Laut britischen Forschern ist die Pillenpause unnötig

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Die Pillenpause hat keinen medizinischen Grund, sagen britische Wissenschaftler. (Symbolbild: Getty Images)

Seit Jahrzehnten wird Frauen empfohlen, bei der Einnahme der Antibabypille jeden Monat eine Pause von sieben Tagen einzulegen. Die britische “Faculty of Sexual and Reproductive Healthcare”(FSRH) gibt nun an, dass das keinen medizinischen Grund habe.

So heißt es in der aktuellen Pressemitteilung der FSRH, einer Organisation, die das britische Gesundheitssystem in allen Fragen rund um die sexuelle Reproduktion berät: “Frauen sollte klar gemacht werden, dass diese Blutung keine physiologische Menstruation darstellt und keinen gesundheitlichen Nutzen hat.”

Laut einer zwischen 2010 und 2012 durchgeführten Umfrage der Fakultät hatte mehr als ein Drittel der britischen Frauen im Alter von 16 bis 44 Jahren im letzten Jahr die Antibabypille als Verhütungsmittel angewendet. Nach der Einnahme der 21 aktiven und sieben Zuckerpillen (Placebo) setzte üblicherweise eine Blutung ein. Doch laut der Studienergebnisse der britischen Forscher gebe es keinerlei medizinischen Grund für eine Blutung. Die Einnahmeempfehlung müsste sich demnach ändern.

Die Pillenpause hat keinen medizinischen Nutzen

“Es ist nicht unbedingt notwendig, eine Pause von der Verhütungspille einzulegen, um eine Entzugsblutung hervorzurufen. Es schadet nicht, diese Pause zu überspringen oder die kombinierte orale Verhütungspille kontinuierlich einzunehmen”, so Karin O’Sullivan, klinische Leiterin der FPA, einer in Großbritannien ansässigen Wohltätigkeitsorganisation für sexuelle Gesundheit gegenüber dem Online-Magazin “IFLScience”. Denn es handle sich nicht um eine Periodenblutung, sondern um eine künstlich hervorgerufene Blutung, die durch den Hormonentzug entstehe, so O’Sullivan.

Die Menstruationsblutung setzt bei der Pillenpause durch den Hormonentzug ein. (Symbolbild: Getty Images)

Grundsätzlich gibt es aus medizinischer und gesundheitlicher Sicht auch nichts an der Blutung auszusetzen, sie hat nur keinen speziellen Sinn. Warum dieser Einnahmehinweis samt Pause überhaupt weltweit verbreitet war, ist bisher ungeklärt. Daher liegt es nahe, dass der Grund für den Ratschlag eine Pillenpause einzulegen, seinen Ursprung nicht in einer medizinischen Indikation hat. Auslöser dafür, dass Frauen bisher sieben Tage lang auf die Einnahme verzichten sollten, könnte der Papst gewesen sein. Das zumindest behauptet John Guillebaud, Professor für Familienplanung und Reproduktionsmedizin.

Steckt der Papst hinter dem Ratschlag?

Der britische Gynäkologe sagte im Interview mit der britischen Zeitung “The Telegraph” über einen der Pioniere der Antibabypillen-Forschung: “Der Gynäkologe John Rock hat sich die Pause ausgedacht, weil er hoffte, dass der Papst die Pille akzeptieren und ihren Gebrauch für Katholiken erlauben würde. Rock dachte, wenn er den natürlichen Zyklus imitieren würde, dann würde der Papst sie akzeptieren.” Der Katholik setzte sich Mitte der 50er-Jahre als Mediziner und Befürworter für eine Änderung der Haltung der katholischen Kirche zu dem Verhütungsmittel ein, jedoch ohne Erfolg.

Bei mehrphasigen Präparate werden 21 Tage lang aktive Pillen eingenommen, sieben Tage lang Placebos. (Symbolbild: Getty Images)

Fest steht, dass die Hormone der Antibabypille den natürlichen Zyklus und vor allem den Eisprung unterdrücken. Das ist auch der Grund für das Ausbleiben der Regelblutung. Doch Frauen, die jahrelang monatlich ihre Menstruationsblutung hatten, fühlten sich offensichtlich wohler, wenn diese quasi künstlich hervorgerufen wurde, weil der Körper in der Pillenpause auf den Entzug reagiere, so die Vermutung von Guillebaud. Medizinisch notwendig oder gesünder sei die Blutung aber nicht, wie die “Faculty of Sexual and Reproductive Healthcare” (FSRH) in der neuen Richtlinie nun bestätigt. “Wir brauchen keine regelmäßige Blutung, um gesund zu sein”, erklärte Dr. Sarah Hardman gegenüber “The Telegraph”. Demnach könne man die Pillenpause problemlos verkürzen oder komplett weglassen.

Vielen Frauen hilft eine durchgehende Einnahme der Pille bei extremen Menstruationsbeschwerden. (Symbolbild: Getty Images)

Manchen geht es bei kontinuierlicher Einnahme gesundheitlich besser

Viele Frauen, die die Pille kontinuierlich einnehmen, bestätigen bereits einen zusätzlichen Nutzen: weniger Kopfschmerzen und Müdigkeit, weniger Völlegefühl und Menstruationsschmerzen.

In Großbritannien jedenfalls erwarten die Experten der FSRH laut der Zeitung “The Independent”, dass bei einer Umsetzung der neuen Richtlinien die Verschreibung von 365-Tage-Antibabypillen-Packungen auf den britischen Inseln demnächst allgemein verbreitet sein wird.