Die 5 letzten Sex-Mythen – endlich entlarvt

Ena Clarke
Freie Autorin

Wer damals im Bio-Unterricht nicht aufgepasst hat, hat sich Nachhilfe von Dr. Sommer geben lassen, dann noch vielleicht ein bisschen herumprobiert und recherchiert, um auf einen einigermaßen befriedigenden (haha!) Wissensstand in Sachen Sex zu kommen. Und doch halten sich so einige Mythen, bei denen es so viele unterschiedliche Meinungen, Standpunkte und Studien gibt, dass man sich am Ende tatsächlich nicht ganz sicher ist, ob sie stimmen oder nicht. Fünf der wahrscheinlich letzten Sex-Mythen – endlich entlarvt.

Je jünger man ist – umso mehr Sex hat man. Oder? (Bild: Getty Images)

Mythos 1: Sex kann man verlernen

Kann man durch Sexlosigkeit die Fähigkeit zum Sex verlernen oder gar asexuell werden? Das Wichtigste zuerst: Asexualität (also die grundsätzliche Abwesenheit von sexuellem Verlangen) ist also nicht gleichbedeutend mit sexueller Abstinenz. Einer Studie der Partnervermittlung gleichklang.de zufolge halten sich 40 Prozent der Menschen, die lange sexlos leben, für asexuell, obwohl sie zum Beispiel nur schüchtern sind oder einfach keine Gelegenheit zum Sex haben. Aber: Das Gehirn ist faul – und je länger man keinen Sex hatte, umso weniger fehlt er einem.

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Das erste Mal nach einer langen abstinenten Phase kann ungewohnt sein – auch körperlicher Art: So können sexuelle Reaktionen durchaus länger brauchen, wenn sie erstmals wieder in Aktion treten. Aber dass die sexuellen Organe, das Nervennetz, das Orgasmen auslöst, nach langem Nichtgebrauch total verkümmern, ist Quatsch. Sich Zeit geben und Druck rausnehmen, lautet die Devise. Der Appetit kommt eben doch beim Essen.

Mythos 2: Je jünger man ist, desto mehr Sex hat man

Ist mit X Jahren (bitte hier beliebiges Alter ausdenken!) wirklich Schluss mit dem ausgiebigen Sexleben und kann man dann nur noch neidisch auf die Jüngeren (auch hier beliebiges Alter vorstellen) schauen, die ja immer und jederzeit Sex haben können? Natürlich gibt es Lebensabschnitte, in denen man mehr oder weniger Sex hat (fragen Sie mal junge Mütter oder gestresste Geschäftsmänner). Aber dass „diese jungen Dinger“ um 25, die dank Tinder und anderer Casual-Dating-Plattformen doch jederzeit Sex haben können, das auch permanent tun, ist ein echter Irrglaube. Die Generation Y (also die in den 1990ern Geborenen) ist Umfragen zufolge eher wieder konservativ unterwegs: Statt nach schnellem Sex sucht sie nach Sicherheit und Geborgenheit – und lässt unverbindliche Tinder-Dates einfach sausen.

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Und was die Älteren unter uns angeht, hier ein kleiner Trost: Stressphasen (und damit einhergehende Sexflauten) gehen vorbei – und Umfragen zufolge sind Menschen zwischen 56 und 65 heute sexuell aktiver als die Millenials. Lebenserfahrung macht eben doch sexy.

Mythos 3: Der Vater bestimmt, ob das Kind ein Junge oder Mädchen wird

Ja, es gibt wirklich noch einige Dinge, die allein die Männer bestimmen – auch wenn sie selbst dazu nichts beitragen außer ihre Chromosomen. Frauen tragen die Geschlechtschromosomen XX in sich, Männer die Kombination XY. Jede Eizelle trägt damit zwangsläufig ein X-Chromosom zum Erbgut des Kindes bei. Das Spermium fügt entweder ein X oder ein Y hinzu. Damit stimmt dieser Mythos tatsächlich: Das vom Vater beigesteuerte Erbgut entscheidet, ob das Kind ein Junge oder Mädchen wird – auch wenn es sich dabei am Ende eben doch um einen Zufallsgenerator handelt.

Mythos 4: Morning Glory – was sexuelle Reaktionen des Körpers bedeuten

Einfaches Wort, viele Fragen: Wo ist noch mal dieser G-Punkt? (Bild: Getty Images)

Wenn eine Frau feucht wird und/oder harte Nippel bekommt, ist sie doch sicher erregt. Und ein Mann, der mit geschwollener Hose aufwacht, hat natürlich wahnsinnig Lust auf Sex.

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Kann stimmen, muss aber nicht. Denn Reaktionen der Geschlechtsorgane sind vor allem erst mal eines: automatisch vom Körper in die Wege geleitet – und sagen nichts darüber aus, ob die Frau / der Mann körperlich wie mental tatsächlich auch bereit zum sexuellen Genuss ist. „Du willst es doch auch“ hat also eindeutig ausgedient, eine bloße Annahme, dass der Sex doch sicher einvernehmlich stattfindet, ist absolut tabu.

Mythos 5: Den G-Punkt muss man nur finden

Die Aufklärung dieses Mythos ist am schwierigsten – deshalb lohnt es sich, darauf hinzuweisen, damit das Stochern im Dunklen nicht unendlich lange dauert: Die Existenz eines G-Punkts ist nicht eindeutig erwiesen. Der nach dem Arzt Ernst Gräfenberg benannte „Lustpunkt“, der an der Vorderwand der Vagina liegen soll, ist nämlich nicht bei jeder Frau nachweisbar. Oder vielleicht liegt er auch einfach nur nicht bei jeder Frau an derselben Stelle.

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Das Londoner Kings College etwa führte eine Studie unter genetisch identischen Zwillingspaaren durch, und siehe da: Die Zwillinge lokalisierten den vermeintlichen G-Punkt an unterschiedlichen Stellen. Natürlich ist auch die englische Studie längst von einer anderen, neueren aus Frankreich widerlegt. Vielleicht macht es in manchen Dingen eben doch Sinn, nicht auf Studien zu vertrauen, sondern sich voll und ganz auf den Partner oder die Partnerin vor einem zu konzentrieren – so trifft man die „soft spots“ am ehesten.

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