Die beste denkbare Verliererin: Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović begeistert Millionen Fußballfans mit ihrer Herzlichkeit

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style
Grabar-Kitarović umarmt den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. (Bild: FRANCK FIFE/AFP/Getty Images)

Herzlichkeit, Fairness und Lebensfreude: Die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarović zeigte beim WM-Finale in Moskau, wie man sich ein Staatsoberhaupt vorstellt.

Es war ein Tag der Freude für das französische Nationalteam. Mit 4:2 entschieden die Franzosen das WM-Finalspiel gegen Kroatien im Moskauer Olympiastadion Luzhniki für sich. Für die Kroaten ist damit zwar der große Traum vom Weltmeistertitel geplatzt, wie man aber mit einem Verlust umgeht und sich dabei noch in die Herzen von Abermillionen Fußballfans katapultiert, zeigte Kroatiens Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarović. Die begeisterte nicht nur den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron mit ihrer Herzlichkeit und Freude.

Anfangs trug sie noch einen roten Blazer, als sie neben Macron das Finalspiel ihrer Mannschaft auf der Tribüne verfolgte – das Spiel einer Mannschaft, die sich mit großartigem Fußball und einem Kämpferethos zum ersten Mal in ihrer Geschichte an die vorderste Spitze der Welt kickte. Später kam der Blazer weg und Grabar-Kitarović zeigte sich im Trikot ihres Teams. Sie jubelte, zitterte, freute sich – und sparte nicht mit Umarmungen.

Macron und Grabar-Kitarović ließen sich vom Regen nicht beeindrucken. (Bild: Fu Tian/China News Service/VCG)

In Emmanuel Macron hatte sie einen Gleichgesinnten gefunden – denn auch der hatte keine Angst davor, das Spiel so richtig emotional zu verfolgen. Da ließen die beiden das kühle Staatstragende schon mal außen vor und fielen sich in die Arme, gratulierten sich gegenseitig zu Toren und freuten sich über tolle Spielzüge.

Kolinda Grabar-Kitarović lebte mit ihrer Herzlichkeit das vor, was Fußball im besten Fall sein sollte: ein Länder und Völker verbindendes Spiel voller Lebensfreude, das vielmehr eint als entzweit.

Grabar-Kitarović tröstet den kroatischen Nationalspiler Luka Modrić. (Bild: Matthias Hangst/Getty Images)

Bei allem Respekt vor dem Weltmeister: Man hätte nicht nur dem kroatischen Team, sondern auch Grabar-Kitarović den Titel gegönnt. Am meisten, als man ihre Reaktion sah, als es für ihr Team dann doch nicht reichte und die Franzosen als strahlende Sieger vom Platz gingen. Denn bei der Siegerehrung zeigte das kroatische Staatsoberhaupt erst, was es heißt, ein guter Verlierer zu sein. Im strömenden Regen – der Regenschirm war Nebensache – herzte sie einfach jeden. Sie nahm ihr Team in die Arme, spendete den Spielern Trost und zeigte ihnen, wie stolz sie trotz der Enttäuschung auf sich sein konnten.

Die kroatische Präsidentin herzt den französischen Stürmer Kylian Mbappé. (Bild: Mikhail Tereshchenko\TASS via Getty Images)

Aber Grabar-Kitarović hatte nicht nur für ihre Landsleute jede Menge Herzlichkeit über. Auch die Spieler des französischen Teams umarmte die Präsidentin, gratulierte ihnen von ganzem Herzen zum Sieg und freute sich mit Stürmer Kylian Mbappé über seine Auszeichnung als bester junger Spieler. Auch wenn der Pokal am Ende an ihr vorbeigereicht und dem französischen Team übergeben wurde, ließ es sich Kroatiens Staatschefin nicht nehmen, dem Pokal im Vorbeiziehen noch schnell einen Kuss aufzudrücken.

Grabar-Kitarović nahm die Niederlage nicht nur mit Gelassenheit und Würde, sondern freute sich auch aufrichtig mit der Gewinnermannschaft. Wenn es etwas wie die oft beschworenen „Sieger der Herzen“ gibt: Aus dieser WM gehen die Kroaten definitiv als solche hevor – ihre Präsidentin trug am Finalabend eindeutig ihren Teil dazu bei.

Im strömenden Regen gratulierten die Staatsoberhäupter den Spielern – Grabar-Kitarović freute sich mit den Gewinnern. (Bild: Mikhail Svetlov/Getty Images)