Zu viel Herumsitzen erhöht das Risiko für Depressionen bei Teenagern

Wissenschaftler haben bei Teenagern einen Zusammenhang zwischen Herumsitzen und Depressionen gefunden. (Getty Images)

Neue Forschungen belegen, dass zu viel Zeit im Sitzen bei Teenagern zu Depressionen führen kann.

Wissenschaftler des University College London untersuchten 4.200 Heranwachsende in den Altersgruppen 12, 14 und 16. Diese trugen drei Tage lang mindestens zehn Stunden Fitnesstracker.

Sie fanden heraus, dass das Risiko eines Teenagers, mit 18 Jahren an Depressionen zu leiden, mit jeder zusätzlichen Stunde „sitzender Tätigkeiten“ bis zu 11% anstieg.

„Beunruhigend ist, dass die Zeit, die junge Menschen inaktiv sind, seit Jahren stetig zunimmt. Aber es gibt überraschend wenig qualitativ hochwertige Forschung darüber, wie sich das auf die psychische Gesundheit auswirkt“, so der Hauptautor Aaron Kandola.

„Die Zahl junger Menschen mit Depressionen scheint ebenfalls zu steigen und unsere Studie legt nahe, dass diese beiden Trends zusammenhängen.“

„Wir sollten Menschen aller Altersgruppen ermutigen, sich mehr zu bewegen und weniger zu sitzen, denn das ist sowohl für die körperliche als auch die geistige Gesundheit gut.“

Problem wird immer größer

Die psychische Gesundheit junger Menschen entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem.

Jedes neunte Kind im Alter von fünf bis 15 Jahren im Großbritannien kämpfte 2017 mit einer psychischen Störung.

Und in den USA wurden bei 3,2% (1,9 Millionen) der Kinder zwischen drei und 17 Jahren Depressionen diagnostiziert.

Der britische Gesundheitsdienst NHS weiß, wie wichtig Bewegung ist, um Depressionen zu lindern, denn beim Sport werden „Wohlfühl“-Endorphine ausgeschüttet.

Um mehr zu erfahren, haben die Wissenschaftler Jugendliche im Alter von 12, 14 oder 16 Jahren untersucht, als diese an der Studie „Children of the 90s“ (auf Deutsch: Kinder der 90er) der University of Bristol teilnahmen.

Fitnesstracker zeichneten dabei auf, ob die Kinder leichte Aktivitäten – wie Gehen oder Malen – oder moderate bis körperlich anstrengende Aktivitäten – wie Rennen oder Fahrradfahren – ausübten.

Fragebögen deckten Symptome für Depressionen wie schlechte Laune oder Konzentrationsschwäche auf.

Es hat sich gezeigt, dass Bewegung in allen Altersgruppen zur Abwehr von Depressionen beiträgt. (Getty Images)

Die Ergebnisse, die in The Lancet veröffentlicht wurden, zeigten, dass Teenager im Alter zwischen 12 und 16 Jahren weniger aktiv sind.

In diesem Alter sank die Zeit, die für leichte Aktivitäten aufgewandt wurde, von 5 Stunden, 26 Minuten pro Tag auf 4 Stunden, 5 Minuten.

Und sitzende Tätigkeiten stiegen von 7 Stunden, 10 Minuten auf 8 Stunden, 43 Minuten an.

Für jede zusätzliche Stunde Herumsitzen im Alter von 12, 14 und 16 Jahren stiegen die Depressionswerte mit 18 Jahren um 11,1%, 8% bzw. 10,5% an.

Die Teilnehmer mit konstant hohem Bewegungsmangel zwischen 12 und 16 hatten mit 18 Jahren einen um 28,2% höheren Wert.

Im Gegensatz dazu reduzierte sich der Depressionswert eines Teilnehmers mit jeder zusätzlichen Stunde leichter Aktivität im Alter von 12, 14 und 16 mit 18 Jahren um 9,6%, 7,8% bzw. 11,1%.

Mehr Aufmerksamkeit für leichte Aktivitäten gefordert

Die Ergebnisse blieben auch konstant, nachdem die Wissenschaftler die Studie um die sozioökonomischen Faktoren, die psychische Gesundheit der Eltern und das Wohlbefinden zu Beginn der Studie bereinigt hatten.

Aufgrund der insgesamt geringen moderaten bis körperlich anstrengenden Aktivität konnten die Wissenschaftler die Auswirkungen auf die zukünftige Stimmung nicht abschätzen.

„Viele Initiativen fördern die Bewegung junger Menschen, aber unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch leichte Aktivitäten mehr Aufmerksamkeit erhalten sollten“, so Studienautor Dr. Joseph Hayes.

„Leichte Aktivitäten könnten besonders nützlich sein, weil sie wenig Aufwand erfordern und sich in den Tagesablauf der meisten jungen Menschen leicht integrieren lassen.“

„Schulen sollten leichte Aktivitäten wie Stehen oder aktiven Unterricht in den Tag ihrer Schüler einbauen.“

„Kleine Veränderungen in unserer Umgebung können es uns allen erleichtern, etwas weniger sesshaft zu sein.“

Alexandra Thompson