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Hidden Headlines: String-Tanga-Protest in Australien

Getty Images – SYDNEY, AUSTRALIEN – 1. JANUAR: Menschen rennen am Bondi Beach ins Wasser (Foto von Jenny Evans/Getty Images)
Getty Images – SYDNEY, AUSTRALIEN – 1. JANUAR: Menschen rennen am Bondi Beach ins Wasser (Foto von Jenny Evans/Getty Images)

In der australischen Stadt Gold Coast haben einige Menschen für ihr Recht demonstriert, am Strand anziehen zu dürfen, was sie wollen. Dabei trugen die meisten: Tangas. Und zeigten dabei: viel Po. Denn genau darum ging es.

Zuvor hatte ein langjähriger Sozialarbeiter einen offenen Brief an den Bürgermeister der Stadt geschrieben. Darin forderte er, knappe Badebekleidung zu verbieten. Der Grund: Er würde sich dadurch unbehaglich fühlen. Er nannte dafür auch ein Beispiel. Kürzlich sei am Strand eine Frau an ihm vorbeigelaufen, die so wenig anhatte, dass sie "so knapp vor nackt war, wie man nur sein könne". Er habe sie daraufhin "unabsichtlich" angesehen, was zwar "ein sehr angenehmer Anblick" gewesen sei, ihre Erscheinung habe ihm aber die "ganze falsche Botschaft vermittelt".

Offener Brief

Anfang des Monats hat der langjährige Sozialarbeiter und Gewinner des Preises Volunteer of the Year – damit werden in Gold Coast jedes Jahr besonders engagierte ehrenamtliche Helfer*innen ausgezeichnet – Ian Grace einen offenen Brief an den Bürgermeister der Stadt geschrieben.

Darin forderte er, knappe Bikinis, die den Po nicht bedecken, an öffentlichen Stränden, Pools und in Wasserparks zu verbieten. Denn: "Während jeder Mann so einen 'Anblick' genießen würde, glaube ich, dass sich Frauen auf diese Weise selbst erniedrigen und herabwürdigen, weil sie sich als Sexobjekte darstellen und dann auch noch beschweren, wenn Männer das auch so aussprechen."

Ähnlich stehe es Grace zufolge um hautenge Sportbekleidung, die jede Bewegung einer Pobacke genau zeige, statt sie zu verhüllen. Er warne deshalb vor einer Sexualisierung von jungen Männern und Kindern durch solche Bekleidung.

Das sind die Positionen

Er stieß damit eine hitzige Debatte an. Viele Menschen verurteilten die Aussagen als sexistisch und rückwärtsgewandt. Um dem Ausdruck zu verleihen, haben sich am vergangenen Freitag einige Australier*innen aus Gold Coast zur #FreeThePeach-Demonstration zusammengefunden – was übersetzt so viel heißt wie "Freiheit für den Po". Sie trugen dabei knappe Bademode und hielten Schilder in die Luft, auf denen Pfirsiche (Peaches) abgebildet waren.

Die australische TV- und Podcast-Moderatorin Abbie Chatfield hat zu der ganzen Debatte ein vielbeachtetes Video online gestellt. Darin nennt sie die Perspektive von Grace "misogyn und extrem konservativ".

Warum, das erklärt sie so: "Er sagt, dass junge Männer durch knappe Frauenbekleidung gegen ihren Willen sexualisiert würden." Was er damit meine: Es liege somit nicht in der Verantwortung der Männer, Frauen in Bikinis nicht zu sexualisieren. Das sei hingegen Aufgabe der Frauen.

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Genauso wie das: "Er [Grace] sagt damit auch, dass nicht Männer für ihre eigenen Gefühle verantwortlich sind – sondern Frauen." Chatfield sagt weiter: "Wir bringen hier jungen Menschen von Beginn an ‚Victim blaming‘ bei." Dabei handelt es sich um ein Phänomen meist digitaler Gewalt, das die "Schuld und damit die Verantwortung für die Tat von den Täter*innen auf Betroffene abgewälzt".

Vielleicht selbst das Problem?

Am Ende fasst Chatfield, sie macht noch einige weitere Punkte in ihrem fünfminütigen Video, es so zusammen: "Wer so auf Hintern und Brüste von Frauen fixiert ist, ist vielleicht selbst das Problem." Und: Wer so viel über Frauen in Tangas und Sportbekleidung spreche, könne ja vielleicht selbst derjenige sein, der Frauen sexualisiere.

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