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Lippen unterspritzen: Die wichtigsten Infos und Risiken

Bei "Germany's Next Topmodel" wurden kürzlich die unterspritzten Lippen der Kandidatin Elsa Latifaj zum Thema. Nach eigener Aussage konnte sie diese während eines Fotoshootings nicht wie gefordert locker und entspannt aussehen lassen. Warum das nicht passieren sollte und welche Möglichkeiten und Risiken der Eingriff mit sich bringt, erklärt die in der ästhetischen Medizin tätige Fachärztin Dr. Selma Uygun im exklusiven Yahoo-Style-Interview.

Lippenunterspritzungen sind der häufigste Eingriff in der Schönheitsbranche. (Symbolbild: Getty)
Lippenunterspritzungen sind der häufigste Eingriff in der Schönheitsbranche. (Symbolbild: Getty)

Nach dem gängigen Schönheitsideal sollen Lippen voll und schön geschwungen sein, um dem Gesicht einen freundlichen und offenen Ausdruck zu verleihen. Wer das nicht in die Wiege gelegt bekommen hat, kann künstlich nachhelfen lassen. Laut Dr. Selma Uygun, die in Düsseldorf eine eigene Privatpraxis führt, ist das Unterspritzen von Lippen der häufigste Eingriff in der Schönheitsbranche. Yahoo Style hat sich exklusiv mit ihr über Möglichkeiten und Risiken unterspritzter Lippen unterhalten.

Was früher angesagt war, ist heute veraltet

Während früher verschiedene Materialien wie Kollagen oder Silikon zum Einsatz kamen, ist das laut Dr. Uygun heute nicht mehr en vogue. "Kollagen kann Allergien auslösen", erklärt die Ärztin. Bei Silikon sei das Risiko zu groß, dass sich noch Jahre nach dem Eingriff Entzündungen und kleine Knötchen, sogenannte Granulome, entwickelten und das Material wieder entfernt werden muss. Auch von Eigenfett rät die Ärztin ab, weil es sich unregelmäßig abbaue. "Am Anfang kann es noch schön aussehen, aber dann können sich Knötchen bilden und die Lippen durch Verformungen unregelmäßig erscheinen."

Die Expertin rät zu Hyaluronsäure

"Hyaluron ist abbaubar und relativ sicher", sagt Dr. Uygun. Doch die Sicherheit hat auch ihren Preis: Nach neun bis zwölf Monaten hat der Körper das Hyaluron resorbiert und der Effekt der vollen Lippen ist dahin. Wer den Ursprungszustand dann nicht zurückhaben will, muss entsprechend nachspritzen lassen.

Was kostet eine Unterspritzung?

Wer den minimalinvasiven Eingriff bei Dr. Uygun durchführen lässt, zahlt dafür 400 Euro für 1 ml Hyaluronsäure. Ihrer Aussage nach ist das eine gute Menge für Einsteiger, da sie die Lippen nicht zu groß und wulstig erscheinen lässt. Für diesen Preis bekämen Patienten und Patientinnen qualitativ hochwertiges Material mit der bestgeeigneten Konsistenz gespritzt. Ist diese nämlich zu dickflüssig, verteilt sich die Hyaluronsäure nicht richtig. Ist sie zu dünn, bleibt der erwünschte Effekt aus.

Wie läuft der Eingriff ab?

Da es sich bei der Lippenunterspritzung nicht um eine OP, sondern um einen minimalinvasiven Eingriff handelt, kann dieser direkt nach einem Beratungsgespräch erfolgen. "Die Lippen werden mit einer lokalanästhetisch wirkenden Salbe betäubt und nach einer Einwirkzeit von 5 Minuten unterspritzt", sagt die Ärztin. Das Spritzen an sich dauere nicht länger als zehn Minuten. Je nach Wunsch und Ausgangssituation kann die Nadel unterschiedlich angesetzt werden.

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Oft wird der sogenannte Amorbogen unterspritzt, womit die bogenförmige Grenzlinie des Oberlippenrots gemeint ist. Es kann aber auch die Unterlippe vergrößert werden. Was gerade am meisten gefragt ist? "Momentan wollen eigentlich alle Russian Lips", so Uygun. Dabei handelt es sich um eine Technik, bei der die Lippen nicht wie die gefürchteten "Entenschnäbel" aussehen, sondern vielmehr in eine andere Form gebracht werden sollen. Dabei wird vor allem der mittlere Bereich sowie die Herzform betont. Ziel ist die Nachahmung der Lippenform der russischen Matrjoschka-Puppen.

Die Lippenform der russischen Puppen gilt aktuell als Ideal. (Bild: Getty Images)
Die Lippenform der russischen Puppen gilt aktuell als Ideal. (Bild: Getty Images)

Wie kommt es zu den gefürchteten "Entenschnäbeln"?

