Fünf Themen des Tages: Ukraine-Sorgen, EZB-Kritik, Fahrradlust

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(Bloomberg) -- Botschaftsangehörige verlassen Kiew, deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs, europäische Aktien fallen, Villeroy will gemächliche EZB-Gangart, und Fahrradbauer locken Finanzinvestoren. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Botschaftsangehörige verlassen Kiew

Die USA haben Familienangehörige ihres Botschaftspersonals in Kiew aufgefordert, “aufgrund der anhaltenden Bedrohung durch russische Militäraktionen” das Land zu verlassen. “Es gibt Berichte, dass Russland erhebliche militärische Maßnahmen gegen die Ukraine plant”, so das Außenministerium in einer Mitteilung vom Sonntag. Auch Großbritannien reduziert die diplomatische Präsenz in Kiew. Die Ukrainer selbst halten das für verfrüht. Unterdessen berichtet die New York Times, dass Präsident Joe Biden die Entsendung von bis zu 5.000 Truppen nach Osteuropa und ins Baltikum erwägt. Aktien von Unternehmen, die in Russland und der Ukraine engagiert sind, geben zu Wochenbeginn nach. Bei einer Eskalation dürften insbesondere Rohstoffe emporschnellen, heißt es im Markets Live Blog.

Deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs

Eine sich abzeichnende Entspannung bei Lieferengpässen hat dazu beigetragen, das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland im Januar anzukurbeln. Die Produktion des privaten Sektors stieg unerwartet auf ein Viermonatshoch, wobei neben dem Verarbeitenden Gewerbe auch der Dienstleistungssektor stärker expandierte als erwartet. “Die Belastung der Produktion durch Probleme in den Versorgungsketten scheint sich weiter verringert zu haben”, sagte Phil Smith von IHS Markit. Um sich über die Flaschenhälse mehr Klarheit zu verschaffen, haben Ökonomen von der Wall Street bis zur US-Zentralbank eine Reihe von Modellen vorgestellt. Der jüngste Bloomberg Economics Versorgungsengpass-Index für die USA etwa zeigt seit sechs Monaten tendenziell leicht rückläufige, aber weiterhin hohe Engpässe.

Europäische Aktien fallen

Die europäischen Aktien starteten mit Verlusten in die Woche, belastet durch die geopolitischen Spannungen um die Ukraine und die bevorstehende Sitzung der Fed, bei der die Geldpolitiker voraussichtlich ihre erste Zinserhöhung seit 2018 signalisieren werden. Der Stoxx Europe 600 lag gegen Mittag um rund 2% im Minus auf dem niedrigsten Stand seit einem Monat. “Die europäischen und britischen Märkte werden immer noch von der Angst vor Zinserhöhungen beherrscht”, sagte Joachim Klement von Liberum Capital. “Es ist vielleicht noch zu früh, um jetzt zu kaufen. Wir gehen davon aus, dass sich die Märkte nach der Fed-Sitzung in dieser Woche und der nächsten Sitzung der Bank of England im Februar erholen werden.” In Deutschland führten die Lockdown-Gewinner Delivery Hero und HelloFresh die Liste der Verlierer im Dax an.

Villeroy will gemächliche EZB-Gangart

Die EZB muss nach dem Willen von François Villeroy de Galhau ihre Geldpolitik allmählich normalisieren, um das Wachstum nicht zu beeinträchtigen. Zu spät dürfe sie aber auch nicht handeln, sagte der Gouverneur der Banque de France in einem Radiointerview. Für die EZB bestehe weniger Handlungsbedarf als für die Fed, so der Franzose, der damit seiner Landsfrau Christine Lagarde beipflichtet. Fundamentalkritik kommt indessen von einem Ex-Chefvolkswirt der Institution aus Deutschland. Die EZB habe Anzeichen einer längeren Phase zu hoher Inflation “sträflich vernachlässigt”, so Jürgen Stark in einem Beitrag in der Welt. Das “risikolose, aber populäre Treiben” in Politikbereichen jenseits ihrer Kernzuständigkeit sei verlockend gewesen für die Bank, der es “auf der Entscheidungsebene eines umfassenden volkswirtschaftlichen Verständnisses und besonderer langjähriger geldpolitischer Erfahrung” ermangele.

Fahrradbauer locken Finanzinvestoren

Der größte börsennotierte Fahrradbauer Europas, die niederländische Accell Group, ist womöglich bald in der Hand von Finanzinvestoren. Knapp 1,6 Milliarden Euro bietet ein Konsortium um KKR für den Hersteller von Marken wie Ghost, Batavus und Babboe. Ein steigendes Bewusstsein für Gesundheit und Umweltschutz, der Rückenwind der Lockdowns und der Elektrofahrrad-Boom beflügeln den Markt. Für Anleger gibt es in Europa wenig Möglichkeiten, in Fahrräder zu investieren. Eine ist die Pierer Mobility AG, Mutter des Motorradherstellers KTM. Bar der Markenrechte für KTM-Fahrräder vertreibt Pierer mittlerweile mehr als 100,000 Räder pro Jahr - mit Ambitionen auf mehr. Mit an Bord: Susanne und Felix Puello, ehemals Winora und Haibike, bevor sie die Marken vor 20 Jahren verkauften – an Accell. Jetzt toben sie sich mit Husqvarna, R Raymon und Gasgas unter dem Dach von Pierer aus.

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