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Cyberstalking: Gefahr durch Tracker

Bluetooth-Tracker werden laut neuen Recherchen immer öfter von Stalkern missbraucht. Eine Lücke im Gesetz gegen Cyberstalking soll dies begünstigen.

Ein Tracker da, wo er eigentlich hingehört: an einem Rucksack beispielsweise (Symbolbild: Getty Images).
Ein Tracker da, wo er eigentlich hingehört: an einem Rucksack beispielsweise (Symbolbild: Getty Images).

Bluetooth-Tracker wie Apple AirTags oder Samsung Galaxy SmartTags werden immer öfter von Stalkern missbraucht. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Recherche von "Vollbild", das Investigativformat des SWR.

Tracker in Kleidung oder Spielzeug versteckt

So verstecken Stalker die Geräte von der Größe einer Münze im Auto des Opfers, nähen es in seine Kleidung ein oder bauen sie in Kinderspielzeug ein. So können sie mit ihrem Smartphone etwa Ex-Partner oder andere Objekte ihrer Begierde auf den Meter genau verfolgen.

Was ist der eigentliche Zweck von Bluetooth-Trackern?

Wenn Stalker die genannten Tracker also missbrauchen, zu welchem Zweck werden diese aber hergestellt? Bei den beiden im Jahr 2021 vorgestellten Apple AirTags und Samsung Galaxy SmartTags handelt es sich um Weiterentwicklungen des elektronischen Schlüsselfinders.

AirTag-Stalking: Erstes prominentes Opfer meldet sich zu Wort

Alte Modelle, die seit den 1980er-Jahren verbreitet sind, reagierten beispielsweise auf Geräusche. So konnte man in die Hände klatschen und so den Schlüsselanhänger lokalisieren, an dem der Finder angebracht wurde.

Nachverfolgung nicht nur im Bluetooth-Bereich möglich

Die neuen Geräte nutzen nun Bluetooth zum Tracken der Tags. Die Geräte können an Rucksäcken oder Geldbeuteln montiert werden, um sie bei Verlust oder Diebstahl wiederfinden zu können.

Die Tracker lassen sich aber nicht nur im Bluetooth-Bereich von bis zu 120 Metern orten. Der Tag von Samsung kann etwa über das hauseigene SmartThings Find Network Smartphones von Samsung in dem Zielbereich zur Ortung verwenden. Apple verfügt mit der "Wo ist?"-App über ein ähnliches Netzwerk.

Missbrauch länger bekannt - wie reagieren die Hersteller?

Der Missbrauch von Apples AirTags wurden schon früh nach der Veröffentlichung Anfang 2021 erfasst. So soll es laut Polizeiberichten in den USA zwischen August 2021 und April 2022 schon 150 Fälle von Stalking und Diebstahl gegeben haben. Die Opfer waren, wie bei Stalkingfällen generell, fast immer Frauen.

Den Herstellern ist der Missbrauch bewusst. Apple ließ im Februar 2022 verlauten, "jede bösartige Verwendung auf das Schärfste zu verurteilen". Jenseits des Lippenbekenntnisses verwies Apple auf ein "proaktives System, das auf unerwünschtes Tracking hinweist". Das System funktioniert aber nur für iPhone-Nutzer funktioniert.

Samsung lässt ausrichten, dass man über die Funktion "Unknown Tag Search" herausfinden kann, ob sich ein fremder Tracker in der Nähe befinde. Laut Selbsttest von "Vollbild" funktioniere dies aber nicht in jedem Fall.

Lücke in Gesetz zu Cyberstalking?

Laut einem Artikel eines juristischen Fachzeitsmagazins von 2022 gebe es im Gesetz gegen Cyberstalking eine Lücke. Dieses erfasse nur das Eindringen in fremde Geräte mittels Spyware. Untergeschobene Geräte berücksichtigt es nicht.

Das Bundesjustizministerium sieht laut "Vollbild" diese Lücke nicht. Entscheidungen von Gerichten zu AirTags und vergleichbaren Produkten seien "noch nicht bekannt". Erst wenn sich in der Strafbarkeitspraxis Löcher zeigten, wolle man "etwaigen Handlungsbedarf" prüfen.

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