Beauty weltweit: Cannabis wird zum Beauty- und Lifestyleprodukt

Maria Timtschenko
Freie Journalistin

Längst ist das Hanf aus zwielichtigen Ecken der Stadt verschwunden und wird nun gekonnt teuer und stilvoll in Szene gesetzt. Foto: Gettyimages / Victoria Bee Photography

Fast 20 Jahre ist nun Stefan Raabs Ode an die Freigabe des Hanfs alt. 2001 sang er noch 16 Minuten lang “Wir kiffen”, ein Jahr später forderte er gemeinsam mit dem Reggae-Star Shaggy “Gebt das Hanf frei”. Beides waren Hymnen einer Jugendgeneration. Nun, im Jahr 2018, ist das Hanf immer noch in Deutschland illegal. Dafür hat es sich auf einem ganz anderen Markt von der Geheimzutat zur absoluten It-Girl-Zugabe gemausert.

“Drogen-Kosmetik für Frauen” titelte vor einem Jahr noch eine große Frauenzeitschrift über einem Artikel zu Whoopi Goldberg. Die Schauspielerin, die bereits Oscar, Emmy, Golden Globe und Tony Award bekommen hat, verkauft in ihrem Geschäft mit dem Namen “Whoopi & Maya” Beauty-Produkte, die mit Cannabidiolen (CBD) versetzt sind.  Sie entwickelte Badesalze, Tinkturen und Körperlotionen, die unter anderem gegen Periodenschmerzen helfen sollten. Was Start-Up-Profis zu Beginn von Goldbergs neuem Geschäftsfeld als Nische abtaten, ist mittlerweile Mainstream auf dem Kosmetikmarkt geworden.


Als eine der ersten Firmen, war es “The Bodyshop”, die eine Linie herausbrachten, in der Hanf die wichtigste Zutat war. Cannabidiole sollen entzündungshemmend wirken, die Überproduktion von Talg stoppen und so Pickeln den Kampf ansagen. Aber es hat noch mehr Vorteile: Es soll gegen Depressionen und Angstzustände wirken, de gestressten Nerven beruhigen, rissige Haut wieder glätten und Antioxidantien gegen Hautalterung beinhalten. Auch andere Unternehmen wie “Babor”, “Bione” oder “+M” entdeckten den Wirkstoff für sich.

CBD wird aus Hanfpflanzen extrahiert. Gewächse also, die eigentlich für ihre berauschende Wirkung bekannt und beliebt sind und zur Herstellung der Droge Marihuana verwendet werden. Doch CBD hat keinerlei psychoaktive Wirkung, es macht nicht high. Dafür ist in Marihuana das Tetrahydrocannabiol (THC) zuständig. Im verwendeten CBD-Öl ist normalerweise nur ein extrem geringer Anteil an THC enthalten, deshalb ist es in den USA, aber auch in Deutschland legal erwerblich.

Seife aus ökologischem Anbau: Nicht nur in der Kosmetik werden Bestandteile von Cannabis oder Cannabis selbst nun in Szene gesetzt. Foto: Gettyimages / eskymaks

Doch CBD-Öl als extravagante Beauty-Zutat zu verwenden, ist nur ein Weg Cannabis aus der schmutzigen Ecke der Gelegenheitsdrogen herauszuholen. Junge Unternehmer versuchen das Gras nun als Lifestyle-Produkt zu bewerben. Hast du Cannabis – bist du was.

Dazu musste man Cannabis nur gekonnt in Szene setzen. Die Vorreiter dieser Bewegung kamen aus den USA, genauer gesagt aus Kalifornien. In ihren Shops verkaufte die Firma “MedMen” sie Marihuana in so cleaner Umgebung, wie man sie sonst nur aus Apple-Stores kennt. Das Kiffen wird zum Lebensstil – nicht nur für dreadlockverrückte Rastafaribrüder. Und tatsächlich gibt’s bei “MedMen” auch iPads – allerdings nur um sich durch die Bandbreite von Hasch- und Grasbonbons zu klicken.


Aber auch andere Firmen stehen “MedMen” in nichts nach. Eine von ihnen ist beispielsweise Beboe. In roségoldenen Vaporizern verpackt bieten sie Cannabis zum Dampfen an. Die New York Times beschrieb den Online-Shop als das “Hermès von Mariuhana”.

Einer der Gründer von Beboe, Scott Campbell, stellt sich als Ziel für sein Produkt vor, dass man es mitbringe wie eine Flasche Wein zu einem Abenddinner. “Dinner-Party-Kultur” soll sein Cannabis-Produkt ausstrahlen und das tut es auch. Die Einweg-Vaporizer, in denen etwa 150 Dosen Mariuhana enthalten sind, kosten um die 60 Dollar und sind nur in roségold erhältlich. Und tatsächlich würden sie sich nicht schlecht machen, wenn sie aus einer Ralph-Loren-Brusttasche herausgucken würden.


Wer nicht so gern raucht, für den hat Beboe auch Pillen im Angebot, 25 Stück kosten 25 Dollar. Natürlich alles immer hübsch eingeschlagen in einer Instagram-werten Verpackung. Scott Campbell beruhigt seine Kunden und sagt: “Sie werden nicht high von einer Pille, es macht nur Ihren Tag ein bisschen wärmer, ein bisschen besser. Es ist ein wenig wie ‘Mamas kleiner Helfer’. Du könntest um 15 Uhr eine essen und dein Boss würde es nicht merken. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, dass du vier Stunden lang wie ein Fötus auf dem Sofa hockst und weinst.” Na Gott sei Dank.

Der Trend Cannabis derart gesellschaftstauglich zu machen, kommt einem hierzulande eher gewöhnungsbedürftig vor. Zwar scheint es Messen mit zweierlei Maß zu sein, wenn Cannabis-Pillen verboten sind, ebenso wie das Rauchen der Pflanze, dafür aber Alkohol, Zigaretten oder Schmerztabletten frei verkäuflich sind.

Trotzdem ist nicht gesagt, dass eine ganze Gesellschaft besser auf einer Droge ist, die macht, dass man sich “wärmer und besser” fühlt. Denn manchmal sind es ja gerade die schlechten Tage, die uns sensibel machen für das Leid, das wir selbst spüren, für das Leid, das es in der Welt gibt. Es macht uns zu mitfühlenden Menschen, die genau an solchen Tagen vielleicht ihr Leben umkrempeln oder versuchen etwas gegen das Schlechte in ihrem Leben zu unternehmen. Es macht uns zu Menschen, die voll da sind, die wahrhaftig sind und nicht nur als fröhlich grinsender Schatten durch den Alltag wandeln.