Wenn ihr gesetzlich krankenversichert seid, wird es für euch im kommenden Jahr teurer

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verteidigt die Beitragserhöhung - Copyright: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verteidigt die Beitragserhöhung - Copyright: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen müssen im kommenden Jahr höhere Beiträge zahlen. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag solle um 0,3 Prozentpunkte steigen, kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag in Berlin an. Dies bringe voraussichtlich zwischen 4,8 und fünf Milliarden Euro ein. Die Beitragserhöhung solle Teil eines Maßnahmenpakets zur Deckung eines Defizits von 17 Milliarden Euro sein. Leistungskürzungen werde es nicht geben.

Von den 83 Millionen Deutschen sind etwa 73 Millionen Menschen Mitglied in etwas über 100 gesetzlichen Krankenversicherungen. Sie zahlen neben dem gesetzlich festgelegten einheitlichen Beitrag von 14,6 Prozent der monatlichen Einnahmen auch einen Zusatzbeitrag. Der variiert je nach Kasse, liegt im Schnitt aktuell bei 1,3 Prozent. Die Erhöhung um weitere 0,3 Prozent dürften ebenfalls nicht alle Kassen mitmachen, einige könnten weniger nehmen.

Vergleich der Kassen lohnt sich

Der Grund für die Unterschiede: Da die Leistungen der Kassen weitgehend gleich sind, konkurrieren die Kassen meist über den Beitrag. Ein Prozent mehr oder weniger ist für viele ein Grund, das Unternehmen zu wechseln. Das wiederum kann viele Versicherungen in weitere finanzielle Probleme stürzen, sodass unter dem Strich eine Erhöhung des Zusatzbeitrags eine Pleitewelle bei Krankenkassen zur Folge haben kann. Ein Vergleich der Kassen untereinander lohnt sich daher.

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag wird durch einen offiziellen Schätzerkreis im Herbst endgültig festgelegt. Lauterbach teilte mit, über die geplante Finanzierung des Milliardenlochs der Krankenversicherung habe er lange mit Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) verhandelt. Er stehe hinter Lindners Zielen, dass die Schuldenbremse nicht verletzt werden solle und die Steuern nicht erhöht werden sollten.

Zur Deckung des Defizits solle zudem ein erhöhter Steuerzuschuss in Höhe von zwei Milliarden Euro und ein Darlehen des Bundes in Höhe von einer Milliarde Euro beitragen. Darüber hinaus müssten andere Reserven angegangen werden – sowohl beim Gesundheitsfonds als auch bei den Einzelkassen seien noch solche Reserven vorhanden.

Lauterbach übte Kritik an seinem Vorgänger Jens Spahn (CDU). "Die Bundesregierung hat die Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen in einem sehr schwierigen Zustand vorgefunden", sagte der SPD-Politiker und sprach von einem historischen Defizit. "Ich habe dieses Defizit im Wesentlichen von meinem Vorgänger geerbt." Lauterbach sagte, dieser habe "teure Leistungsreformen" gemacht und von Strukturreformen Abstand genommen. So sei das Defizit in der Pandemiezeit entstanden.

DPA / lp

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