Selbstdisziplin lernen: So klappt’s auch bei Ihnen

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Auch mal locker sein können, die Stimme der Vernunft ignorieren und Fünfe gerade sein lassen — das  ist mindestens genauso wichtig wie eine gewisse Zielstrebigkeit. Doch vergessen Sie bei all dem Laissez-faire nicht die nötige Selbstbeherrschung! Wer sich diszipliniert, kann Vorsätze besser formulieren und umsetzen — und hat auch mit der Bewältigung alltäglicher Aufgaben deutlich weniger Probleme! Wir haben mit zwei Experten gesprochen und für Sie herausgefunden, wie ein gesundes Maß an Selbstdisziplin aussieht. So bekommen Sie das ebenfalls gaaaanz entspannt hin.

Schoki oder Obst? So klappt's mit der Selbstdisziplin! (Bild: thinkstock)


Definition Selbstdisziplin
Glaubt man der Begriffsdefinition, entspricht Disziplin „Unterordnung", „Zucht" und „Drill". Dass diese Synonyme in ihrer Bedeutung nicht mehr zeitgemäß sind, weiß Motivations-Coach Gordon Müller-Eschenbach: „Ich empfehle, Selbstdisziplin daher nicht im Sinn der Großeltern-Generation zu sehen, sondern kreativ-visionär." Müller-Eschenbach berät  Vorstände und Manager auch in Strategie- und Marketingfragen und sieht Selbstdisziplin als eine Art Geschenk, die dem Menschen dabei helfen kann, auch mal unangenehme Perioden oder kleinere Niederlagen wegzustecken, „immer in der Gewissheit, dass aus unseren gepflanzten Kernen auch ein Apfelbaum wachsen wird, der Früchte für uns trägt — wenn wir ihn nur richtig pflegen, zur richtigen Zeit und im richtigen Maße."

Das große Ganze
Sie setzen sich ein großes Ziel, doch auf dem Weg dahin müssen Sie ermüdend viele Einzelschritte machen? Das sollten Sie ausblenden: Menschen neigen zur Verunsicherung, wenn nicht jeder kleine Teilerfolg eine greifbare Belohnung nach sich zieht — und wenn es zu einem Rückschlag kommt, geben viele sogar auf. Wie die amerikanische Fachzeitschrift „Current Directions in Psychological Science" in ihrer aktuellen Ausgabe beschreibt, hilft vor allem der Fokus auf das große Ganze Ihnen dabei, am Ball zu bleiben. Nehmen Sie nur mal eine Diät: Wer die Wahl hat zwischen einem grünen Apfel und einem Schokoriegel, könnte ins Wanken geraten, was die Süßigkeiten-Abstinenz angeht. Führt man sich dann aber das Endziel vor Augen — den Verlust von fünf Kilo etwa — fällt die Entscheidung auf einmal ganz leicht. Und schwupps, hat die Selbstdiziplin gewonnen!

Auch wenn es um größere Dinge oder Niederlagen geht und es schwer erscheint, wieder aufzustehen, kennt unser Experte Müller-Eschenbach eine effektive „Kraftquelle". Gegenüber Yahoo! erklärt der Coach: „Selbstdisziplin im positiven Zusammenhang arbeitet wie ein „Turbo Booster" in uns. Sie ist eine zusätzliche Kraftreserve, die wir anschalten können, wenn der Weg mal besonders holprig oder ausweglos erscheint." Also bloß wieder aufs Pferd steigen — auch wenn es groß erscheint!

Ärger über den Job: So viel Lebenszeit raubt er Ihnen

Motivationspush Traumjob
Ein Phänomen unserer modernen Gesellschaft ist die große Fülle an Möglichkeiten. Während früher oftmals schon im Gymnasium klar war, wohin die berufliche Reise geht, wissen das heutzutage viele bis ins Erwachsenenalter nicht so recht. Wie Motivationscoach und Trainer Andreas Butz gegenüber Yahoo! erklärt, findet sich der Traumjob oftmals durch Zufall oder einen „persönlichen Bruch im Leben: Das kann Krankheit, eine unerwartete Kündigung oder eine private Stresssituation sein." Vor allem außergewöhnliche Karrieren würden besonders viel Selbstdisziplin erfordern, „das Fokussieren auf einen attraktiven Weg, die Konzentration auf eine besondere Kompetenz und die Schaffung optimaler persönlicher Rahmenbedingungen", verdeutlich der Experte.

