Aufgrund eines viralen Tweets fragen alle sich, ob sie Astigmatismus haben - aber was ist das eigentlich?

Aufgrund eines viralen Tweets fragen Nutzer sich, ob sie Astigmatismus haben [Foto: Getty]

Ein Twitter-Beitrag, in dem veranschaulicht wird, wie Menschen mit Astigmatismus Licht sehen, ging viral und bewog viele Nutzer zu der Frage, ob auch sie unter dem häufigen Augenleiden leiden könnten.

Der Tweet von „Unusual Facts“ zeigte zwei  Bilder nebeneinander, die eine Verkehrsszene bei Nacht abbilden. Dies sollte den Unterschied zwischen Personen mit Astigmatismus und solchen ohne Astigmatismus verdeutlichen.

In der „normalen“ Version wurden die Verkehrs- und Rücklichter mit leichter Unschärfe gesehen.

Im Gegensatz dazu verliefen die Lichtstreifen in dem Foto, welches Astigmatismus veranschaulichte, quer durch das Bild.


Astigmatismus bedeutet, dass die Hornhaut nicht rund, sondern leicht gekrümmt ist.

Bei Astigmatismus fokussiert Licht auf mehrere Punkte der Netzhaut und nicht nur auf einen Punkt. Das ist der Unterschied zwischen Menschen mit Astigmatismen vs. ohne.

Seit seiner Veröffentlichung wurde der Beitrag über 23.000mal geteilt und von fast 55.000 Nutzern favorisiert.

Der Beitrag regte auch einen Austausch unter Nutzern darüber an, welches der beiden Bilder ihre eigene Sichtweise am besten darstellen würde. Er veranlasste außerdem viele zu der Frage, ob sie Astigmatismus hätten.


Moment, andere Menschen sehen die Lichter normal? Ich dachte, alle würden diese Linien sehen.


Heilige Scheiße, ich dachte, alle würden die Streifen sehen. Als ich klein war, kniff ich die Augen zusammen, um sie länger zu machen, nur so, um mich selbst zu unterhalten, dachte, das sei normal


Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas gibt! Ehrlich gesagt dachte ich, dass Licht so funktioniert!!!

Was genau ist Astigmatismus also?

„Astigmatismus tritt auf, wenn eine oder beide der lichtbrechenden Oberflächen des Auges keiner symmetrischen Kurve folgen“, erklärt Optegra-Optiker Sundeep Vaswani.

„Zu diesen Flächen gehören die Hornhaut (Vorderfläche des Auges) oder die Linse (im Auge). Diese Flächen sind nicht wie bei einem Fußball sphärisch gekrümmt, sondern eher wie ein Rugbyball. Dies kann zu verzerrter Sicht, verschwommener Nah- oder Fernsicht, sowie zu Störungen in der Nachtsicht führen.“

Laut Vaswani werden viele Menschen mit Astigmatismus geboren, besonders wenn es bereits Fälle in der Familie gibt.

„Astigmatismus kann sich auch im Laufe der Zeit entwickeln“, fügt er hinzu.

Laut dem britischen Gesundheitsdienst NHS ist die genaue Ursache von Astigmatismus in der Regel unbekannt, obwohl die Genetik eine Rolle spielen kann.

„Manchmal kann sich Astigmatismus nach einer Augenverletzung, einer Operation oder aufgrund einer Augenkrankheit entwickeln. Astigmatismus wird nicht durch Lesen bei schlechtem Licht, den Einsatz eines Computers oder Fernsehen verursacht “, heißt es auf der Website.

Elizabeth Hawkes, Fachärztin für Augenheilkunde und Okuloplastik an der Cadogan Clinic, meint, die veränderte Form des Auges bei Astigmatismus könne die Darstellung der Sichtweise in einem der Bilder erklären.

„Aufgrund der Veränderung der Augenform bei Astigmatismus kann das in das Auge einfallende Licht zu verschwommenem Sehen führen, da in verschiedenen Meridianen eine unterschiedliche Brechkraft vorliegt”, erklärt sie.

Auch wenn die nun viralen Bilder dazu beitragen könnten, für einen möglichen Astigmatismus zu sensibilisieren, ist Vaswani der Meinung, dass es am besten sei, eine korrekte Diagnose von einem Experten zu erhalten.

„Optiker sind in der Lage, Astigmatismus zusammen mit anderen Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit (Myopie) oder Weitsichtigkeit (Hyperopie) zu diagnostizieren.

„Kindern wird empfohlen, jährliche Augenuntersuchungen bei ihrem Augenarzt durchzuführen und Erwachsene sollten sich alle 1-2 Jahre untersuchen lassen“, fügt er hinzu.

Laut Frau Hawkes sollte man einen Augenarzt oder eine Augenklinik aufsuchen, wenn der Verdacht besteht, Astigmatismus zu haben,.

„Hier können wir das Ausmaß des Astigmatismus mithilfe einer Hornhauttopographie bestimmen, die die Krümmung der Hornhaut darstellt. Dies ist eine sehr präzise Technik, die uns hilft, unsere Behandlungen zu planen “, sagte sie.

Wie wird Astigmatismus behandelt?

„Astigmatismus lässt sich im Allgemeinen gut mit Brillen und Kontaktlinsen korrigieren“, erklärt Vaswani.

„Bei einem höheren Grad von Astigmatismus oder bei sehr unregelmäßiger Hornhaut kann jedoch mit keiner der Optionen das maximale Sehpotenzial erreicht werden. Möglicherweise sind spezielle Kontaktlinsen erforderlich oder als Alternative eine Operation zur Korrektur der Sehkraft.

„Heutzutage gibt es verschiedene chirurgische Optionen, wie beispielsweise eine Lasersichtkorrektur oder ein refraktiver Linsenaustausch“, fährt er fort.

„Diese Arten von Behandlungen können sehr hohe Fehlsichtigkeiten – einschließlich Astigmatismus – korrigieren und bieten für viele Menschen eine dauerhafte Alternative zu Brillen oder Kontaktlinsen.“

Marie Claire Dorking