"Zu oft auf dem Klo“: Kneipengast wehrt sich gegen Vorwürfe und klärt über Behinderung auf

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Beim Besuch eines Pubs erweckt eine junge Frau die Aufmerksamkeit der Türsteher, weil sie sich in ihren Augen verdächtig verhält. Tatsächlich steckt hinter ihrem Verhalten eine Krankheit, über die sie daraufhin in einem offenen Brief aufklärte.

Nicht jede Behinderung ist sichtbar, wie eine Pub-Besucherin vor Kurzem wieder deutlich machte (Bild: Getty Images)

Als Amber Davies vor einiger Zeit den Pub The Dragon Inn der Kette JD Wetherspoon in Birmingham besuchte, kam es zu einem unangenehmen Vorfall. Im Laufe ihres Aufenthalts musste die 21-Jährige mehrmals die Toilette aufsuchen, was schließlich die Aufmerksamkeit des Sicherheitspersonals erregte. Ihr sei vorgeworfen worden, in der Toilette Drogen entweder zu konsumieren oder zu verkaufen, schrieb Davies im August auf Instagram. In Betracht zogen die Türsteher auch, dass sie auf der Behindertentoilette Sex habe, da es sonst keinen Grund gäbe, weshalb sie das WC so oft aufsuchen sollte:

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Colitis ulcerosa führt zu starken Durchfällen

Eine wirklich unangenehme Situation für die junge Frau, die sich gezwungen sah, inmitten fremder Leute zu erläutern, warum die häufigen Toilettenbesuche für sie nicht zu vermeiden sind. Sie leidet an einer Krankheit namens Colitis ulcerosa. Eine Entzündung der Darmschleimhaut, die in Schüben verläuft, Geschwüre entstehen lässt und zu blutschleimigen Durchfällen führt. Manchen Patienten wird zur Entlastung ein sogenanntes Stoma eingesetzt, ein künstlicher Darmausgang also, mit dem erkrankte Darmabschnitte entlastet und bei den Betroffenen die Symptome wie starke Bauchschmerzen gelindert werden können. Ein solches hat auch Amber Davies. Die entsprechende Diagnose bekam sie schon mit 13 Jahren und muss seitdem mit der schmerzhaften Krankheit unbekannter Ursache leben.

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Aufklärung macht die Gesellschaft inklusiver

Der via Instagram verbreitete Offene Brief an die Pubkette ging schnell viral und hat jetzt Folgen gezeigt. Die Gastro-Kette will nun dazu beitragen will, Menschen mit einer nicht auf den ersten Blick offensichtlichen Krankheit das Leben wenigstens ein Stück weit einfacher zu machen. Erreicht werden soll das durch das Anbringen von Hinweisschildern in Toilettenbereichen. Die Überschrift “Nicht jede Behinderung ist sichtbar“ soll Aufmerksamkeit generieren und sicherstellen, dass niemand schräg angeschaut oder gar verdächtigt wird, nur weil er ohne sichtbare Behinderung eine Behindertentoilette benutzt. Umfragen der hinter der Kampagne stehenden Organisation Crohn’s & Colitis UK hatten gezeigt, dass rund die Hälfte aller von Colitis-ulcerosa- oder Morbus-Crohn-Betroffenen Pubs und Restaurants meiden, weil sie Angst vor Diskriminierung haben.


Den Schritt von JD Wetherspoon wertet Amber Davies in ihrem Post als “kleinen Sieg“ und Schritt in die richtige Richtung. Dazu rät sie ihren Followern, Ungerechtigkeiten immer klar und deutlich zu benennen und sich Gehör zu verschaffen. Denn, so hofft sie: “Eines Tages wird die Gesellschaft inklusiv sein und jeden so wie er ist willkommen heißen und akzeptieren.“

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