Lady Gaga relaxt im Eisbad – aber hilft das wirklich?

Lady Gaga hat ein Video von sich geteilt, in dem sie sich in einem Eisbad „entspannt“. In dem Instagram-Video, das bereits über 4,5 Millionen mal angesehen wurde, sieht man die „Star is Born“-Schauspielerin, wie sie zu Rockmusik singt und dabei ihr Gesicht voller Schmerzen verzieht.

Nur ein paar Tage zuvor hatte Gaga ein Bild von sich geteilt, auf dem sie ein anderes Eisbad – auch als Kryotherapie bekannt - „genoss“. Diese Bäder sind Teil ihres „Rituals nach dem Auftritt“.

Die „Shallow“-Sängerin verriet ihren 37,4 Millionen Abonnenten, dass sie bis zu zehn Minuten bei Minustemperaturen aushalten würde, um anschließend für 20 Minuten ein heißes Bad zu genießen. Danach schlüpfe sie in einen „Kompressionsanzug voller Eisbeutel“.

Die für einen Oscar nominierte Schauspielerin versucht dadurch wahrscheinlich die Symptome ihrer Fibromyalgie zu lindern – eine Krankheit, die bei Betroffenen chronische Schmerzen am ganzen Körper verursacht.

Es kann sich bei dem Eisbad vielleicht auch um einen Versuch handeln, ihre Beulen und blauen Flecken zu lindern, nachdem sie in Las Vegas mit einem Fan getanzt hatte und dabei von der Bühne gefallen war.

Die Vor- und Nachteile von Eisbädern

Auch Wimbledon-Champion Andy Murray und Olympia-Athletin Jessica Ennis-Hill schwören nach einem anstrengenden Wettkampf auf Kryotheraphie. Da immer mehr Prominente Fans dieser Methode sind, widmen wir uns hier mal den Vor- und Nachteile von Eisbädern.

Lady Gaga sprach in der Netflix-Dokumentation „Gaga: Five Foot Two“ von 2017 offen über ihre Fibromyalgie.

Die „Shallow“-Sängerin beschrieb die Erkrankung als einen „Wirbelsturm aus Angst, Depressionen, posttraumatischer Belastungsstörung, Trauma und Panikstörung“, die das Nervensystem überreagieren lässt.

Der National Health Service, das staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien und Nordirland, rät nicht dazu, bei Fibromyalgie Eisbäder zu nehmen. Sie empfiehlt Patienten sogar, in beheizten Schwimmbecken zu schimmen oder warme Bäder zu nehmen, um ihre Beschwerden zu lindern.

Dennoch sind Fibromyalgie-Support-Foren voller Fragen Betroffener nach alternativen Behandlungsmethoden, die ihre Beschwerden lindern können.

Wissenschaftler der University of Ulster in Nordirland haben sich 17 Studien mit insgesamt 366 Teilnehmern angesehen. Hierbei fanden sie heraus, dass Eisbäder Schmerzen nach dem Sport im Vergleich zum Nichtszun um 20 Prozent linderten. Allerdings stellte sich auch heraus, dass Kryotherapie nicht wirksamer war als weniger drastische Methoden wie Dehnungsübungen oder Kompressionsstrümpfe.

Man verbindet Kryotherapie am häufigsten mit Sportlern. So besteht zum Beispiel Murrays Routine nach einem Match aus einer Dusche und einem Snack, gefolgt von einem Bad in Eis. Ennis-Hill wurde ebenso dabei gesehen, wie sie in einer Tonne voller Eis stand, um ihre Muskelschmerzen nach einem harten Tag auf dem Platz zu lindern.

Eisbäder können Schmerzen lindern, aber sie können auch die Muskelregeneration verzögern. (Foto: Getty Images)

Durchblutungsfördernd und entzündungshemmend

Obwohl es sich wahrscheinlich unangenehm anhört, schwören Verfechter der Methode darauf, dass Eisbäder die Durchblutung unterstützen und Entzündungen im verletzten Gewebe verringerten.

Um dies zu überprüfen, mussten in einer Studie der Edith Cowan University in Westaustralien neun Männer eine halbe Stunde lang joggen, bevor sie eines ihrer Beine in eiskaltes Wasser tauchten. Nach nur 15 Minuten enthielt das Gewebe des „Eisbeins“ sehr viel mehr Sauerstoff als das andere Bein, was darauf schließen lässt, dass es bei der Muskelregeneration hilft.

Eine Tierstudie lässt außerdem vermuten, dass Eisbäder Entzündungen hemmen. Diese sind der Hauptgrund für Schmerzen und Verletzungen bei Sportlern. Wissenschaftler der University of Brasilia setzten verletzte Ratten einer 30-minütigen Kryotherapie-Sitzung aus. Innerhalb von 48 Stunden hatten sich die Entzündungsmarker reduziert. Allerdings gab es keine Anzeichen für Muskelregeneration.

Und obwohl das alles recht positiv klingt, haben die Studien auch gezeigt, dass Eisbäder die Muskelregeneration verlangsamen können. Forscher der Kobe University in Japan haben 20 Minuten lang Eisbeutel auf die verletzten Gliedmaßen von Ratten gelegt. Im Vergleich zu den Tieren, die keine Kryotherapie erhalten hatten, gab es eine eintägige Verzögerung bei der Ausschüttung der „Reparatur-Zellen“, was die „Muskelregenaration behinderte.“

Während Entzündungen unangenehme Symptome mit sich bringen, werden sie durch das Immunsystem als Reaktion auf einen Schnitt, eine Infektion oder andere Schäden hervorgerufen. Diese Art von Schwellung geht mit der Ausschüttung von Reparatur-Zellen einher. Beides hilft wahrscheinlich bei der Heilung von Verletzungen.

Die japanischen Forscher sind besorgt, dass das Unterdrücken von Entzündungen zu einer Verzögerung der Muskelregeneration führen kann.

Ungeeignet für Muskelaufbau

Und wenn es um den Muskelaufbau geht, sollten Sportler Eiswasser lieber meiden.

Ein Team der Queensland Academy of Sport in Brisbane ließ 21 Männer zwölf Wochen lang trainieren. Einige von ihnen nahmen nach jedem Trainingsintervall ein zehnminütiges Eisbad. Im Vergleich zu den Männern, die sich keinen eiskalten Maßnahmen unterzogen hatten die „Eismänner“ sehr viel weniger Muskelmasse und Kraft aufgebaut.“

Kritiker warnen außerdem davor, dass es gefährlich sein kann, mehr als nur ein paar Minuten in eiskaltem Wasser zu verbringen. Schwangere Frauen, Kinder und Menschen mit Bluthochdruck sollten Eisbäder ganz meiden.

Es scheint also ganz so, als ob die Jury zum Thema Kryotherapie noch keine endgültige Entscheidung getroffen hat.

Alexandra Thompson