Im Umkehrschluss motiviert nicht nur das tatsächliche Karriereziel, sondern auch der messbare Erfolg, also etwa das Erreichen der angestrebten Position. Es hält Menschen bei der (Trainings-)Stange. Wie Butz bemerkt hat, sind es oftmals gerade Top-Manager, die gerne und konstant an ihre sportlichen Grenzen gehen. Nicht umsonst würden gerade die Erfolgreichen Marathon laufen: „Der Trainingsplan ist ein probates Instrument zur Selbstführung. Das motivierende Ziel ist der Marathon, der eigentliche Anlass aber der Wunsch der Erhaltung der Ausdauer, Kreativität und Lebensenergie." Ihre Selbstdisziplin hat sie immerhin dahin gebracht, wo sie nun beruflich stehen.

Früh übt sich
Von wegen, in der Kindheit ist alles unbeschwert und leicht — tatsächlich ist Selbstkontrolle schon im ganz jungen Alter von enormer Wichtigkeit! Kids legen schon sehr früh den Grundstein dafür, ob sie später mit Übergewicht zu kämpfen haben. Das belegt eine Studie des Kinderkrankenhauses von Cincinnati. Zwischen 1968 und 1974 wurde mit 653 Vierjährigen ein Test durchgeführt: Man gab ihnen einen Keks und das Versprechen, einen weiteren zu bekommen — unter der Bedingung, den ersten für eine unbestimmte Zeit nicht anzurühren. Nach einer Viertelstunde war das Warten vorbei.

Laut der Studie sollten die standhaften Kids später nicht nur weniger Figurprobleme haben, sondern auch bessere Noten und mehr soziale Kompetenzen. Tanya Schlam, Wissenschaftlerin an der „Wisconsin School of Medicine and Public Health"  formulierte es gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters" folgendermaßen: „Selbstkontrolle ist mit vielen Eigenschaften verbunden, die später mal wichtig im gesellschaftlichen Leben werden: Nicht nur das Gewicht, auch die allgemeine Gesundheit, finanzielle Stabilität und die Bereitschaft, ein Verbrechen zu begehen, hängen davon ab."

Zu viel des Guten
Wie immer im Leben sollte es irgendwann auch gut sein. Zu viel Selbstdisziplin ist ebenso kontraproduktiv wie zu wenig. Behalten Sie Ihr Ziel vor Augen — aber versteifen Sie sich nicht! „Reines Verharren auf einen einmal eingeschlagenen Weg bedeutet zwangsläufig, blind für Alternativen zu sein, die sich auf dem Weg zum ursprünglichen Ziel ergeben", warnt Gordon Müller-Eschenbach. Das betrifft das Privatleben ebenso wie die berufliche Entwicklung. „Selbstdisziplin als Korsett ist der Garant zum Scheitern in heutigen dynamischen Märkten." Der Coach hält es für besonders wichtig, dass nach Zeiten der Anspannung auch eine Entspannung folgt. Wer immer nur funktioniert, trainiert und ackert, sollte zwischendurch auch Früchte ernten. Sonst kommt es schnell zum Frust — und dann ist gar nichts mehr zu holen.

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Auch Motivationscoach Andreas Butze weiß um die Gefahren übertriebener Selbstkontrolle. Nicht nur im beruflichen, auch im privaten Umfeld kann sie im schlimmsten Fall sogar zur Isolierung führen: „Wenn zum Beispiel der Wunsch nach gesunder Ernährung dazu führt, dass Menschen auswärts nichts mehr essen können, weil die Küch nicht bio genug, nicht vollwertig genug oder nicht 100 prozentig vegan ist, dann kann das dazu führen, in die Rolle des Außenseiters gedrängt zu werden." Seien Sie also nicht zu verbissen — dann klappt's nicht nur mit der Karriere, sondern auch mit den sozialen Kontakten!