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Zahl der Vermissten in Libyen steigt auf 10.000 (IFRC)

Nach den verheerenden Unwettern im Bürgerkriegsland Libyen ist die Lage vor Ort dramatisch.

Die Überschwemmungen hätten eine "enorme" Anzahl an Toten gefordert, die in die Tausende gehen könnten. Und 10.000 Menschen würden vermisst, so Tamer Ramadan Leiter des Libyen-Büros der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) mit Sitz in Tunis.

Die Zahl der Todesopfer sei nach wie vor unklar, sagte Tamer Ramadan, der per Videolink zu einer UN-Pressekonferenz in Genf dazugeschaltet war. "Wir haben im Moment keine endgültigen Zahlen", sagte er und betonte, dass "die Zahl der Vermissten nahe bei 10.000 liege. Er hoffe, im Laufe des Tages genauere Informationen über die Zahl der Toten zu erhalten.

Die humanitären Bedürfnisse überstiegen bei weitem die Kapazitäten des Libyschen Roten Halbmonds und die der Regierung" erklärte Ramadan.

"Aus diesem Grund hat die Regierung im Osten einen Aufruf zur internationalen Hilfe gestartet und auch wir werden in Kürze einen Notruf starten."

Sturm "Daniel" hat vor allem den Nordosten des Landes verwüstet, nach den sintflutartigen Regenfällen wurden die betroffenen Regionen zu "Katastrophengebieten" erklärt.

Besonders schwer wurde die Hafenstadt Derna getroffen, hier ist die Lage nach Angaben des Gemeinderats "außer Kontrolle".

Ganze Stadtviertel "einschließlich der Bewohner mit ins Meer gezogen"

Ahmed al-Mosmari, Sprecher der libyschen Armee: "Im Süden von Derna sind zwei Staudämme gebrochen, das Wasser hat die Stadt überflutet. Drei Brücken sind eingestürzt und die Wassermassen haben ganze Stadtviertel - einschließlich der Bewohner- mit ins Meer gezogen."

Dutzende von Dörfern und Städten sind betroffen. Wegen der schwachen Infrastruktur gestalten sich die Rettungsmaßnahmen nach Angaben des Notfalldiensts als schwierig. Man sei auf die Unterstützung von Hubschraubern angewiesen. Strom und Internetverbindung seien unterbrochen.

Sturm Daniel, der von Experten in Bezug auf die Menge des gefallenen Wassers" als extrem bezeichnet wird, hat in den letzten Tagen in Griechenland, der Türkei und Bulgarien bereits mindestens 27 Todesopfer gefordert.

Zur Zahl der Toten lagen zunächst keine überprüfbaren Angaben vor. Politiker einer der beiden konkurrierenden Regierungen im Land fürchteten mehrere Tausend Tote, nachdem Sturm Daniel Libyen am Sonntag erfasst hatte.

Othman Abdel Dschalil, Gesundheitsminister im Osten, sagte dem Fernsehsender Al-Massar, es sei nach wie vor schwer, die genaue Zahl der Toten und Vermissten zu bestimmen.

"Die Leichen lagen in vielen Gebieten der Stadt Darna, die als Resultat der Aushöhlung vieler Straßen und Gebäudeeinstürze für mehrere Stunden lang isoliert war", so Abdel Dschalil.

Die Regierung im Westen in der Hauptstadt Tripolis unter Ministerpräsident Abdul Hamid Dbaiba sprach von den schwersten Regenfällen seit mehr als 40 Jahren. Am Montag wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

UN drängen auf schnelle internationale Hilfe

Die Situation wird auch durch das innenpolitische Chaos verschlimmert. Derzeit kämpfen zwei verfeindete Regierungen mit jeweils einem Sitz im Osten und Westen um die Macht.

Nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi war 2011 in Libyen ein Bürgerkrieg ausgebrochen. In dem ölreichen Staat in Nordafrika ringen bis heute zahlreiche Milizen um Einfluss. Derzeit kämpfen zwei verfeindete Regierungen mit jeweils einem Sitz im Osten und Westen um die Macht. Alle diplomatischen Bemühungen, den Konflikt friedlich beizulegen, scheiterten bisher. Der Konflikt wird durch ausländische Staaten zusätzlich befeuert.

Experten drängen zu schneller internationaler Hilfe. Die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe in Libyen, Georgette Gagnon, forderte die internationale Gemeinschaft auf sofort zu reagieren, die Türkei hat bereits die Entsendung von Rettungskräften organisiert. Man schicke Flüge mit Bergungstrupps samt Rettungsbooten, Zelten und Versorgungsgütern an Bord, teilte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf der Onlineplattform X (vormals Twitter) mit.

Auch seitens der EU wurde am Dienstag Hilfe angekündigt. "Wir sind bereit, unsere Partner vor Ort umgehend zu unterstützen", teilte der für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic auf der Online-Plattform X (früher Twitter) mit. Ähnlich äußerte sich auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. .