Damenhygiene-Artikel in Wales "nicht essentiell"? Corona-Regeln sorgen für Konfusion

Ann-Catherin Karg
·Freie Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Wegen steigender Infektionszahlen gilt in Wales ein temporärer Lockdown, in dessen Folge Supermärkte nur noch als "unverzichtbar" eingestufte Ware verkaufen dürfen. Dass eine Supermarkt-Kette die Regale für Damenhygiene-Artikel sperrte, ist nicht die einzige Maßnahme, die Unmut weckt.

Die walisische Regierung sperrt alle Produkte, die nicht essentiell sind. (Bild: Getty Images)
Die walisische Regierung sperrt alle Produkte, die nicht essentiell sind. (Bild: Getty Images)

Eine Frau im walisischen Cardiff konnte nicht fassen, dass sie in einer Filiale der Supermarktkette Tesco keine Damenbinden kaufen konnte. Nicht etwa, weil das Produkt nicht vorrätig gewesen wäre, sondern weil der Gang, in dem es sich zusammen mit anderen Hygieneartikeln befand, gesperrt war. Ihr Unverständnis äußerte sie auf Twitter und fragte bei Tesco nach, weshalb sie keine Damenbinden kaufen konnte, obwohl sie sicher sei, dass diese für Frauen sehr wohl essentiell seien. Besonders schräg fand sie, dass Hygieneartikel für Frauen nicht verkauft werden dürften, Alkohol dagegen aber schon.

Bier ja, Tampons nein

Eine andere Nutzerin sah das ganz ähnlich und schrieb fassungslos: "Sie dürfen keine Hygieneartikel verkaufen, aber Bier schon."

Und ein Nutzer meinte: "Was in aller Welt. Die Welt wird von Tag zu Tag merkwürdiger."

Hintergrund der Geschichte ist der temporäre Lockdown in Wales, der Geschäften vorschreibt, bis zum 9. November nur noch als essentiell eingestufte Waren anzubieten. Und wie das Beispiel mit den Damenbinden zeigt, gibt es bei der Definition offensichtlich Klärungsbedarf.

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"Gesunder Menschenverstand" als Richtlinie

Eine Mitarbeiterin des Supermarkts hatte der verärgerten Kundin auf ihren Tweet zunächst geantwortet, die walisische Regierung hätte die entsprechende Anweisung gegeben. Beim Coronavirus-Briefing der Regierung sagte der Gesundheitsminister Vaughan Gething laut "BBC" aber, es sei "einfach falsch" gewesen, dass die Kundin den gewünschten Artikel nicht habe kaufen können. Supermärkte dürften selbstverständlich alles verkaufen, was es auch in Apotheken zu kaufen gebe. Um zu entscheiden, was als essenziell gelte und was nicht, sollten Käufer und Einzelhändler einfach ihren "gesunden Menschenverstand" einsetzen. Der Supermarkt habe sich später für seine Aussage, Tampons und Binden dürften nicht verkauft werden, entschuldigt.

Mit einer Online-Petition soll die umstrittene Regelung gekippt werden

Dass die Sache mit dem "gesunden Menschenverstand" immer noch genügend Spielraum lässt, finden offenbar auch die mehr als 65.000 Unterzeichner einer Online-Petition, mit der die Regelung gekippt werden soll. Eine Twitter-Nutzerin schrieb zum Beispiel: “Ich glaube es nicht. Wieso ist eine Mikrowelle nicht essenziell, wenn sie bei jemandem kaputt geht? Oder ein Wasserkocher?“

Unterdessen hat die walisische Regierung ein Treffen mit Einzelhandelsvertretern angekündigt, um die Regeln zu prüfen und ihre "korrekte Umsetzung" sicherzustellen.

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Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind in Wales bis zum 9. November auch Büchereien, Restaurants, Geschäfte und mit Ausnahmen auch Kirchen geschlossen.

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