Gefährliche Sex-Mythen verbreiten sich auf Social Media

·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Social Media und insbesondere TikTok entwickelt sich für junge Menschen zu einer Quelle an Tipps, Ratschlägen und Informationen. Dies ist weitestgehend harmlos, wenn es sich um Lifehacks über Fleckentfernung oder Kochtipps handelt - weitaus gefährlicher wird dies, wenn es um das Thema Gesundheit geht.

TikTok wird vor allem von jungen Menschen genutzt, die sich dort zu vielen Themen Rat und Information suchen (Symbolbild: Getty Images)
TikTok wird vor allem von jungen Menschen genutzt, die sich dort zu vielen Themen Rat und Information suchen (Symbolbild: Getty Images)

Vor allem bei Themen, die mit Scham behaftet sind, wie sexuelle Gesundheit, fällt es vielen jungen Menschen leichter, sich im Internet umzuschauen, als mit Eltern oder Experten darüber zu sprechen. Dementsprechend viele Videos finden sich unter dem Hashtag #sexualhealth auf TikTok. 

Wer sich ein wenig durch diesen Hashtag scrollt, erkennt schnell das Problem. Dort findet sich ein Sammelsurium an Infos und Fakten, von Tipps zur Intimrasur über Gemüse-Demonstrationen der korrekten Anwendung eines Kondoms bis hin zu Erklärvideos zu Geschlechtskrankheiten. 

Neben Videos von praktizierenden Ärzten, die medizinisch fundierte Gesundheitstipps teilen oder mit Mythen rund um das Thema Sex und sexuelle Gesundheit aufräumen, gibt es auch TikToker, die sich selbst "Frauengesundheits-Enthusiast" nennen und falsche oder sogar potentiell gefährliche Informationen verbreiten. 

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So räumt der britische Chirurg Dr. Karan Raj regelmäßig mit Mythen auf und beantwortet medizinische Fragen auf der Plattform, während der selbsternannte "Media Influence Coach" Beau Pinto das Misstrauen in Ärzten schürt und unerwiesene bis explizit falsche Fakten zum Thema Gesundheit und Psychologie von sich gibt. 

Welche Fakten sind echt, welche nicht? Die Unterscheidung fällt nicht immer leicht

Die seriösen Experten von den selbsternannten zu unterscheiden ist keine leichte Angelegenheit, zumal die wenigsten in ihrer Bio angeben, welche Qualifikationen sie haben und sich dies nicht immer schnell verifizieren lässt. Viel Raum für Kontext und Quellen lässt die App TikTok, die 150 Zeichen in der Beschreibung und Videos von maximal drei Minuten Länge erlaubt, ebenfalls nicht. 

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Von den Fehlinformationen, die auf TikTok zum Thema Sex und Sexualität zu finden sind, sind viele harmlos. Dass Kaffee die Orgasmusfähigkeit erhöhen soll, ist zwar wissenschaftlich nicht nachweisbar, richtet aber auch keinen Schaden an. Gefährlicher wird es bei "Lifehacks", die dazu auffordern, bestimmte Gegenstände, Gewürze oder Salze in die Vagina einzuführen, weil es sie straffer machen würde. Sogar "Cocktails", die zur DIY-Abtreibung dienen sollen, werden verbreitet. Häufig bestehen diese aus diversen Fruchtsäften, die keinerlei Effekt haben, junge Frauen aber davon abhalten, sich professionelle Hilfe zu suchen. 

TikTok-Influencer statt Dr. Sommer

Ein Problem wird dies vor allem dann, wenn junge Menschen Plattformen wie TikTok verstärkt als Hauptquelle für sexuelle Aufklärung verwenden. Eine US-Studie der University of New Hampshire fand heraus, dass bis zu 81 Prozent der Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren in den USA das Internet bereits als Quelle hierfür verwendet haben. 

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Wie "Allure" berichtet, deuten Studien an, dass vor allem Jugendliche ohne Zugang zu seriösen Informationen gefährdet sind, Fehlinformationen auf Social Media aufzuliegen. Dort, wo echte Aufklärung im Schulunterricht fehlt, sind vor allem die Eltern gefragt, ihre Kinder ausreichend und rechtzeitig aufzuklären und für Fragen offen zu sein. Auch sollten sie ein Auge darauf haben, was ihr Kind auf Social Media konsumiert. 

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