Johnny Depp hat Ärger mit amerikanischen Ureinwohnern – wegen dieser Werbung

Anna Rinderspacher
Freie Journalistin

Das französische Modehaus Dior steht wegen einer neuen Parfüm- Kampagne in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, mit seinem Werbespot für “Sauvage“ amerikanische Ureinwohner auszubeuten. Hollywood-Star Johnny Depp spielt die Hauptrolle in dem umstrittenen Kurzfilm.

Johnny Depp in "The Lone Ranger" (Bild: ddpimages)

Man sollte meinen, dass Johnny Depp seine Lektion spätestens nach seinem Film “The Lone Ranger“ gelernt hätte. Dass er als weißer Mann in die Rolle eines amerikanischen Ureinwohners schlüpfte, brachte ihm damals viel Kritik ein. Sein Mitwirken in der neuen Dior-Kampagne zeigt jedoch, dass der Hollywood-Star offenbar immer noch nicht begriffen hat, worum es bei der Diskussion um kulturelle Ausbeutung geht.

Ungefähr eine Minute dauert der Werbe-Clip, der Depp als rauen Mann der Wildnis positioniert: Er spaziert durch feuerrote Canyons, stillt seinen Durst in einem Fluss, meditiert am Lagerfeuer und rockt seine Bass-Gitarre auf einem Fels-Plateau.

Johnny Depps Rosenkrieg: Wird James Franco gegen Amber Heard aussagen?

Parallel dazu sieht der Zuschauer immer wieder Bilder eines amerikanischen Ureinwohners, der von Kopf bis Fuß in traditionelle Kleidung gehüllt ist und einen Tanz aufführt. Eine junge Indianerin, die das Fell eines Wolfs als Umhang trägt, beobachtet Depp aus dem Gebüsch heraus. “Wir sind das Land“, erklärt der Hollywood-Star am Ende des Films, ehe der Name des Parfüms, “Sauvage“, eingeblendet wird.

Ist die neue Dior-Werbung rassistisch?

Was diese Werbung aussagen soll, ist natürlich offen für verschiedene Interpretationen. Fest steht jedoch: “sauvage“ ist französisch für wild – und genau diese Assoziation stößt vielen Ureinwohnern übel auf.

Denn dass amerikanische Ureinwohner nichts weiter sind als “Wilde“, ist ein rassistisches Klischee, dass den eingeborenen Völkern Amerikas während der Kolonisierung durch die Europäer entsetzlich viel Kummer bereitet hat. Viele von ihnen wurden ermordet, enteignet und geschändet, als seien ihre Leben weniger wert als die von anderen Menschen.

Zudem steht der Vorwurf der kulturellen Ausbeutung im Raum. Von kultureller Ausbeutung spricht man unter anderem dann, wenn Brauchtum und Symbole von unterdrückten Menschengruppen für rein ästhetische Zwecke genutzt werden. Die Völker selbst profitieren in den seltensten Fällen von der Kommerzialisierung ihrer kulturellen Symbole.

Vanessa Paradis und Lily-Rose Depp: Wie die Mama, so die Tochter

Auch das wird Dior zum Vorwurf gemacht. Denn das Modehaus beteuerte zwar in einem Statement, man habe den Werbefilm bewusst in einem Nationalpark gedreht und dafür Experten aus der Ureinwohner-Gemeinschaft zu Rat gezogen, doch es ist nicht bekannt, ob diese auch wirtschaftlich an der Kampagne beteiligt werden.

Dior zieht neue Parfüm-Kampagne zurück

Tanaya Beatty, die die junge Indianerin mit dem Wolfspelz darstellt, hat sich auf Instagram zu den Vorwürfen geäußert. Als Schauspielerin mit indianischen Wurzeln habe sie schon viele Kompromisse eingehen müssen, um ihre Karriere voranzutreiben, schreibt sie. Oft sei sie an Projekten beteiligt gewesen, die ihre Kultur ausbeuten oder rassistisch seien: “Amerikanische Ureinwohner nehmen in Filmen fast immer eine Nebenrolle ein. Sie dienen als Hintergrunddekoration für den weißen Hauptdarsteller.“

Inzwischen hat Dior den Clip von seinen Social-Media-Plattformen gelöscht. Auf YouTube ist der Film jedoch immer noch zu sehen.