sie sich egoistisch verhalten“, sagt Dr. Allison. „Vielleicht hat dein Gegenüber nie gelernt, ein*e gute*r Liebhaber*in zu sein oder ist noch jung und unerfahren und denkt, sie oder er weiß aus Pornos, wie guter Sex auszusehen hat.“

In unserer Slideshow findest du alle Tipps von Dr. Allison, um eine*n selbstsüchtige*n Sexpartner*in zu entlarven und was du gegen Ego-Verhalten im Schlafzimmer tun kannst.

Dein*e Partner*in nimmt immer nur, ohne zurückzugeben

Wenn dein*e Partner*in sich immer zurücklehnt und sich verwöhnen lässt oder den aktiven Part beim Sex nur bei dir sieht, ist das in jedem Fall ein Alarmsignal.

Was du dagegen tun kannst: Jede Beziehung ist anders. Wenn du und dein*e Partner*in ausgemacht haben, dass einer von euch den dominanten Part übernimmt und der andere den devoten, kannst du dieses Alarmsignal locker ignorieren. Wenn das jedoch nicht der Fall ist und du dir wünscht, dass sich dein*e Liebhaber*in mehr ins Zeug legt, solltest du ihm oder ihr das genau so sagen. Nimm dir eine ruhige Minute, um deinem Gegenüber zu erzählen, was du gerne ändern würdest und sieh dir an, ob sie oder er empfänglich für die Kritik ist, rät Dr. Allison. Ein*e Partner*in, die eher ahnungslos als egoistisch ist, wird sich sicherlich anders verhalten, nachdem du dich mitgeteilt hast.

illustrated by Bella DiMarzio.

Dein*e Partner*in fragt nicht nach deinen Vorlieben

„Wenn er oder sie sich keine Mühe gibt, zu verstehen, wie er*sie dich befriedigen kann, hast du es vielleicht mit einem Ego-Fucker zu tun“, erklärt Dr. Allison. Dazu gehört auch, nicht zu fragen, was dir im Bett gefällt oder während des Sex nicht zu kommunizieren, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist. Es reicht manchmal nur ein Wort, um zu überprüfen, wie dein Gegenüber sich fühlt, aber das sollte man spendieren, sagt auch Dr. Allison. Beispiele gefällig? Schneller? Langsamer? Gefällt dir das? sind allesamt gute Fragen, um während des Sex zu kommunizieren und so rauszufinden, was euch beiden beim Liebesspiel gefällt. Herrscht bei euch im Bett hingegen Totenstille, könnte das ein Signal sein.

Was du dagegen tun kannst: Wir verstehen, dass es sich vielleicht komisch für dich anfühlt, während des Sex zu reden. Möglicherweise möchte dein Lover ja wissen, wie sie oder er dich besser befriedigen kann, aber er*sie findet es einfach komisch, danach zu fragen, wenn ihr gerade bei der Sache seid. Deshalb solltest du außerhalb des Schlafzimmers einen Moment finden, um darüber zu sprechen, was ihr euch vom Sex erwartet, rät Dr. Allison. Da dieses Thema sensibel ist, solltest du aber auch mit Komplimenten nicht geizen. „Ich finde es toll, wenn du mich leckst, aber es würde sich noch großartiger anfühlen, wenn du deine Zunge dabei etwas langsamer bewegen würdest“ ist ein gutes Beispiel für einen gelungenen Verbesserungsvorschlag.

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Dein*e Partner*in interessiert sich nicht für deinen Orgasmus

Dieses Alarmsignal erklärt sich ziemlich von selbst. Der oder die Andere ist zum Höhepunkt gekommen, du aber nicht. Für sie ist der Sex aber damit abgeschlossen, während du frustriert daneben liegst. Dasselbe gilt für multiple Orgasmen. Während Menschen mit Penissen in der Regel nur einen Orgasmus haben können und danach eine kleine Pause brauchen, bevor es in die zweite Runde geht, können Menschen mit Vaginen innerhalb kurzer Zeit mehrere Orgasmen erleben. Das sollte dein*e Sexpartner*innen wissen. Dr. Allison meint: „Der erste Orgasmus einer Frau muss keinesfalls der letzte sein.“ Wenn dein Gegenüber sich nach der Befriedigung seiner oder ihrer eigenen Bedürfnisse zurückzieht, hast du es wohl mit eine*r Egoist*in zu tun.

Was du dagegen tun kannst: Manches ist einfach eine Frage der Aufklärung. Vielleicht weiß dein*e Partner*in nicht, dass du mehrere Orgasmen haben kannst. Falls du das Gefühl hast, zu kurz zu kommen, solltest du das ansprechen. Du kannst erklären, dass es sehr wohl möglich ist, dass du mehrmals kommst: während des Vorspiels, während des Hauptakts und vielleicht sogar noch einmal danach.

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Dein*e Partner*in lehnt Sextoys kategorisch ab

Toys können euer Sexleben in Schwung bringen. Insbesondere für Paare, die Penis-in-Vagina-Sex praktizieren, sind sie eine tolle Möglichkeit. Denn gerade bei dieser Sexart kommen Frauen meist nicht nur durch die Penetration allein zum Orgasmus. Wenn das Ego deine*r Partner*in allerdings zu groß ist, um Spielzeuge mit in euer Liebesspiel einzubeziehen, ist das problematisch, weil er oder sie dann kein Interesse an deinem Genuss zu haben scheint. Wenn sie darüber hinaus auch noch versucht, dich davon abzuhalten, Toys bei deinem Solosex einzusetzen, ist die Grenze überschritten. „Das ist kontrollierendes Verhalten und mehr als egoistisch“, meint Dr. Allison.

