Eine Sache, die Eltern während der Coronavirus-Pandemie nicht vergessen sollten: Auf sich selbst achtzugeben

Indem wir vor unseren Kindern authentisch mit unseren Emotionen umgehen, können wir ihnen viel beibringen. (Foto: Getty Images)

Während aufgrund der Coronavirus-Pandemie Büros, Restaurants und Schulen bis auf Weiteres schließen, sind viele Eltern damit beschäftigt Unterrichtsstunden vorzubereiten. Wir haben Unterrichts-Apps heruntergeladen und mit unseren Kleinen besprochen, wie wichtig es ist, dass sie sich die Hände waschen. Unsere Vorratskammern sind mit Lebensmitteln für zwei Wochen und bei manchen mit Toilettenpapier für zwei Monate oder mehr gefüllt.

Aber dabei haben wir anscheinend eine wichtige Sache vergessen: Auf uns selbst achtzugeben.

Es ist nicht egoistisch, sich überfordert zu fühlen und einen Moment für sich selbst zu brauchen. Wir werden unsere Kinder sicher nicht schädigen, wenn wir in Tränen ausbrechen oder wenn wir ihnen sagen, dass wir momentan auch nicht alle Antworten kennen. Es gibt keine perfekten Eltern und wir müssen auch nicht so tun als wären wir es.

Tatsächlich können sie viel von uns lernen, wenn wir authentisch bleiben.

“Wenn Kinder ihre Eltern als verletzlich sehen, lernen die Kinder, dass es sicher ist, Emotionen zu haben und Trauer oder Angst zu zeigen”, sagt Therapeutin Sadie Miller, die im Staat New York eine private Praxis führt, und demnächst eine „Therapiescheune“ eröffnen wird. „Zu oft sehen Kinder, wie Menschen ‚versuchen, stark zu sein‘ und obwohl ich glaube, dass es gewisse Dinge gibt, die ein Kind möglichst nicht mitbekommen sollte“ – ein Elternteil, das mehrmals täglich einen hysterischen Anfall hat, vs. ein paar Tränen vor dem Kind vergießen. – „ist die Botschaft, die wir alle an unser Kind senden, dass man ich  versteckst‘, wenn man traurig ist und dass wir die ganze Zeit nur fröhlich sind. Sie verinnerlichen das also und haben das Gefühl, dass es nicht in Ordnung ist, in der Öffentlichkeit zu weinen, oder sie haben Angst davor.“

Wenn wir Eltern außerdem unsere Emotionen verstecken, können wir unseren Kindern doch nichts vormachen.

“So zu tun, als ob alles in Ordnung ware, wenn das nicht der Fall ist, selbst wenn sie nicht wissen was, und Dinge vor Kindern zu verbergen, verwirrt sie”, sagt Miller. „Sie haben eine sehr gute Intuition und spüren, wenn was nicht in Ordnung ist. Eltern sollten mit ihren Gefühlen ehrlich umgehen. Das gibt Kindern die Erlaubnis, ebenfalls ehrlich mit ihren Emotionen umzugehen.“

Azeptiere, dass du dich nicht um andere kümmern kannst, wenn du dich nicht um dich selbst kümmerst

“Für Eltern ist es immer wichtig, auf die eigene mentale Gesundheit und auf die Selbstpflege zu achten, um einflussreiche, gesunde Eltern sein zu können“, sagt Miller. „Das ist besonders zu Zeiten wie dieser sehr realen Gesundheitskrise wichtig. Die Maslowsche Bedürfnishierarchie erinnert uns gerade jetzt daran, dass unsere ganz physiologischen Grundbedürfnisse (Essen, Wasser, Schlaf) und unser Sicherheitsbedürfnis (sich sicher fühlen) mit dieser Gesundheitskrise gefährdet sind. Wenn unsere Grundbedürfnisse nicht mehr erfüllt werden oder aufgrund von Problemen mit Angebot/Nachfrage gefährdet sind, ist es normal, dass Menschen sich ängstlicher fühlen.

“Es ist für Eltern wichtig, sich selbst die Erlaubnis dazu zu geben, in Zeiten wie diesen nicht perfekt zu sein und auf sich selbst achten”, fügt Miller hinzu. „Kinder formen ihr Verhalten und nehmen von uns emotionale Hinweise auf, wie sie sich in ungewissen Zeiten wie diesen fühlen sollten. Das macht es wichtig für uns als Eltern, nicht zu streng mit uns selbst zu sein, da wir alle eine schwere Zeit durchmachen.“

Miller schlägt vor, dass Eltern eine “dem Alter angemessene” Unterhaltung mit ihren Kindern darüber führen, was gerade vor sich geht, und dass es ein bisschen unheimlich ist, die Eltern aber alles, was sie können dafür tun, die Familie sicher zu halten.”

Nutze Technologie als Werkzeug. Zeige Kindern mit dem Pfeffertrick von YouTube, wie sich Viren und Bakterien verbreiten (und wie wichtig es ist, sich die Hände zu waschen). Und hab keine Angst davor, Netflix anzuschalten, wenn du selbst eine Pause brauchst.

