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Aktuelle Studie verbindet Intervallfasten mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko. Darum sind Expert*innen eher unbesorgt

Intervallfasten wird als gesund fürs Herz und ein langes Leben angepriesen, aber eine aktuelle Studie wirft einige Fragen auf. (Bild: Getty Images)
Intervallfasten wird als gesund fürs Herz und ein langes Leben angepriesen, aber eine aktuelle Studie wirft einige Fragen auf. (Bild: Getty Images)

Menschen, die routinemäßig nur innerhalb eines Zeitraums von acht Stunden essen (eine Form des Intervallfastens) sollen laut einer aktuellen Studie, die am Montag auf einer Tagung der American Heart Association in Chicago vorgestellt wurde, ein 91 % höheres Risiko tragen, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Das Intervallfasten hat in den letzten Jahren stark an Beliebtheit gewonnen, da einige Forschungsergebnisse es nicht nur mit Gewichtsabnahme, sondern auch mit Verbesserungen des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels sowie mit Langlebigkeit in Verbindung bringen.

Die aktuelle Studie stellt diese Vorteile jedoch infrage und legt zum ersten Mal in einer größeren Studie nahe, dass Intervallfasten für manche Menschen langfristig schädlich sein könnte. Einige Expert*innen sind jedoch der Meinung, dass man nicht unbedingt mit dem Intervallfasten aufhören sollte, bis weitere Langzeitstudien vorliegen. Sie verweisen auf die Limits der Studie und die Fragen, die sie unbeantwortet lässt. Das solltest du wissen.

Was ist Intervallfasten und ist es gesund?

Intervallfasten ist eine Alternative zu herkömmlichen Diäten. Anstatt bestimmte Lebensmittel wegzulassen oder die Kalorienzufuhr einzuschränken, beschränken Menschen, die eine intermittierende Fastenkur machen, die Zeiten, zu denen sie essen. Dafür gibt es verschiedene Arten. Zu den beliebtesten zählt das 5:2-Fasten, bei dem man fünf Tage in der Woche isst, wann und was man will, aber an zwei Tagen in der Woche statt der von den National Institutes of Health (NIH) empfohlenen Menge von 2.000 Kalorien pro Tag für Frauen und 2.500 für Männer nur 500 bis 600 Kalorien pro Tag zu sich nimmt. Eine weitere beliebte Methode ist das 16:8-Fasten, das in dieser neuen Studie untersucht wurde. Hier fastet man 16 Stunden am Tag und nimmt alle Mahlzeiten innerhalb von acht Stunden zu sich.

Die Forschung zum Intervallfasten hat gemischte Ergebnisse hervorgebracht und viele der Studien wurden eher an Tieren als an Menschen durchgeführt. Einige Studien haben jedoch ergeben, dass es für eine Gewichtsabnahme genauso gut oder sogar besser funktioniert als eine Kalorienbeschränkung, da nicht ständig Kalorien gezählt werden müssen. Außerdem wird das Fasten mit allen möglichen Vorteilen in Verbindung gebracht, von einer längeren Lebenserwartung bis hin zu klarerem Denken. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Intervallfasten die Insulinresistenz verbessern und damit Diabetes vorbeugen oder entgegenwirken könnte. Intervallfasten wurde zudem mit einer Verbesserung des Blutdrucks, der Triglyceride und des Cholesterinspiegels in Verbindung gebracht, was auf einen Nutzen für die Herzgesundheit schließen lässt.

Penny Kris-Etherton, Ernährungsberaterin, Mitglied des Ernährungsausschusses der American Heart Association und emeritierte Professorin für Ernährungswissenschaften an der Penn State University, erklärt gegenüber Yahoo Life, dass wir zwar nicht genau wissen, warum Intervallfasten kurzfristig positive Auswirkungen zu haben scheint, dass sich das Prinzip aber nicht wesentlich von den gesundheitlichen Vorteilen anderer Diäten unterscheidet: Für Menschen, die abnehmen müssen, reduziert die Aufnahme von weniger Kalorien und mehr Bewegung Entzündungen und verbessert die allgemeine Gesundheit.

„Es ist wichtig, zu betonen, dass wir [in der Forschung] viele Vorteile sehen konnten, aber es gab noch keine Studien, die Nachteile“ des Intervallfastens gezeigt haben, so Kris-Etherton. Zumindest war das bis jetzt so. Sie fügt hinzu: „Das ist schon ein ziemlicher Schlag, denn es ist ein krasser Widerspruch zu den Vorteilen, die wir dem intermittierenden Essen zugeschrieben hatten.“

Was hat die aktuelle Studie ergeben?

