ZDFzeit über Prinz Charles: Wann darf er endlich auf den Thron?

Maria Timtschenko
Freie Journalistin

Sie ist die Liebe seines Lebens: Camilla Parker Bowles ist seit 2005 an der Seite von Prinz Charles. Foto: Screenshot / ZDF

In der neuesten Folge über das britische Königshaus dreht sich alles um “Prinz Charles – den unterschätzten Thronfolger”. Zu seinem 70. Geburtstag rückt er in den Fokus von ZDFzeit. Dabei wird einmal mehr deutlich: Wir wissen bereits alles über die britischen Royals. Und: Viel Zeit bleibt Charles nicht mehr, um auf dem Thron Eindruck zu schinden.

Seine Mutter Queen Elizabeth II. ist nun bereits seit 66 Jahren auf dem Thron. Sie ist 92 Jahre alt und denkt gar nicht daran, abzudanken. Ihr Erstgeborener Prinz Charles wird ihr also nur auf den höchsten Sitz des Landes folgen können, wenn sie stirbt. Ein zweischneidiges Schwert für Prinz Charles, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er gern König von England wäre.

Prinz Charles hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er gerne König wäre (Bild: ZDF, ap/grant, alastair)

In der Dokumentation wird nun noch einmal Charles Leben aufgerollt. Von seiner Mutter wurde ihm schon als Kind wenig Liebe zuteil und während beispielsweise seine Schwester Anne besser damit umgehen konnte, setzte Charles das lieblose Verhältnis zu seiner Mutter zu. So zumindest wird in der Doku gemutmaßt. Zeitnah wurde er auf ein Internat geschickt, die Umgebung dort war steril und lediglich zum Lernen geeignet. Was die meisten jungen Menschen dann in ihrer College-Zeit ausleben, das lag Charles weiterhin fern. Er kam in Cambridge an und blieb der schüchterne Junge, der er schon in seiner Kindheit gewesen war.

Lediglich in der Theatergruppe fühlte er sich wohl. Dort gab er mal den Angler auf wilder See, umkreist von Hubschraubern – seine Art sich über die britische Yellowpress zu mokieren und mal spielte er den lustigen Wetterfrosch. In einer Rolle konnte er sich freier geben als es ihm als britischer Thronfolger erlaubt war. Während seine Mitstudenten Ende der 60er Jahre zart gegen die alten Traditionen rebellierten, wandelte Charles weiterhin in  Cordhosen auf dem Cambridge-Gelände.

Eine Jungfrau für den Hof

Seine große Leidenschaft: Polo. Dort lernte er auch Camilla Parker Bowles kennen, mit der er zahlreiche Nächte in einem Londoner Club verbrachte. Jeder des Dunstkreises wusste über ihre Beziehung Bescheid, heiraten durfte er sie trotzdem nicht, da sie bereits miteinander geschlafen hatten – am Hofe jedoch wurde nach einer jungfräulichen Braut verlangt. Und das am Anfang der 70er Jahre!

Der Tradition folgend ging Prinz Charles zur Marine, als späterer Thronfolger würde er mal deren Oberbefehlshaber sein. Nach seiner Rückkehr lernte er Diana kennen. 1981 heirateten die beiden. Die Historiker in der Dokumentation sind sich einig: Hätte Charles ihr mehr Aufmerksamkeit geschenkt und wäre nicht fremd gegangen, dann wäre das für Diana bereits genug gewesen – allein der Kinder wegen.

“Sie werden mir die Schuld geben”

Stattdessen jedoch fing Prinz Charles wieder eine Affäre mit Camilla an. Diana bezeichnete sie öffentlich als Rottweiler und Ehebrecherin. Dass es auch im britischen Königshaus Mätressen gab, scheint keine Seltenheit gewesen zu sein, so suggeriert es zumindest der Sprecher des Films. Nur die Tatsache, dass Diana Geheimnisse darüber preis gab, machte Camilla für das Königshaus untragbar.

Die berühmten ersten Worte, die Charles gesagt haben soll, nachdem er von Dianas Tod erfuhr, ein Jahr nach deren Scheidung, waren: “Sie werden mir die Schuld geben.” Und das taten sie auch. Nicht nur die britische Presse machte die lieblose Ehe zwischen Charles und Diana für deren tragisches Ende verantwortlich, sondern auch die Menschen selbst. Für Camilla war ab diesem Zeitpunkt kein Platz mehr im Kreis der Royals. Fünf Jahre lang tauchte sie ab.

Lange Zeit war kein Platz für Camilla am Hof – heute ist sie als Ehefrau von Charles fester Bestandteil der Royal Family (Bild: ZDF/ press association/lawless)

Nur langsam, langsam bat Charles seine PR-Berater Camilla wieder in Rampenlicht zu rücken und ihr ein positives Image zu verleihen, dabei mussten auch seine Söhne helfen, die sich positiv über Camilla und ihr warmherziges Wesen äußerte. Sie, so vernimmt man es in ZDFzeit, gab Charles die Liebe, die ihm bei seiner Mutter in Kindheitstagen gefehlt habe. Seit 2005 sind die beiden nun ein Paar, verheiratet, vertraut, immer noch keine Könige. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.

Schade ist: Man erfährt auch in dieser Dokumentation wenig Genaues über Charles Engagement für den guten Zweck. Mehrere Millionen steckt er jährlich in Projekte auf der ganzen Welt. Ebenso wenig erfährt man darüber, was Prinz Charles heute für ein Mensch ist, welche Überzeugungen ihn leiten, was für ein König er sein könnte. Lediglich sein Engagement für den Umweltschutz wird hervorgehoben, ein Thema, das er schon begleitete als noch niemand davon sprach. Stattdessen wird sehr viel Augenmerk auf die altbekannten Geschichten um Camilla und Diana gelegt. Ein trauriger Abriss würde das eigene Leben nur auf das Schicksal der Verflossenen reduziert.