Danach gefragt, was falsch gelaufen ist, wenn Menschen auf einmal mit extrem großen Lippen auftauchen, antwortet die Ärztin: "Dann ist das ästhetische Verständnis aus dem Ruder gelaufen." Manche Menschen könnten ihr eigenes Erscheinungsbild nicht mehr realistisch einschätzen. Dr. Uygun vergleicht das mit Personen, die regelmäßig ins Solarium gehen: "Sie sehen nicht mehr, dass sie braun sind, weil das Auge sich daran gewöhnt hat." Statt 1 ml Hyaluronsäure hätten manche Patienten und vor allem Patientinnen irgendwann vielleicht bis zu 4 ml in den Lippen. "Das sieht dann nicht mehr ästhetisch aus und sollte von seriösen Ärzten auch nicht gemacht werden."

Was sind die Gefahren und Risiken des Eingriffs?

Dass die Lippen nach einer Unterspritzung ein bis zwei Tage geschwollen sind, ist laut Ärztin normal. Zudem kann es zu Hämatomen kommen, die aber schnell wieder abheilen. Als Nebenwirkung können auch Knubbel entstehen, wenn sich eine Ansammlung von Hyaluronsäure nicht gleichmäßig verteilt. Dies könne am Material oder an der individuellen Wundheilung des Patienten liegen.

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"Um dem vorzubeugen, muss man die Lippen zwei, drei Tage lang massieren und immer schön bewegen. Einen Kussmund machen zum Beispiel und grimassieren, damit sich alles schön verteilt und man Bewegung in den Lippen hat." Zur Not helfen abschwellende Tabletten. Sind die Lippen nach den ersten Tagen abgeschwollen, sollte man sie wieder normal bewegen können und auch alles fühlen.

Bei Elsa, die bei GNTM behauptete, ihre gemachte Lippen ließen sich nicht komplett bewegen, muss also entweder etwas schiefgegangen sein oder aber sie hat ihre Mimik einfach nicht gut unter Kontrolle.

Das wohl größte Risiko sieht Dr. Uygun hierin: "Wenn man zu oft spritzt, kann es zu Vernarbungen und Verhärtungen kommen." Und: Nicht jeder Körper stecke den Eingriff gleich weg. Ob er auf diese Art und Weise reagiert, merke man erst nach der dritten oder vierten Unterspritzung.

Kandidatin Elsa bei GNTM (Foto: ProSieben/Richard Hübner)
Kandidatin Elsa bei GNTM (Foto: ProSieben/Richard Hübner)

Lippenunterspritzen ist oft nur der Anfang

Worüber sich viele Patient*innen außerdem nicht im Klaren sind: "Lippenunterspritzung ist oft der Einstieg, der die Scheu nimmt. Wer das gemacht hat, kommt oft ein paar Woche später und will dann Botox oder sich die Wangen machen lassen", weiß die Ärztin aus Erfahrung. Problematisch kann das vor allem dann sein, wenn die Patient*innen schon in jungen Jahren erste Eingriffe machen lassen, wie es immer häufiger der Fall ist. "Was soll man dann mit 40 machen, wenn das meiste Pulver schon verschossen ist?", fragt sich die Dr. Uygun. "Auf diese Entwicklung bin ich gespannt."

Worauf sollte man achten?

Wer wissen will, wo er sich seriös behandeln lassen kann, sollte laut Dr. Uygun eine etablierte Praxis aufsuchen, in der am besten schon jahrelang praktiziert wird. Auch der Preis spiele eine Rolle: Unter 350 Euro könne man nicht davon ausgehen, gutes Material zu erhalten. Billigketten mit Preisen ab 99 Euro seien auf jeden Fall zu meiden genauso wie alle Behandlungen, die nicht in einer Praxis, sondern in Wohnzimmern, Kellern oder anderen schrägen Orten wie Frisörsalons angeboten werden.

Offiziell dürfen Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen den Eingriff bei Personen ab 18 Jahren vornehmen. Liegt eine Einwilligung der Eltern vor, spritzen manche auch schon die Lippen von 16-Jährigen auf. Zudem sollten Ärzt*innen immer ehrlich mit ihren Patient*innen sein. Denn oft kämen die mit Bildern von Stars wie Angelina Jolie oder Irina Shayk, in der Erwartung, nach dem Eingriff möglichst ähnlich auszusehen. "Da muss man dann ehrlich sagen, was möglich ist und was nicht", sagt die Expertin.

Laut Dr. Selma Uygun wünschen sich viele Patientinnen Lippen wie die von Topmodel Irina Shayk. (Foto: Getty Images/David M. Benett/Hoda Davaine/Dave Benett)
Laut Dr. Selma Uygun wünschen sich viele Patientinnen Lippen wie die von Topmodel Irina Shayk. (Foto: Getty Images/David M. Benett/Hoda Davaine/Dave Benett)

Bei wem funktioniert es nicht?

Tatsächlich gibt es Menschen, bei denen eine Lippenunterspritzung niemals die erwünschte Wirkung haben wird. "Wenn die Lippen ganz dünn und nach innen gekehrt sind, sehe ich gleich, dass sie nicht dicker werden würden", meint die Ärztin. In diesem Fall helfe nur ein sogenannter Bulhorn-Lift und damit eine Schönheits-Operation, bei der an der Nasenwurzel ein Stück Haut von eineinhalb bis zwei Zentimeter entfernt und die Haut wieder zusammengenäht wird.

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