Beauty weltweit: Model mit Albinismus auf dem Cover der Vogue

Thando Hopas Haut kann kein Melanin produzieren. Sie lebt seit ihrer Geburt mit der Stoffwechselstörung Albinismus. Dennoch war das Model im April auf dem Cover der portugiesischen Vogue.

Thando Hopa auf dem April-Cover der portugiesischen Vogue. Sie ist die erste Frau mit Albinismus einem Titel. Foto: Screenshot / Instagram / Vogue Portugal

Thando Hopa ist Model, Anwältin und Menschenrechts-Aktivistin. Und neuerdings auch die erste Frau mit Albinismus überhaupt auf dem Cover eines großen Modemagazins. Hopa, mit geschlossenen Augen und im Profil fotografiert, ziert die April-Ausgabe des portugiesischen Ablegers der „Vogue“. Das Magazin thematisiert darin das „African Motherland“ als die Wiege des Lebens und porträtiert die Vielseitigkeit und den Reichtum des riesigen Kontinents – so fasst es „Independent Online“ (IOL) zusammen.

Albinismus beschreibt eine angeborene Störung verschiedener Stoffwechselvorgänge im Körper. Sie alle haben gemein, dass Betroffene kein Melanin mehr bilden können. Das ist ein Farbstoff, genauer gesagt ein dunkles Pigment, das den Körper, die Haut und die Haare vor dem Einfluss von UV-Strahlen schützt, indem es Sonnenstrahlen absorbiert. Je mehr Melanin im Körper vorhanden ist, desto dunkler ist auch die Haut. Fehlt der Farbstoff wiederum, können Haut und Haare perlweiß erscheinen, dazu sind die Körper sehr lichtempfindlich. So zumindest schreibt es die Landesärztekammer Baden-Württemberg.

Ein vielversprechender Beginn

Menschen mit Albinismus erleben in ihrem Alltag häufig Diskriminierung und Stigmatisierung. Im Gespräch mit „Topwomen“ spricht Hopa etwa davon, dass ihr immer wieder Menschen begegnet seien, die in ihr einen Glücksbringer oder ein schlechtes Omen gesehen hätten. „Manche umarmten mich, andere spuckten aus oder wollten mich nicht berühren, aus Angst, dass sie sonst Kinder zur Welt bringen könnten, die wie ich sind.“ Doch mittlerweile gibt es eine Entwicklung hin zu einem offeneren Diskurs. In Tansania etwa werden Menschen mit Albinismus vom Staat und den Medien nicht mehr als „geisterhafte Wesen“ bezeichnet, sondern als „Menschen mit einer Behinderung der Haut“. Noch nicht perfekt, aber ein vielversprechender Anfang.


Umso wichtiger ist es für Hopa, eine Plattform und damit Aufmerksamkeit zu gewinnen, um für ein breiteres Gesellschaftsbild und mehr Gleichberechtigung für Albinos zu werben. Denn letztlich sei sie nur eine ganz „gewöhnliche“ Frau. Im Interview mit IOL, dem südafrikanischen Medienunternehmen, das 20 der wichtigsten Zeitungen und Magazine des Landes vereint, sagt sie: „Ich konnte es zunächst gar nicht glauben, aber als ein riesiges Team der Vogue zu mir nach Hause nach Südafrika kam, realisierte ich langsam, was das alles bedeutete. Es war überwältigend, denn es gab vorher nie ein Model mit Albinismus auf einem Cover der Vogue.“ Ihr Titelbild stehe für Diversität und Inklusivität, denn sie selbst habe gleich mehrere Identitäten: als farbige Frau vom Kontinent Afrika, als Frau mit Albinismus und als Südafrikanerin.

Noch immer gibt es Morde in afrikanischen Ländern

Für all diese Identitäten hat sie bereits in der Vergangenheit Vorurteile und Barrieren niedergerissen: Sie war die erste Südafrikanerin mit Albinismus, die eine Seite im „Pirelli“-Kalender bekam und sie war die erste Marken-Botschafterin für „Vichy“. Zudem wurde sie vergangenes Jahr von der „BBC“ unter die 100 einflussreichsten und inspirierendsten Frauen der Welt gewählt.

Menschen mit Albinismus fehlt das dunkle Farbpigment Melanin. Ihre Haut und ihre Haare sind daher sehr hell. Foto: Symbolbild / gettyimages / FangXiaNuo

Hopa, die Anfang April das Titelbild der Vogue auf ihrer Instagram-Seite teilte, schrieb dazu: „Ich sagte einmal zu einem Freund, dass es unglaublich wäre, eine Frau mit Albinismus auf einem Cover der Vogue zu sehen. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich diese Frau sein könnte. Ich bin zutiefst gerührt, weil ich einen Fortschritt sehe und ich einen kleinen Teil dieses Fortschritts mitgestalten kann. Ich habe einen Punkt in meiner Karriere erreicht, an dem ich jedes Detail meines Körpers wertschätze und ich weiß, wohin ich auch gehe, dass meine Existenz schon immer und für immer erfüllt sein wird. Vielen Dank, Vogue, dass ihr mir die Möglichkeit gegeben habt, eine Fußnote in der Geschichte zu sein.“

Es ist ein starkes Symbol, das Hopa und die Vogue aussenden für mehr Sichtbarkeit und gegen Diskriminierung von Menschen mit Albinismus. Denn es ist noch nicht lange her, dass die „Zeit“ über zahlreiche Morde in Ostafrika an den „weißen Schwarzen“ – Menschen mit Albinismus – berichtete. Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren zu Tötungen in Tansania, Mosambik, Burundi oder Malawi. Antrieb für die Entführungen, Verstümmelungen und Morde sei demnach der weitverbreitete Aberglaube, wonach Substanzen aus Haut und Körperteilen von Albinos besondere Kräfte verliehen.

Die Menschenrechts-Organisation „Amnesty International“ berichtete im vergangenen Jahr, dass in Malawi noch immer die meisten Gewalttaten gegen Albinos unaufgeklärt blieben. Das seien seit 2014 fast 150 Fälle, darunter 14 Morde und sieben versuchte Morde. Die Organisation „Under The Same Sun“ setzt sich deshalb dafür ein, dass Menschen mit Albinismus gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft werden können. Eines Tages, das ist ihr erklärtes Ziel, soll jeder Mensch, ob weiß, ob schwarz, ob weiße Schwarze, in Afrika die gleichen Chancen auf Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, Beschäftigung und Selbstbestimmung haben. Ein Ziel, das durch das Foto von Thando Hopa und die damit einhergehende Aufmerksamkeit und Aufklärung ein wenig näher gerückt ist.