Es ist Zeit, Dreierbeziehungen zu normalisieren

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Im Internet kursieren derzeit Gerüchte über eine neue Promi-Romanze. Das Ganze dreht sich aber nicht um ein Paar. Vor Kurzem veröffentlichte die Zeitung The Daily Mail eine Reihe von Paparazzi-Fotos von Taika Waititi, Rita Ora und Tessa Thompson, die die drei Stars vor Waititis Haus in Sydney, Australien zeigen. Die Bilder sind voller öffentlicher Liebesbekundungen zwischen Ora, Thompson und Waititi, die sich küssen, kuscheln und sich aneinander anlehnen. In mehreren dieser Aufnahmen küssen alle drei Promis einander.

Nachdem die Fotos dann Twitter erreicht hatten, zeigten sich User abwechselnd eifersüchtig, verwirrt oder schockiert und spekulierten über ihre Beziehung. Um eine Sache klarzustellen: Wir haben keine Ahnung, was zwischen diesen drei Sternchen läuft. Obwohl The Sun im April zuerst berichtete, dass Waititi und Ora zusammen wären, hat das bisher niemand von ihnen bestätigt, geschweige denn geklärt, ob Thompson involviert ist. Um die Sache noch komplizierter zu machen, wurde Thompson am nächsten Tag küssend und lächelnd neben dem Model Zac Stenmark fotografiert. Vielleicht werden wir auch nie Klarheit darüber haben. Nichtsdestotrotz hat das Ganze eine Frage aufgeworfen: Sollte uns die Vorstellung einer Dreierbeziehung tatsächlich noch so sehr aus der Fassung bringen?

Dreierbeziehungen (auf Englisch: „throuples“) fallen unter den weiter gefassten Begriff der Polyamorie. In Deutschland sollen mindestens 10.000 Menschen polyamor lieben, aber diese Zahl kann natürlich nur grob geschätzt werden. Polyamorie kann viele Formen annehmen: Manche leben in Dreierbeziehungen, was typischerweise bedeutet, dass zwei Personen mit derselben Person zusammen sind, aber weder romantisch noch sexuell miteinander liiert sind. In anderen polyamoren Konstellationen können mehr als drei Personen mit von der Partie sein. Dann ist von einem Polykül die Rede.

Da es also verschiedene Formen von Nicht-Monogamie gibt, ist für unterschiedliche Vorlieben etwas dabei. Throuples sind aber deshalb einzigartig, weil sich alle Beteiligten gegenseitig daten. Solch eine Beziehungskonstellation kann entweder offen oder monogam sein. In den letzten Jahren ist diese Art von Beziehung in den Mainstream eingetreten (ein Beispiel: Bella Thorne, die in einem Interview mit dem Magazin Cosmopolitan in 2019 offen darüber sprach, dass sie mit zwei Personen zusammen ist. Auch in Netflix-Shows wie Élite und The Politician ist sie zu sehen. Dieses Jahr haben drei Männer in Kalifornien als Eltern-Throuple Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal standen drei Namen auf der Geburtsurkunde eines Kindes. Und natürlich gibt es da auch einige Menschen, die nicht in einer festen Dreier- oder Poly-Beziehung sind, aber vielleicht einen Seitensprung oder eine einzelne Nacht mit einer anderen Person genossen haben.

Beweise für die Existenz von Dreier- und anderen Poly-Beziehungen gibt es schon im alten Griechenland und Ägypten und sogar in der Bibel. In den späten 1840er Jahren führte eine Gruppe von Menschen, die in der Oneida-Kommune im Bundesstaat New York lebten, eine so genannte „komplexe Ehe“, in der alle Beteiligten als miteinander verheiratet galten. Etwa ein Jahrhundert später lebte William M. Marston, der in den 1940er Jahren unter einem Pseudonym Wonder Woman schuf, in einer Dreierbeziehung mit seiner Frau Elizabeth und einer Frau namens Olive Byrne. (Seine Enkelin erklärte jedoch kürzlich, dass Elizabeths enge Beziehung zu Olive rein platonisch gewesen war.)

Bei Throuples handelt sich also nicht um ein superneues Phänomen. Heute ist es auch keine Seltenheit mehr, wie die oben angeführte Zahl in Deutschland beweist. Dennoch macht die Faszination in Zusammenhang damit Sinn: Wir sind es nicht daran gewöhnt, viele Beziehungen zwischen mehr als zwei Personen – insbesondere Promis – zu sehen.

Es gibt viele Gründe, sich für eine Dreierbeziehung zu entscheiden. Manche von uns fühlen sich einfach zu zwei Menschen hingezogen oder es törnt sie an, einen Partner oder eine Partnerin dabei zu beobachten, wie er oder sie Zuneigung von jemand anderem erhält. (Diese Emotion ist bekannt als Kompersion und wird oft als das Gegenteil von Eifersucht beschrieben.) Manche Menschen bevorzugen schlichtweg die Dynamik zwischen drei Personen.

„Wenn es funktioniert, kannst du ein Top-Wochenende mit zwei Leuten gleichzeitig verbringen. Ihr könnt zusammen abhängen, Spaß haben, etwas rauchen und euch gegenseitig Geschichten bis spät in die Nacht hinein erzählen“, erzählte Thorne in ihrem Gespräch mit dem Magazin Cosmopolitan. „Es ist eine wirklich coole Erfahrung, die ich bereits ein paar Mal gemacht habe. Mir gefällt die Idee hinter diesem Konzept einfach sehr gut. Ich liebe es, zwei Menschen auf einmal zu lieben.“

Dreierbeziehungen haben noch eine Menge anderer Vorteile. „Die meisten Poly-Beziehungen sind extrem ehrlich und transparent, wenn es um das Thema Gefühle und Wünsche geht – sowohl emotional als auch sexuell“, sagt Malika S. O’Neill, eine Sexologin und Gründerin von The Pleasure Collective. Ihrer Erfahrung nach stecken Menschen in Dreierbeziehungen viel Arbeit in das Setzen von Grenzen und das Festlegen von Grundregeln, was weniger Raum für Fehlkommunikation lässt. „Bedenken werden wesentlich schneller verarbeitet. Außerdem werden rasch Schritte gesetzt, anstatt die Dinge ungelöst vor sich hin gären zu lassen.“

Throuples wie auch andere Arten von Poly-Beziehungen sind nicht jedermanns oder jederfraus Sache: Eifersucht und mangelnde Kommunikation können ein Problem sein. (Obwohl diese Probleme natürlich auch unter traditionellen Paaren und innerhalb monogamer Beziehungen auftreten können.)

Auch wenn polyamore Beziehungen im Moment noch alles andere als die Norm sind, gibt es sie aber. Willow Smith zum Beispiel hat kürzlich über ihre eigene gesprochen. Das einzig Bemerkenswerte an dieser Art von Beziehung unter Stars ist in der Regel bloß, dass Menschen, zu denen wir aufblicken, beteiligt sind – und das ist vielleicht der Grund, warum sie uns so faszinieren. Solange aber alle Beteiligten glücklich und einverstanden mit dieser Beziehungsart sind, ist es vielleicht an der Zeit, Konstellationen mit mehr als zwei Personen zu normalisieren – selbst wenn es sich dabei um Promis dreht.

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