Das Reizdarmsyndrom: Stress im Darm

Lifestyle - Leben

Der Verdauungstrakt, insbesondere der Darm, reagiert auf Stress sehr sensibel. So heißt es auch nicht ohne Grund, dass uns etwas "auf den Magen schlägt".

Beschwerden wie Krämpfe, Blähungen, Durchfall und/oder Verstopfung können unter anderem die Folge von zu viel Stress sein. Treten sie regelmäßig auf, liegt vermutlich das sogenannte Reizdarmsyndrom vor, eine gestörte Funktion des Verdauungstrakts. Doch wie entsteht es und was kann man dagegen tun?

So belastend die Symptome für den Betroffenen auch oft sind, das Wichtigste zur Beruhigung vorab: Das Reizdarmsyndrom mag die Lebensqualität zwar erheblich einschränken, ist aber zumindest medizinisch gesehen harmlos. Weder erhöht sich dadurch das Darmkrebs-Risiko, noch wird die Lebenserwartung verringert.

In den seltensten Fällen hat der nervöse Darm organische Ursachen. Vielmehr handelt es sich  beim Reizdarmsyndrom um eine funktionelle Erkrankung, zu deren Ursachen weiterhin unermüdlich geforscht wird.

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Häufiges Rumoren in den Gedärmen kann sehr oft stressbedingt sein (Bild: thinkstock)

Was sind die Ursachen eines nervösen Darms?
Geht man vom aktuellen Forschungsstand aus, können die Ursachen mannigfaltig sein: So kann das Reizdarmsyndrom beispielsweise im Anschluss an eine Darminfektion auftreten. Des Weiteren wird eine Beeinträchtigung der Darmbeweglichkeit als mögliche Ursache aufgeführt.

Hierbei kommt es zu einer Störung im darmeigenen Nervensystem — die Kommunikation zwischen Nerven und Darmmuskeln funktioniert nicht richtig. In manchen Fällen können auch eine falsche Ernährung oder Unverträglichkeitsreaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel Faktoren für die Entstehung eines Reizdarms sein.

Sehr oft spielen jedoch psychische Faktoren wie Stress und Belastung eine große Rolle. Nicht wenige haben sicher schon einmal an sich selbst beobachten können, dass Ereignisse, die für Körper und Psyche Stress bedeuten, wie beispielsweise eine große Prüfung oder ein wichtiges Vorstellungsgespräch, oftmals von Bauchkrämpfen oder Durchfall begleitet werden.

Obwohl Gehirn und Magen-Darm-Trakt unabhängig voneinander arbeiten, können sie sich gegenseitig beeinflussen und so reagiert das größte Organ unseres Körpers bei anhaltendem Stress, Ärger oder kritischen Lebensereignissen, wie dem Verlust einer geliebten Person, Arbeitslosigkeit u.ä., nicht selten mit einer für die Betroffenen belastenden und mitunter schmerzhaften Überempfindlichkeit.

Wer ist betroffen und was sind die Symptome?

Auch eine an der Universität Southampton durchgeführte Studie untermauert die enge Beziehung zwischen Psyche und der Anfälligkeit für das Reizdarmsyndrom. Danach sind vor allem perfektionistische Personen gefährdet, die sich selbst (zu) viel abverlangen und sich unter Druck setzen. Allein in Deutschland leiden schätzungsweise bis zu 20 Prozent der Bevölkerung mehr oder weniger stark am Reizdarmsyndrom. Frauen sind dabei weitaus häufiger betroffen als Männer.

Neben den bekannten Anzeichen wie Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Völlegefühl und Krämpfen, können auch Veränderungen im Stuhl auftreten. Aber auch andere, nicht direkt den Verdauungstrakt betreffende Begleitsymptome können sich einstellen, wie Kopf- und Rückenschmerzen, Müdigkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Kreislaufprobleme oder psychische Symptome, wie Angst und depressive Verstimmungen.

Diagnose und Behandlung
Um organische Ursachen wirklich ausschließen zu können, sollte bei regelmäßigem Auftreten der Symptome ein Arzt konsultiert werden. Methoden wie Darmspiegelung, Blut- und Stuhluntersuchungen und Ultraschall können sich bei der Diagnosefindung als sinnvoll und auch notwendig erweisen. Liegt der Verdacht einer Nahrungsmittelunverträglichkeit vor, sollte auch dies mittels entsprechender Tests abgeklärt werden.

Steht die Diagnose "Reizdarmsyndrom" fest, ist die Therapie in erster Linie abhängig von der vermuteten Ursache. Bei stressbedingtem Auftreten empfehlen sich Maßnahmen, die an einer "Entschleunigung" des Alltags ansetzen: Dies können beispielsweise Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung sein oder eine Verhaltenstherapie, in denen unter anderem am Umgang mit Stress gearbeitet wird. Auch das Meiden schlecht verträglicher, beispielsweise stark blähender Nahrungsmittel, genügend Flüssigkeitszufuhr und ausreichend Bewegung sind dem Gegenwirken zuträglich.

Eine wirklich langfristige Heilung ist bisher leider nicht möglich und so eignen sich auf die Symptomatik angepasste Medikamente, wie Krampflöser oder Präparate gegen Verstopfung, Blähungen oder Durchfall auch nur für eine zeitliche begrenzte Anwendung. Aber auch pflanzliche, rezeptfreie Mittel wie Fenchel, Anis, Kümmel und Pfefferminze können durchaus Wirkung bei Darm-Verstimmungen zeigen.

Wärme und Entspannung können die Schmerzen lindern (Bild: thinkstock)

Fazit: Wer unter nervösem Verdauungstrakt leidet, sollte vorab das Vorliegen einer organischen Ursache vom Arzt ausschließen lassen. Mögliche Therapieansätze sollten individuell — abhängig von den Beschwerden — ausgearbeitet werden.

Sowohl zur Prävention als auch zur Behandlung des Reizdarmsyndroms ist es wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und seinen Lebensstil dessen Bedürfnissen möglichst anzugleichen. Das betrifft die Verringerung oder gar Vermeidung von Stress ebenso wie Ernährungsgewohnheiten und den Lebensrhythmus.

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