Die große Recycling-Verwirrung: Was man recyceln kann und was nicht

Warum machen wir beim Recycling so viele Fehler? (Foto: Getty)

Wir wissen, dass wir recyceln sollten – aber obwohl wir unser Bestes versuchen, sind viele von uns unsicher, was nun recycelt werden kann und was nicht.

Eine kürzliche Umfrage ergab, dass viele Briten keine Ahnung haben, welche Artikel für das Recycling von Plastikmüll geeignet sind. Mobiltelefone, Einweg-Kaffeebecher und Plastikverpackungen führen die Liste an, weil sie die größte Unsicherheit verursachen.

Eine weitere Umfrage der Reinigungsmittelmarke Ecover ergab, dass zwar fast zwei Drittel der Menschen (60 Prozent) sagen, dass sie so oft wie möglich recyceln würden, aber über ein Drittel (37 Prozent) wissen nicht immer, ob Produkte recycelt werden können.

Deshalb landet bei uns im Zweifelsfall viel Müll in der Restmülltonne

Kunststoffe scheinen für die meiste Verwirrung zu sorgen: Sieben von zehn Menschen geben zu, dass sie sich nicht sicher sind, welche Kunststoffe recycelt werden können.

Der Telegraph warf auch einen eingehenden Blick auf den Wocheneinkauf von vier Familien bei vier großen Supermärkten, um herauszufinden, wie viel von der Verpackung bei durchschnittlichen Lebensmitteln recycelbar ist.

Es stellte sich heraus, dass 68 % der Verpackungen in den vier Supermärkten nicht recycelt werden konnten oder eine verwirrende Kennzeichnung wie "Fragen Sie bei Ihrem örtlichen Altstoffsammelzentrum nach" hatten.

Das Problem wird noch dadurch verkompliziert, dass die Gemeinden die Altstoffverwertung unterschiedlich handhaben und jede Gemeinde ihre eigenen Recycling-Regeln erstellt.

Aber all diese Verwirrung hat ihren Preis: Kürzlich wurde bekannt, dass die Regierung ihr Ziel, bis zum Jahr 2020 50 % aller Haushaltsabfälle zu recyceln, nicht erreichen wird. Im Gegenteil, die Recyclingrate in den letzten Jahren ist sogar gesunken.

Wir sind weit von einem Wirtschaftskreislauf entfernt

„Viele, wenn nicht die meisten von uns, strengen uns inzwischen bewusst an, um so viel wie möglich von unserem Hausmüll zu recyceln – seien es die Kunststoffverpackungen von unseren Lebensmitteln oder die verschiedenen Glasflaschen und -gläser, die wir im Laufe der Zeit ansammeln. Allerdings kann nicht alles Gekaufte recycelt werden", sagt Nik Williams, Geschäftsführer des Papierrecyclingunternehmens Shredall SDS Group.

„Recycling ist so normal geworden, dass die Leute allzu oft davon ausgehen, alle gängigen Haushaltsprodukte wären für eine spätere Wiederverwendung geeignet“, fährt er fort.

„Die Wahrheit ist, dass wir trotz großer Fortschritte bei den Recyclingkapazitäten unseres Landes noch weit davon entfernt sind, einen wirklichen Wirtschaftskreislauf zu haben.“

Unwissenheit kann weitreichenden Folgen haben

„Fettige Pizzakartons, kunststoffbeschichtetes Geschenkpapier und normale Tiernahrungs-Verpackungen sind derzeit nicht recycelbar, aber die Menschen kontaminieren weiterhin ihre Recyclingbehälter mit diesen Produkten, weil sie fälschlicherweise glauben, dass sie es wären.“

Die Wahrheit ist, dass unsere Unwissenheit betreffend Recycling weitreichende Folgen haben kann.

„Wenn Sie Produkte in Ihre Recycling-Tonne schmeißen, die nicht wiederverwertet werden können, dann führt das zu Folgeproblemen“, erklärt Williams.

„Jedes Entsorgungsunternehmen hat leicht unterschiedliche Regeln, aber die Müllentsorger prüfen in der Regel, ob Ihre Recycling-Tonne falsche Gegenstände enthält. Wenn dies der Fall ist, wird Ihre gesamte Recycling-Tonne im Normalfall abgelehnt und auf die Deponie gebracht.“

Was sich recyceln lässt und was nicht [Foto: Getty].

Wie sollen wir also wissen, was wir in die Recycling-Tonne schmeißen können und was nicht?

Pizzakartons

„Gebrauchte Pizzaschachteln sind nicht recycelbar, weil die Papierfasern während des Aufschlussprozesses nicht von den fettigen Ölen getrennt werden können und somit unbrauchbar sind“, erklärt Williams.

