Depressionen: Was man virtuell tun kann

·Freie Autorin
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Während der Pandemie ist es sowieso schon nicht ganz einfach, seine sozialen Kontakte zu pflegen. Doch gerade bei der Versorgung psychisch erkrankter Menschen führen die Corona-Maßnahmen zu massiven Einschnitten. Das kannst du tun, um Betroffenen zu helfen – wenn auch nur virtuell.

Woman with face mask in her home during stay at home order. Cleaning, and longing to get outside. COVID-19. March 2020
Die Coronakrise macht einsam und depressiv (Symbolbild: Getty Images)

Mit der Corona-Pandemie wachsen auch die Probleme der Menschen, die Depressionen haben. Für Menschen, die sich gerade in einer depressiven Krankheitsphase befinden, hat der zweite Lockdown besonders negative Auswirkungen. Denn die Alltagsstruktur, die für diese Patienten besonders wichtig ist, bricht weg und zieht ihnen den Boden unter den Füßen weg. 

Wie eine kürzlich veröffentlichte Sondererhebung des "Deutschland-Barometer Depression“, eine jährliche, repräsentative Bevölkerungsumfrage zu Depression, zeigt, berichten fast alle Psychisch-Erkrankten über fehlende soziale Kontakte, Bewegungsmangel oder verlängerte Bettzeiten. Insgesamt 44 Prozent der Befragten mit diagnostizierter Depression gaben an, dass sich coronabedingt ihre Erkrankung in den letzten sechs Monaten verschlechtert habe. 

"Für Depressionspatienten sind Bewegung, ein geregelter Tagesablauf und ein fester Schlaf-/Wachrhythmus wichtige unterstützende Bausteine in der Behandlung. Wenn diese wegbrechen, kann das den Krankheitsverlauf der Depression negativ beeinflussen“, erklärt Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Inhaber der Senckenberg-Professur an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. 

Depressionen erkennen

Die Wahrscheinlichkeit, dass du selbst jemanden kennst, der betroffen ist, ist groß. Nur weil du die Person vielleicht nicht persönlich triffst, heißt das nicht, dass du nicht helfen kannst. Gerade in Zeiten, in denen Social Distancing und das Connecten via Internet groß geschrieben werden, sind die Möglichkeiten unendlich. Doch wie erkenne ich jemanden, der depressiv ist? Habe ich selbst vielleicht sogar Symptome? Während Selbstmordgedanken immer auf Depressionen hindeuten, gibt es laut Dr. Carol Landau, Psychotherapeutin und Professorin an der Brown University, vor allem ein Anzeichen, das Depressionen erkennen lässt: Traurigkeit bei Erwachsenen, Reizbarkeit bei Teenagern. 

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Doch es gibt Dinge, die man tun kann, um die Anzeichen bei geliebten Freunden richtig zu deuten. Sie fügt hinzu: "Du kannst darauf achten, ob es Veränderungen in der Selbstfürsorge, beim Schlafen oder Essen gibt", sagte sie dem Online-Portal "Mashable" und fügt hinzu: "Du kannst darauf achten, ob sich dein Freund weniger bewegt, aufgewühlt, lustlos oder antriebslos ist." 

Verschicke kleine Geschenke und Care-Packages

Kleine Aufmerksamkeiten wie Blumen, Pralinen oder auch Wellness-Pakete sind gerade in Zeiten des Paketebooms eine tolle Möglichkeit, Betroffenen zu zeigen, dass du an sie denkst. Auch wenn ihr euch überwiegend über WhatsApp oder FaceTime hört, gibt es unendliche andere Möglichkeiten, der Person zu zeigen, wie wichtig sie dir ist. Verschicke Briefe, Süßigkeiten, Fotos aus guten, alten Zeiten. Auch mit E-Cards oder Playlisten eurer gemeinsamen Liederfavoriten, einer Netflix-Party oder einem Video-Chat kannst du Menschen, die dir etwas bedeuten, eine große Freude machen. 

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Gemeinsame Freunde treffen – virtuell versteht sich

Zwar können wir derzeit nicht in Cafés und Bars zusammen abhängen, doch FaceTime und Zoom sei Dank gibt es Videocalls, in denen du ein paar gemeinsame Freunde zusammentrommeln kannst. Nur weil du dein Gegenüber nicht anfassen kannst, heißt es nicht, dass ein virtuelles Zusammentreffen weniger lustig ist. Das hebt die Laune und zeigt Betroffenen, dass sie nicht alleine sind.

Gemeinsam Sport machen

Vergiss bei der Aktion, deinem Freund oder deiner Freundin helfen zu wollen, aber nicht dich selbst. Yoga-Übungen oder Pilates können helfen, Ausgleich zu finden. Du schlägst außerdem zwei Fliegen mit einer Klatsche, wenn du die betroffene Person zu einer gemeinsamen Sport-Session online einlädst. Auch Meditation ist eine gute Hilfe, um gegen Stimmungsschwankungen anzukämpfen. "Nimm es aber nicht persönlich, wenn dein Freund sich nicht anschließen möchte. Er hat vielleicht nicht die Energie dazu", so Landau. 

Gemeinsam Therapeuten suchen

Falls du merkst, dass die Depressionen deines Freundes schlimmer werden und er beispielsweise Suizidgedanken äußert, solltest du natürlich sofort reagieren und ihm am besten vorschlagen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Du kannst ihm auch hier beistehen, indem du ihm vorschlägst, mit ihm gemeinsam einen Therapeuten zu finden oder bei der Telefonseelsorge Hilfe zu suchen. 

Anmerkung der Redaktion: Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert oder geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 – 1110111 und 0800 – 1110222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.

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