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Ich habe einen Frauennamen – und werde trotzdem ständig für einen Mann gehalten

 - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider
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Unisex-Namen wie Luca, Noah oder Lou sind in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Spätestens bei ihrem ersten Job könnten viele dieser Kinder vor einem Problem stehen: der Anrede. Auch Renée Matschke wird ständig als "Herr" adressiert - und das, obwohl sie sogar einen ausschließlich weiblichen Vornamen trägt. Denn ihr Name ist – für alle, die es auch nicht wissen – die weibliche Form von René. Ein kleiner, aber sehr entscheidender Unterschied.

Sie heißt Renée – und nicht René

Mindestens einmal in der Woche wird aus Renée Herr Matschke, berichtet sie. Manchmal bei Arztterminen, aber vor allem Arbeits-Mails fangen oft mit "Sehr geehrter Herr" oder "Lieber René" an. Dabei hat sie mittlerweile einige Tricks etabliert, um ihr Geschlecht erkenntlich zu machen: Sie verwendet zum Beispiel die Signatur she/her und bei ihrem Outlook-Konto habe sie extra deshalb ein Bild hinterlegt. Doch das werde meist "einfach gekonnt überlesen".

Es sei "auf Dauer schon ein bisschen anstrengend, dass man sich immer rechtfertigen muss", erklärt Renée. Zu allem Überfluss folgt auf ihre Korrektur dann oft ein "Sorry, aber das ist schon eigentlich ein Männername". Doch hier liegt ein Irrtum vor. Auch wenn die Namen Renée und René exakt gleich ausgesprochen werden – an der Schreibweise unterscheiden sie sich. Bei beiden Formen handelt es sich um französische Namen. Das deutsche Pendant von Renée ist übrigens Renate.

"Kennst du die Schauspielerin Renée Zellweger?"

Dass dieser Unterschied so Wenigen bekannt zu seinen scheint, liegt wahrscheinlich auch daran, dass ihr Name in Deutschland ziemlich selten ist. Sie selbst hat noch nie jemanden mit dem gleichen Vornamen getroffen. Laut einem Ranking des Vornamensexperten Knud Bielefeld, wurde der Mädchenname Renée seit 2010 in Deutschland gerade einmal 80 Mal vergeben. In den USA heißen, wie Renée erzählt, hingegen viel mehr Frauen Renée mit zwei "e" am Ende. "Kennst du die Schauspielerin Renée Zellweger?", fragt sie, wenn Menschen ungläubig auf ihre Namenserklärung reagieren. Zumindest von ihr haben die meisten schon einmal gehört.

In ihrer Kindheit war ihr diese Problematik gar nicht bewusst: "Da hat niemand infrage gestellt, dass es ein Frauenname ist. Je älter ich wurde, desto mehr ist es mir aufgefallen." Damals war es vor allem das Accent aigu, also der Strich über dem zweiten "e", was für Verwirrung sorgte. Auch das sei bis heute so, erklärt Renée. "Ich werde generell immer falsch geschrieben, selbst von Kollegen, mit denen ich jetzt drei Jahre zusammengearbeitet habe."

Selbst in der Geburtsurkunde ist ihr Name falsch geschrieben

Allerdings machten diesen Fehler nicht nur Kollegen oder Lehrer. "Das ist ja der Witz des Jahrtausends: Meine Eltern waren bei meiner Geburt so aufgeregt, dass sie meinen Namen in der Geburtsurkunde einfach falsch geschrieben haben. Das heißt, eigentlich gibt es meinen Namen gar nicht." Das weiß Renée aber erst seit ungefähr drei Jahren. Als sie einen neuen Personalausweis beantragte, war das Accent aigu plötzlich falsch gesetzt. Das dachte sie zumindest, bis man ihr bei einem neuen Termin dann ihre Geburtsurkunde vorlegte.

Doch auch das Renée-René-Dilemma bleibt ihr innerhalb der Familie nicht erspart. "Selbst meine Tante, die mich mein ganzes Leben lang kennt, schreibt mir "Hi René" – mit einem "e"." Von ihrem Onkel habe sie schonmal eine René-Tasse geschenkt bekommen, die habe er selbst anfertigen lassen. Trotzdem ist sie an sich mit ihrem Namen zufrieden. So habe man bei einem Kennenlernen gleich Gesprächsstoff. Apropos Kennenlernen, einen René würde auf einer Datingapp aus Prinzip nicht matchen. Dafür klingen die beiden Namen dann doch zugleich.