Wissenschaftler der Shanghai Jiao Tong University of Medicine in China sammelten Informationen von mehr als 20.000 amerikanischen Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren. Die Studienteilnehmer wurden bis zu 17 Jahre lang beobachtet.

Im Vergleich zu Menschen, die nach einem relativ normalen Zeitplan aßen, also ihre Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten über 12 bis 16 Stunden des Tages verteilten, hatten diejenigen, die nur acht Stunden pro Tag aßen, ein 91 % höheres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben. Die Studie ergab dazu, dass bei Menschen, die bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, das Fasten von 14 bis 16 Stunden am Tag (und das Essen über einen Zeitraum von 8 bis 10 Stunden) mit einem 66 % höheren Risiko verbunden war, an einer Herzkrankheit oder einem Schlaganfall zu sterben. Auch das Risiko, an Krebs zu sterben, war bei den Fastenden höher.

Ist Intervallfasten gefährlich?

Es ist wichtig, zu betonen, dass dies nicht bedeutet, dass Intervallfasten die Todesursache ist, so Victor Wenze Zhong, Autor der Studie und Vorsitzender der Abteilung für Epidemiologie und Biostatistik an der Shanghai Jiao Ton University School of Medicine in einer Pressemitteilung.

Dennoch sind die damit verbundenen Risiken besorgniserregend. Auch zu den langfristigen Auswirkungen von Intervallfasten und zeitlich eingeschränkter Ernährung gibt es nicht viel Forschung. Kurzzeitiges Fasten kann denselben Fettverbrennungsprozess auslösen wie die Keto-Diät, die bei langfristiger Anwendung mit Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht wurde. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass 24-Stunden-Fasten zu Muskelabbau führen kann, so Courtney Peterson, Forscherin für Intervallfasten und Privatdozentin für Ernährungswissenschaften an der University of Alabama Birmingham, gegenüber Yahoo Life.

Aber Peterson gehört zu den Fachleuten, die gegenüber Yahoo Life betonen, dass diese Studie für sich allein genommen nicht ausreicht, um zu beweisen, dass Intervallfasten gefährlich ist. „Ich bin momentan ziemlich skeptisch, weil sie allen anderen epidemiologischen und anderen Studien, die ich kenne, widerspricht“, so Peterson.

Diese Grafik zeigt den Anteil der Befragten, die in der Vergangenheit (nicht) gefastet haben. (Quelle: YouGov)
Diese Grafik zeigt den Anteil der Befragten, die in der Vergangenheit (nicht) gefastet haben. (Quelle: YouGov)

Sie wies auch auf Bedenken hinsichtlich der neuen Studie hin. So waren beispielsweise mehr als 27 % der Personen, die sich zeitlich eingeschränkt ernährten, Raucher*innen, verglichen mit nur etwa 18 % der gesamten Studiengruppe. Der Anteil Schwarzer Amerikaner*innen in der Gruppe, die sich zeitlich eingeschränkt ernährte, war außerdem fast viermal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung der Studie, und bei Schwarzen Amerikaner*innen ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Herzerkrankung zu sterben, um 30 % höher als bei nicht-hispanischen weißen Amerikaner*innen. „In dieser Gruppe gibt es viel mehr Raucher*innen und viel mehr Schwarze Amerikaner*innen und beides kann die Sterberaten leicht erhöhen“, unabhängig von ihren Essenszeiten, so Peterson.

Die Teilnehmer*innen mussten über einen Zeitraum von zwei Tagen selbst melden, was sie gegessen haben. Es ist also schwer zu sagen, wie eisern sie sich an das Intervallfasten hielten oder wie lang sie schon fasteten. „Es ist nicht mehr als eine zufällige Momentaufnahme“, so Peterson.

Sowohl Peterson als auch Kris-Etherton sagen, dass die langfristigen Auswirkungen des Intervallfastens noch weiter erforscht werden müssen. „Ich denke, wir müssen hier vorsichtig sein“, sagt Kris-Etherton. „Sollten wir vorerst mit dem Intervallfasten aufhören? Ich weiß es nicht, aber diese Ergebnisse stellen es infrage und wir müssen überlegen, was wir empfehlen sollen.“

Peterson rät jedoch davon ab, vorschnell drastische Änderungen vorzunehmen. „Wir sollten diese Studie ausgiebig unter die Lupe nehmen, aber ich würde vorerst nichts ändern“, sagt sie. „Das ist das Schöne an der Wissenschaft: Wenn das Ergebnis stimmt, sollte es den Test der Zeit bestehen.“

Natalie Rahhal