Werbung

Forscher in der Antarktis entwickelten einen seltsamen Akzent, nachdem sie sechs Monate lang isoliert waren

Eine Basis für Wissenschaftler in der argentinischen Arktis. - Copyright: Manuel Romaris/Getty Images
Eine Basis für Wissenschaftler in der argentinischen Arktis. - Copyright: Manuel Romaris/Getty Images

Das Leben am Rande des Planeten bringt einen unerwarteten Vorteil mit sich: Man kann einen exotischen Akzent lernen, der nur in der Antarktis gesprochen wird.

Eine Studie, über die Richard Gray von der "BBC" zuerst berichtete, hat ergeben, dass sich die Akzente der antarktischen "Überwinterer" im Laufe der Zeit immer mehr verändert haben. Es entstand ein Mischmasch aus amerikanischen, deutschen, isländischen, schottischen und walisischen Akzenten, die die Forscher zu dieser Zeit auf der Station sprachen.

Die Forschungsergebnisse geben einen Einblick in die Entwicklung neuer Akzente, wenn Gemeinschaften in der Isolation wachsen. So ereignete es sich zum Beispiel auch bei der Kolonisierung neuer Länder durch die Engländer.

Forscher entwickelten einen Antarktis-Akzent

Die Forscher verfolgten den Akzent von 26 internationalen Forschern und Hilfskräften. Diese verbrachten ab Mai 2018 sechs Monate in der Forschungsstation Rothera des British Antarctic Survey. Sie hatten nur wenig Zugang zur Außenwelt, da Satellitenanrufe teuer sind, was ein perfektes Testlabor für linguistische Forschung darstellt.

Alle paar Wochen zeichneten elf Überwinterer laut "BBC" eine Reihe von 29 gebräuchlichen Wörtern wie "Essen", "Kaffee" oder "Luftstrom" auf. Die Aufnahmen wurden von Forschern des Instituts für Phonetik und Sprachverarbeitung der Ludwig-Maximilians-Universität München ausgewertet.

Die Sprachwissenschaftler fanden sanfte Veränderungen in den Akzenten, darunter eine leicht veränderte Aussprache des Lautes "ou" in den Wörtern "flow" und "sew". Auch einige Konsonanten hätten sich verändert.

"Es war sehr subtil - man kann die Veränderungen nicht hören", sagte Jonathan Harrington zur "BBC". Er ist Professor für Phonetik und Sprache und einer der Autoren der Studie. Die Antarktisbewohner übernahmen auch einen sehr eigenartigen Slang wie "fod plod" für Müllsammeln. Das sei eine Anspielung auf den Fachbegriff "foreign object debris", so die "BBC".

Dieser antarktische Akzent wird jedoch wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein. "Damit sich Akzente so weit entwickeln, dass sie spürbar sind, ist ein Generationswechsel erforderlich", so Harrington.

Die Forschungsergebnisse wurden 2019 in der Fachzeitschrift Journal of the Acoustical Society of America veröffentlicht.

Lest den Originalartikel auf Business Insider