Aber habe gleichzeitig keine Angst davor, technische Geräte abzustellen oder eine Pause von ihnen einzulegen, besonders wenn dir das endlose Scrollen und die permanenten Nachrichten über die Krise dir noch mehr Angst machen.

Probiere eine dieser Ideen aus, um deine Angst zu lindern

Denke über ein Tagebuch nach. „Es steckt sehr viel Kraft darin, Dinge aus dem Kopf aufs Papier zu bringen. Selbst wenn es keine richtige Struktur hat, kann es sehr helfen“, sagt Miller. Vielleicht willst du auch ein Tagebuch für die ganze Familie anlegen, wo sich mit dem Schreiben (oder Zeichnen) alle abwechseln und die Erfahrungen damit festhalten, was gerade in der Welt vor sich geht. Es kann später sehr interessant sein, zurück auf diese unwirkliche Zeit zu blicken, die die ganze Welt gerade durchmacht.

Und um die nicht enden wollenden angstvollen Gedanken, die dir durch den Kopf gehen, zu unterbrechen, versuche den Trick mit dem Countdown: Zähle rückwärts von 5 bis 1 und liste Dinge auf, die dich interessieren, wie in diesem Beispiel bei Instagram:

Ihr Lieben: Eine lieber Mensch namens @tallienatt hat dieses wunderschöne Bild zum 5-4-3-2-1-Trick gemacht, das ich neulich geteilt habe. Es geht darum, wie man inmitten von ängstlichen Gedanken eine Pause einlegen kann, um selbst wieder das Gefühl zu haben, mit beiden Beinen am Boden zu stehen. Wenn du das Video verpasst hast, das ich neulich zu diesem einfachen Trick geteilt habe, ist es immer noch auf Instagram, wenn ihr es sehen wollt. Ansonsten ist es ganz einfach: Unterbreche, was du gerade tust, egal wo du es tust, und sie dich in deiner Umgebung um. Suche nach fünf Dingen, die du sehen kannst, vier Dinge, die du hören kannst, drei Dinge, die du fühlen kannst, zwei Dinge, die du riechen kannst und eine Sache, die du schmecken kannst. Nimmer dir am Tag ein paar Minuten zeit dafür, so dass du wieder zur Besinnung kommst. Ich war mein Leben lang Experte für düstere Zukunfsversionen und dafür, das Schlimmste zu befürchten, aber dieser Trick hilft (zumindest bei mir), die Nerven zu beruhigen und mich wieder in eine Realität zurückzubringen, die ich bestätigen kann: Nämlich die, in der ich mich jetzt gerade befinde. Und dieser Moment jetzt gerade ist in Ordnung. Oder dieser Moment ist meisten sehr viel weniger traumatisierend als der Horrorfilm in der Zukunft, der in meiner Fantasie abläuft. Danke, dass du dieses Bild erstellt hast @tallienatt! Liebe Grüße an euch alle...

Ziehe auch eine Therapie in Betracht, wenn du die finanziellen Mittel dazu hast. Apps wie BetterHelp und TalkSpace haben unterschiedliche Gebühren und Sitzungen werden per Video, Telefon oder E-Mail angeboten.

Aber du musst nicht das Gefühl habe, dass du viel Geld ausgeben musst, um für dich selbst zu sorgen.

„Selbst Dinge wie ein Bad, eine Serie zu gucken, die du magst... all das kann in stressigen Zeiten wie diesen eine Form von Selbstplege sein“, sagt Miller.

Achte nicht auf das Urteil anderer

Für manche Eltern sind diese ganzen Stundenpläne für den Heimunterricht, die man im Internet findet, gerade sehr hilfreich. Anderen können sie aber Angst einjagen. Und das ist absolut in Ordnung.

Es gibt verschiedene Bewältigungsmechanismen für verschiedene Familien und du solltest dich nicht unter Druck gesetzt fühlen, die Routine anderer Leute zu befolgen – egal um es darum geht, Matheaufgaben zu erstellen, vorm Fernseher zu sitzen oder eine Mischung aus beidem.

Und wir sollten uns auch unsere Privilegien vor Augen halten: Zum Beispiel, wenn unser größter Stressfaktor ist „Ich will nicht, dass mein Kind zu lange vor dem Fernseher sitzt“. Es gibt Eltern, die nicht von zu Hause arbeiten können, Eltern die in Betrieben arbeiten, die vollständig geschlossen wurden, so dass sie kein Einkommen mehr haben. Es gibt Eltern, die es sich nicht leisten können, sich für zwei Wochen mit Lebensmitteln und Toilettenpapier einzudecken.

Sei dir darüber im Klaren, dass es zwar nicht einfach ist, es aber sehr viel schlimmer sein könnte.

Gehe einen Tag nach dem anderen an

Eltern stehen schon zu normalen Zeiten unter enormen Druck – von astronomischen Kosten für die Kinderbetreuung bis dahin, alle Dinge in einer Kultur unter einen Hut zu bringen, für die die Kinderbetreuung nicht unbedingt eine Priorität ist.

Es sind keine normalen Zeiten.

Die Dinge werden sich irgendwann normalisieren. Das wird nicht heute passieren und wahrscheinlich auch nicht morgen. Tu also was du kannst, um dich täglich selbst zu schützen – und sei dabei nett zu dir selbst.

Lindsay Powers