Trauriger Grund: Wieso die Stimme an einer Station in der Londoner U-Bahn eine andere ist

Antonie Hänel
Freie Autorin

Der Grund, warum das “Mind the gap” in der Londoner U-Bahn-Station Embankment anders klingt als an allen anderen Stationen, geht gerade viral.

Der Eingang zur Embankment Underground Station in London (Bild: John Keeble/Getty Images)

Wer in London an der Station Embankment in die Northern Line einsteigt, dem wird schnell ein akustischer Unterschied auffallen: Im Gegensatz zu allen anderen Stationen in London spricht das berühmte “Mind the gap” an dieser Stelle eine andere Stimme.

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Die Geschichte dahinter hat nun ein Twitter-User wieder herausgekramt – und rührt damit gerade die ganze Community zu Tränen.

Es ist Wahl-Saison. Die Welt ist gestresst und unsinnig. Aber es ist auch Weihnachten. Also atmen Sie durch und lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte erzählen über London, Züge, Liebe, Verlust und wie viel ein kleiner Akt der Güte bedeuten kann. Ich werde euch die Geschichte hinter der Stimme der Embankment Station erzählen.

In perfekter Story-Telling-Manier erläutert er anschließend über mehrere Tweets, wie die Metro-Angestellten an der Station Embankment eines Tages von einer Frau namens Dr. McCollum gefragt wurden, was denn mit “der Stimme” passiert sei, die an dieser Station immer die obligatorische Warnung ausgesprochen hatte. Die Angestellten sagten ihr, dass das gesamte System erneuert wurde – inklusive der Stimmen.

Eine Erinnerung an die Liebe

Es stellte sich heraus, dass die Stimme ihrem verstorbenen Ehemann, einem Theater-Schauspieler namens Oswald Laurence gehört hatte. Die beiden waren 15 Jahre zusammen, bis er 2007 starb.

Oswalds Tod hatte ein Loch in Margarets Herz hinterlassen. Aber eine Sache half. Jeden Tag auf ihrem Weg zur Arbeit hörte sie seine Stimme. Manchmal, wenn es zu schmerzhaft war, saß sie einfach etwas länger an dem Bahnsteig Embankment und hörte der Ansage noch länger zu.

Die akustische Erinnerung an ihre verstorbene Liebe tröstete sie so sehr, dass sie manchmal gleich mehrere Bahnen abwartete.

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Die Geschichte berührte die Mitarbeiter so sehr, dass sie alles daran setzten, die alte Aufnahme wiederzufinden und der Frau auszuhändigen. Doch damit nicht genug.

Im neuen Jahr saß Margaret McCollum an der Embankment Station, auf ihrem Weg zur Arbeit. Und hörte über die Lautsprecher eine vertraute Stimme. Die Stimme des Mannes, den sie so sehr geliebt hatte, und von der sie dachte, sie würde sie nie wieder hören. ‘Mind the Gap’ wurde von Oswald Laurence gesprochen.

Tatsächlich schafften es die Mitarbeiter der Witwe zuliebe, das grundsätzlich erneuerte System an genau dieser Station wieder umzustellen – weshalb Oswald an der Embankment-Station bis heute an die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig erinnert. Und nach dieser Geschichte an noch viel mehr.

Bei der Story handelt es sich nicht um eine ausgedachtes Weihnachtsmärchen, sie ist tatsächlich wahr, wie man unter anderem bei der BBC nachlesen kann. Aber es gibt wohl keine bessere Jahreszeit, um noch einmal daran zu erinnern, wie eine kleine Geste einen Menschen sehr glücklich und viele weitere berühren kann: Über 40.000 Herzchen hat die Twitter-Geschichte in wenigen Tagen gesammelt.

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