Geschenkpapier

„Genauso ist Geschenkpapier oft zu sehr mit Glitzer und Kunststoffen überzogen, um die notwendigen Papierfasern aufzuschließen“, fügt er hinzu.

Kaffeebecher aus Karton

Außerdem lassen sich die allermeisten Kaffeebecher aus Karton extrem schlecht recyceln, weil der Becher innen mit Plastik ausgekleidet ist. Dieser Plastiküberzug lässt sich nur sehr schwer vom Rest des Bechers trennen, so dass der Karton de facto nicht verwertet werden kann.

Alufolie

Viele glauben, dass Alufolie sich nicht recyceln ließe, weil es kein Plastik ist – aber sie ist wiederverwertbar. Die Folie muss nur sauber sein und zu einem Ball geknüllt werden, bevor sie in die Tonne kommt. Wenn sie sehr mit Essensresten verdreckt ist, sollte sie in den Restmüll.

Shampoo- und Duschgelflaschen

Die meisten von uns haben keine Recycling-Tonne in unserem Badezimmer, weshalb unsere Hygieneartikel oft mit dem Restmüll entsorgt werden. Aber wir sollten sie recyceln. Spülen Sie sie zuerst kurz aus und werfen Sie sie dann in die Plastiktonne. Stellen Sie dabei aber sicher, dass Sie zuerst alle Pumpen entfernt haben, da diese in den Restmüll gehören.

Matratzen

"Wussten Sie, dass Matratzen zu 100 % recycelbar sind? Wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann sind Sie nicht allein – laut Reduce Reuse Recycle werden in Großbritannien nur 16 % aller Matratzen recycelt“, sagt ein Sprecher von Room to Grow.

Spraydosen

Wenn Sie sich davor scheuen, Aerosoldosen ins Recycling zu geben, weil sie eine Explosion fürchten, dann liegen Sie falsch. Spraydosen sind tatsächlich recycelbar. Sie bestehen aus Aluminium und Stahl, was beides wiederverwertbar ist. „Sofern die Dose ganz leer ist, werden Dose und Deckel weitgehend recycelt. Aber bitte fragen Sie bei Ihrem regionalen Altstoffsammelzentrum nach, um sicherzustellen, dass Ihre Gemeinde das erlaubt.“

Die Leute sind verwirrt darüber, was sich recyceln lässt und was nicht [Foto: Getty].

Glühbirnen

Obwohl die neueren, energieeffizienten Glühbirnen recycelt werden können, sollten ältere Glühbirnen mit dem Restmüll entsorgt werden. Sie wissen ja, dass Sie soundso auf die neueren Glühbirnen umsteigen sollten, oder? Besser für die Umwelt und so.

Babynahrungs- und Tierfuttersäckchen

Generell sollten Beutel von Baby- und Heimtiernahrung in den normalen Müll kommen. „Tiernahrungssäckchen haben meistens eine nicht wiederverwertbare Aluminiumauskleidung, um die Lebensmittel frisch zu halten“, erklärt Williams.

TerraCycle und Ella's Kitchen haben sich zusammengeschlossen, um EllaCycle zu entwickeln, ein kostenloses Recyclingprogramm für jede Marke von Babynahrungssäckchen.

Weinkorken

Wer genießt nicht gern ein Glas Wein an einem heißen Sommertag? “Leider zersetzen sich Korken aber in einer Mülldeponie nicht”, warnt Rachel McClelland, Gründerin von The Planet Shine – eine Plattform, die Menschen dabei helfen will, ethischer zu handeln.

“Es gibt aber einen Weg, um (fast) ohne Schuldgefühle zu genießen, weil man sie bei Recorked UK recyceln kann”, fährt sie fort.

Batterien

Eine kürzlich durchgeführte Studie von VARTA Batterien fand heraus, dass 39 % von uns alte Batterien direkt im Restmüll entsorgen. Aber das kann potenziell zu Problemen führen, weil die Chemikalien dann in den Boden einsickern. Es gibt landesweite Recyclingstellen für Batterien – zum Beispiel in Altstoffsammelzentren oder in diversen Supermärkten.

Brillen

Laut McClelland kann man alte oder überzählige Brillen an Vision Aid Overseas schicken, die gespendete Brillen recyceln und leistbare Augenbehandlungen für abgelegene Gemeinden anbieten. “Das bedeutet, dass einige der Ärmsten, die eine Augenbehandlung benötigen, eine Art neues Leben bekommen”, fügt sie hinzu.

Marie Claire Dorking