Was du dagegen tun kannst: Zunächst einmal solltest du deine*r Partner*in gegenüber offen sagen, dass du Lust hättest, Sextoys zu verwenden. Wenn die Reaktion dann eher abwehrend ist, solltest du versuchen, herauszufinden, woran das liegen könnte. Vielleicht ist er oder sie einfach nur nervös, weil sie so etwas noch nie gemacht hat, nicht weiß, wie es sich anfühlt oder wie man damit umgehen muss. Das ist auch alles total in Ordung. Ihr solltet versuchen, offen über eure Bedenken zu reden und einen gemeinsamen Weg zu finden.

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Dein*e Partner*in will nichts Neues ausprobieren

Auch das ist ein Alarmsignal, sagt Dr. Allison. „Es könnte ein Zeichen für Egoismus sein oder dafür, dass der andere nicht so richtig auf dich steht.“
Was du dagegen tun kannst: Du solltest dich zunächst daran erinnern, dass sexuelle Geschmäcker unterschiedlich sind. Es könnte also sein, dass dein Gegenüber das, was du ausprobieren möchtest, einfach nicht so sexy findet. Aber es könnte auch wieder ein Zeichen von Unsicherheit sein, sagt Dr. Allison. Deswegen solltest du auch hier versuchen, herauszufinden, was dahintersteckt. Ist dein* Partner*in echt egoistisch oder will er oder sie aus Angst vor Neuem einfach bei der Sorte Sex bleiben, die er*sie schon kennt?

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Dein*e Partner*in nimmt sich keine Zeit für das Vorspiel

Wenn dein*e Partner*in ohne Vorspiel direkt in die Mitte des Geschehens springt, könnte es sich hier um eine*n Egoist*in handeln, meint Dr. Allison. Besonders für Menschen mit Vulva ist eine gewisse Aufwärmzeit oftmals erforderlich, damit sie den Sex auch wirklich genießen können. Andernfalls kann der Sex nämlich sogar schmerzhaft werden, wenn du nicht feucht genug bist. Ein*e Liebhaber*in, die das nicht einbezieht und andauernd das Vorspiel überspringt, denkt wohl in erster Linie an sich selbst.

Was du dagegen tun kannst: Die meisten Menschen wissen, dass das Vorspiel zum Sex dazu gehört und auch wahnsinnig aufregend sein kann. Aber Dr. Allison gibt zu bedenken, dass gerade unerfahrene, jüngere Menschen oft nicht genau wissen, wie sie es richtig angehen sollen. Vielleicht haben sie ihr Wissen über Sex einzig über Pornos oder aber auch Spielfilmen. Bei beiden steht meist die Befriedigung des Mannes im Vordergrund. Deswegen geht es oft einfach darum, insbesondere Männern zu erklären, wieso ein Vorspiel so wichtig ist und Sex ohne für dich nicht mal halb so schön ist.

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Dein*e Partner*in kommt zu früh und schläft direkt nach dem Sex ein

Das ist ein ziemlicher Klassiker. Nachdem dein*e Partner*in in Windeseile zum Höhepunkt gekommen ist, rollt sie oder er sich zur Seite und schläft ein. Dass du gerne auch einen Orgasmus gehabt hättest oder gerne noch kuscheln würdest, scheint zweitrangig.

Was du dagegen tun kannst: „Dein*e Partner*in meint das nicht unbedingt immer böse“, sagt Dr. Allison. Manchmal passiert es Leuten einfach, dass sie zu früh zum Höhepunkt kommen. Wenn das öfter vorkommt, solltet ihr gemeinsam überlegen, wie ihr daran arbeiten könntet. Bei manchen Paaren hilft es, vor oder nach der Penetration noch eine Runde Oralsex einzuplanen, damit beide auf ihre Kosten kommen. Das eigentliche Problem bei diesem Szenario ist aber wahrscheinlich emotionaler Natur: Das Wegdrehen und Einschlafen. Wenn du nach dem Sex noch Körperkontakt suchst und es dich verletzt, wenn dein Gegenüber von dir ablässt, sobald der Orgasmus abebbt, solltest du das ansprechen.

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Dein*e Partner*in hört dir nicht zu, wenn du redest

„Kommunikation ist das A und O“, sagt Dr. Allison. „Es ist absolut unerlässlich, einander zuzuhören, damit ihr eine Verbindung aufbauen könnt.“ Wenn du das Gefühl hast, der*die Einzige zu sein, der*die kommuniziert, ist das ein Riesenproblem. „Andauernd nur ein „Okay Baby“ zu hören, wenn du über deine sexuellen Bedürfnisse und Wünsche sprichst, ist nicht okay, wenn sich danach rein gar nichts ändert. Es zeigt, dass dein Gegenüber deine Bedürfnisse nicht ernst nimmt und egoistisch handelt“, meint auch Dr. Allison.

Was du dagegen tun kannst: Hier kannst du nicht viel machen. Wenn dein*e Partner*in deine Wünsche und Anliegen im Bett (und auch in allen anderen Lebensbereichen) nicht für voll nimmt, scheint ihm oder ihr nicht viel daran zu liegen, dass du dich in der Partnerschaft wohlfühlst. Klar hat jeder mal Momente, in denen er oder sie abgelenkt oder gestresst ist und vergisst, worüber ihr gesprochen habt. Deswegen solltest du sichergehen, dass es sich hier um ein anhaltendes Problem handelt, bevor du dich dazu entschließt, die Beziehung in den Wind zu schießen. Es ist okay, dich ein- oder zweimal zu wiederholen, aber immer und immer wieder nach einer Veränderung zu bitten, die nicht kommt, ist nicht okay, sagt Dr. Allison. Du hast etwas Besseres verdient.

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