Filmreife Rettung mit Kugelschreiber? Zweifel an Aussage eines Soldaten

Johannes Giesler
Freier Autor
Der „Iron Soldier“ Trey Troney rettet einem Mann nach einem Autounfall das Leben. Jetzt feiert das Land seinen Helden. Foto: army.mil / Staff Sgt. Killo Gibson

Update: Nachdem die Geschichte von Trey Troney in den vergangenen Tagen von zahlreichen Medien aufgegriffen wurde, haben Aussagen von Rettungskräften Zweifel am Bericht des Soldaten geweckt. Zwar soll er am Unfallort gewesen sein, aber nicht im geschilderten Ausmaß Hilfe geleistet und keinen Eingriff mit einer Dekompressionsnadel vorgenommen haben. Die U.S. Army hat ihre Berichte zu dem Vorfall zurückgezogen und eine Untersuchung angekündigt.

Ein Soldat kommt zu einem Autounfall dazu und leistet Erste Hilfe. Dem Unfallopfer scheint es gut zu gehen, doch schnell bemerkt Trey Troney, dass etwas nicht stimmt und jede Sekunde zählt.  

Es sind noch zwei Tage bis Weihnachten, Trey Troney fährt auf der Interstate 20 durch Texas. Er ist auf dem Weg nach Hause, um die Feiertage bei seiner Familie zu verbringen. Es ist ungefähr 14 Uhr, als vor ihm am Straßenrand ein Autowrack auftaucht. Sofort hält er an und springt aus seinem Wagen. Zwei Männer stehen daneben, wissen aber nicht, wie sie helfen können. Also weist Troney sie an, gemeinsam stemmen sie die Autotür auf. Über das Lenkrad gebeugt sitzt Jeff Udger auf dem Fahrersitz. Er hat eine tiefe Schnittwunde am Kopf. Troney will die Blutung stoppen, also presst und wickelt er seinen Pulli um Udgers Kopf. Doch die Gefahr ist nicht gebannt. Ihm fällt auf, dass sich Udgers Brustkorb nur einseitig hebt.


Trey Troney trat vor drei Jahren der Armee bei und dient in einem Artillerieregiment. Während seiner Ausbildung absolvierte er einen Erste-Hilfe-Kurs. Der kommt ihm in diesem Moment zugute, er realisiert, dass ein Lungenflügel kollabiert ist und er so schnell wie möglich die eingedrungene Luft zwischen Lunge und Brustkorb ablassen muss. Sonst könnte Udger in kurzer Zeit ersticken.

„Du wirst immer mein Held sein“

Er rennt sofort zurück zu seinem Jeep, um sein Notfallset zu holen. Doch die Nadel darin ist zu kurz, um bis in den Lungenraum zu reichen. Er muss improvisieren. Filmreif: mit einem Kugelschreiber. Er schraubt das Ende ab, nimmt die Tinte heraus, damit nur noch eine Röhre bleibt, die lang genug ist. Daran befestigt er die Nadel und stößt sie in den Brustkorb. Sofort kommen Luftblasen heraus. Zehn Minuten später trifft der Krankenwagen ein und die Mediziner sind sich einig: Troney hat mit seinem Eingreifen Udgers Leben gerettet.

Die Heldentat veröffentlichte das amerikanische Militär vergangene Woche auf seiner Homepage. Den Weg dahin fand sie aber nur, weil sich Jeff Udger, sobald es ihm besser ging, mit Regierungsvertretern, den Medien und Troneys Vorgesetzten in Verbindung setzte, um seinem Lebensretter die verdiente Anerkennung auszusprechen. „Er war unglaublich konzentriert in dieser Stresssituation. Er hat die ganze Zeit mit mir gesprochen und mich beruhigt“, schreibt Udger in einer Mail an das Militär. Und weiter, direkt an seinen Lebensretter gerichtet: „Du wirst immer mein Held sein. Bleib wie du bist und diene dieser Welt und den Menschen darin. Du kannst jederzeit einen entscheidenden Beitrag leisten.“

Die Grundausbildung macht sich bezahlt

Troneys Vorgesetzter Angel Alegre ist nicht überrascht über dessen Hilfsbereitschaft: „Er ist ein Mann der Tat, der sich in Notsituationen auszeichnet. Zudem legt er großen Wert auf die Ausbildung und ist immer aufmerksam. Wir sind sehr stolz auf ihn, er ist einer unserer Besten. Es spricht für ihn, bereit zu sein, wenn jemand seine Hilfe braucht.“

Auch Troney selbst wird zitiert: „Wir trainieren solche Situationen immer wieder, bis die richtige Reaktion ins Muskelgedächtnis übergeht.“ Der Unfall habe ihn zudem in seiner Ausbildungswahl bestärkt, denn sie hat es ihm erst möglich gemacht, in „Jogginghose und Shirt, am Rand einer Autobahn, ein Leben zu retten“. Manchmal ist es aber auch einfach Glück. „In dem Moment habe ich einen Kugelschreiber gebraucht. Glücklicherweise hatte ich den dabei.“