Berliner Wagniskapitalgeber 468 Capital wagt sich mit zweitem Spac vor

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Das Team von 468 Capital: Ludwig Ensthaler, Alexander Kudlich, Florian Leibert  (v.l.n.r.)
Das Team von 468 Capital: Ludwig Ensthaler, Alexander Kudlich, Florian Leibert (v.l.n.r.)

Mit ihrem ersten Spac-IPO scheint die Berliner VC-Firma 468 Capital sehr zufrieden gewesen zu sein. Ende vergangenen Jahres brachte der Fonds die Firma Boxine, Hersteller der Tonies-Boxen für Kinder, an die Börse. So zufrieden, dass 468 Capital nun schon den nächsten Spac aufgelegt hat.

Schon im Dezember wurde bekannt, dass der Berliner VC durch die Notierung eines Spacs (Special Purpose Acquisition Company) an der Frankfurt Börse 200 bis 250 Millionen Euro einsammeln will. Beim Launch am vergangenen Freitag waren es am Ende 210 Millionen: „Damit sind wir zufrieden. Es spricht dafür, dass wir da tolle Investoren haben, denen wir vertrauen", so Ludwig Ensthaler gegenüber Gründerszene.

„Das Unternehmen strebt einen Unternehmenszusammenschluss im Bereich Verbrauchertechnologie oder Cloud-Software an", heißt es in einer offiziellen Mitteilung zum Börsengang. Binnen der kommenden 18 Monate will das Unternehmen den Investoren dann seinen ganz konkreten Übernahmekandidaten präsentieren.

Auf der Webseite der 468-Mantelgesellschaft erfährt man darüber hinaus: Neben Verbrauchertechnologie als möglichen Bereich werden auch „Software und künstliche Intelligenz mit Fokus auf den Teilsektoren Last-Mile-Logistik, Marktplätze, Verbraucherfinanzierung, Cloud, kommerzielle Open Source und Software-as-a-Service" genannt. Die Anteile das zweiten 468-Spacs sind den offiziellen Unterlagen zufolge ausschließlich institutionellen Anlegern angeboten worden.

Deep-Tech-Fonds der Rocket-Männer

Der dahinter stehende Wagniskapitalgeber 468 Capital wurde 2020 von Alexander Kudlich (CEO), Ludwig Ensthaler (CIO) und Florian Leibert (CTO) gegründet. Kudlich und Ensthaler sind einstige Rocket-Gewächse, erster war Vorstand und galt als ein enger Vertrauter von Oliver Samwer. Zweiter verantwortete wesentliche Investments des Rocket-Investmentarms Global Founders Capital. Leibert hat mit Mesosphere (heute: D2iQ) ein Tech-Startup gegründet, das eine Viertelmilliarde Dollar von Investoren bekommen hatte. Der Frühphasen-Fonds der drei Männer hat sich das Thema Deep-Tech vorgenommen. 468 Capital ist unter anderem in der Razor Group, bei Mayd, Ostrom, Planetly und vielen anderen schillernden Tech-Startups investiert.

Auch bei dem neuen 468-Spac sitzen die drei VC-Chefs am Ruder und werden dabei von einem Aufsichtsrat mit Tech-Erfahrung unterstützt, unter anderem von der Teleclinic-Chefin Katharina Jünger und dem Scalable-Investor Mato Perić.

„Wir haben gute Erfahrungen mit dem ersten Spac gemacht"

Bei dem neuen Vorhaben hofft 468 Capital, von Prozessen der Tonies-Übernahme zu profitieren. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem ersten Spac gemacht", so Ensthaler gegenüber Gründerszene. „99,8 Prozent der Investoren habe ihre Anteile behalten, das ist unseres Wissens nach Europarekord, wenn nicht gar Weltrekord.“ Nachdem ein Übernahmeziel bekannt gegeben wird, können die Spac-Aktionäre entscheiden, ob sie ihre Anteile halten oder zurückgeben möchten, falls sie mit der Auswahl nicht zufrieden sind.

Der Tonies-Börsengang war einer der ersten in Deutschland, als im vergangenen Jahr der Spac-Hype aus den USA auch nach Deutschland schwappte. Vorher dran war nur der Spac des Wagniskapitalgebers Lakestar von Klaus Hommels, der 275 Millionen Euro einsammelte und so die Ferienhaus-Plattform Hometogo an die Frankfurter Börse brachte. Am heutigen Dienstag wurde außerdem bekannt, dass das Heizungs-Startup Tado mit dem Spac des ehemaligen Klöckner-Chefs Gisbert Rühl an die Börse gehen will.

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