"Er guckt uns von unten zu": Trump beleidigt verstorbenen Politiker

Moritz Piehler
Freier Autor
Donald Trump am Mittwoch bei der Wahlkampfveranstaltung in Battle Creek, Michigan, (Bild: Reuters/Leah Millis)

Noch Anfang des Jahres hatte Donald Trump den verstorbenen Kongressabgeordneten John Dingell geehrt, jetzt machte er sich ausgerechnet in seinem Heimatstaat über ihn lustig und attackierte dazu auch noch seine Witwe.

Um gegen den Frust des über ihm schwebenden Amtenthebungsverfahrens anzukämpfen, geht US-Präsident Donald Trump am liebsten auf Wahlkampfreise. Dort wird ihm zugejubelt, dort kann er auf die Unterstützung seiner Anhänger nach wie vor zählen. Auf einer Veranstaltung in Battle Creek im US- Bundesstaat Michigan ließ Trump seine Anhänger wissen, der verdiente Kongressabgeordnete John Dingell sei womöglich in der Hölle. Und beschwerte sich über mangelnde Dankbarkeit bei seiner Witwe, die ebenfalls Mitglied des US-Kongresses ist. Dingell war im Februar im Alter von 92 Jahren nach einem Herzinfarkt gestorben. Der Demokrat war das langjährigste Mitglied des US-amerikanischen Kongresses, in dem er fast 60 Jahre für seinen Heimatstaat Michigan saß. Dass der Präsident für einen derart verdienten Politiker eine offizielle Trauerfeier bewilligt, ist im Grunde reine Formsache. Doch Donald Trump nutzte diesen Umstand, um bei einer Wahlkampfveranstaltung in Michigan Dingels Witwe als undankbar anzugreifen und sich über den Verstorbenen zu mokieren.

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“Sie rief mich an”, sagte Trump über Debbie Dingell. “‘Das ist das netteste, was mir je passiert ist. Vielen vielen Dank. John wäre so begeistert, er schaut jetzt von oben auf uns herunter und wäre so begeistert,” beschrieb Trump sein Telefonat mit der Witwe. Doch dann fuhr er fort: “Vielleicht guckt er auch von unten zu uns herauf, Ich weiß nicht, ich weiß nicht, vielleicht. Aber nehmen wir mal an, dass er herunter schaut.” Danach wurde auch klar, warum der US-Präsident gegen die Demokratin austeilte. Er beschwerte sich, dass Dingell zu denjenigen gehört habe, die für eine Amtsenthebung gestimmt hätten. Und das so kurz nachdem sie ihm so ausführlich für die Würdigung ihres Ehemanns gedankt habe.

Die Witwe reagierte auf Twitter auf die öffentliche Gemeinheit des US-Präsidenten. Ihr Heilungsprozess sei durch Trumps Witz über ihren verstorbenen Ehemann gestört worden. “Mister President”, schrieb sie auf ihrem Twitter-Account, ”lassen wir die Politik Beiseite. Mein Mann hat all diese Ehrungen durch seinen lebenslangen Dienst verdient.” Jetzt bereite sie sich auf das erste Weihnachtsfest “ohne den Mann, den ich liebe” vor. “Sie haben mich in einer Art und Weise nach unten gezogen, die Sie sich niemals vorstellen können und ihre verletzenden Worte haben den Heilungsprozess sehr viel schwerer gemacht”, schrieb sie an Donald Trump gerichtet.

Auch der Wahlkampfveranstaltung betonte Trump, er habe dem Kongressabgeordneten eine “Eins Plus”-Gedenkfeier gegeben, sogar die Flaggen seien auf seine Anordnung hin auf Halbmast gesenkt worden.

An der beleidigten Attacke gegen Debbie Dingell merkt man, wie dünnhäutig das Nervenkostüm Trumps mitten im “Impeachment”-Prozess ist. Gerade haben die Demokraten im Repräsentantenhaus endgültig für eine Amtsenthebung gestimmt. Es ist erst das dritte Mal in der Geschichte der USA, dass ein derartiges Verfahren wirklich eingeleitet wird. Trump gibt sich gelassen, er ließ seine Wähler wissen: “Ich habe eine gute Zeit.”

Gleichzeitig aber postete er auf Twitter ein Foto von sich, dass weiteren Verschwörungstheorien und der Spaltung des Landes zuträglich sein wird. “In Wahrheit sind sie nicht hinter mir her, sondern hinter Euch”, steht da im Stile der berühmten Mobilisierungskampagne der US-Army für den Zweiten Weltkrieg.

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