Was machen Flugbegleiter und Piloten eigentlich während eines Langstreckenflugs?

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style
Auch Piloten machen während Langstreckenflügen mal eine Pause – allerdings nicht im Cockpit. (Symbolbild: Getty Images)

Für Passagiere kann so ein Langstreckenflug ganz schön entspannend sein. Doch was machen eigentlich Piloten und Flugbegleiter während all der Stunden? Ein Flugbegleiter verrät, was dort passiert, wo Fluggäste nicht hinsehen können.

Bord-Entertainment und Verpflegung sollen die Zeit für Passagiere – genau! – wie im Flug vergehen lassen. Auch die Crew hat Zeit, sich auszuruhen – klar bei Flügen, die bis zu 19 Stunden (New York – Singapur) dauern. Zunächst einmal müssen jedoch alle an ihren jeweiligen Arbeitsplatz.

Die Arbeit beginnt für das Personal bereits vor Abflug. “Zwei Stunden vorher trifft und bespricht sich die Crew. Das Team sieht sich hier zum ersten Mal, denn die Besetzung ist auf so gut wie jedem Flug unterschiedlich. Hier findet ein Briefing statt, das etwa zwanzig Minuten dauert”, berichtet ein Flugbegleiter, der seit zehn Jahren bei der Lufthansa fliegt. “Anschließend betreten und checken wir das Flugzeug und dann kommen auch schon die Gäste, die wir in Empfang nehmen.”

Vor dem Abflug bespricht sich das Personal und trifft Vorbereitungen für den Flug. (Symbolbild: AP Photo/Matthias Schrader)

Ein Nickerchen für die Flugbegleiter

Je nach Fluglänge gibt es zwei bis drei Mahlzeiten auf einem Langstreckenflug, zwischendurch immer wieder Getränke. Nachdem das komplette Team die erste Servicerunde absolviert, wird sich anschließend aufgeteilt: Die eine Hälfte des Teams kümmert sich weiter um die Fluggäste, die andere hat bis zur nächsten Mahlzeit Zeit, sich auszuruhen. Doch wo verbringt die Besatzung eigentlich ihre Pause? “Dafür haben wir ein wunderschönes, gemütliches Crew Rest”, verrät der Flugbegleiter. Es handele sich dabei um eine Kabine mit Bett, in der die Besatzung sich erholen und schlafen könne. Auch die Piloten hätten einen solchen Ausruhbereich.

Die Schlafkabinen befinden sich meist im Unterdeck und sind über eine eigene Treppe zu erreichen – der Gast bekommt sie so im Normalfall nicht zu sehen. “Vor zehn Jahren gab es die noch nicht in allen Maschinen, da mussten wir uns auf eine für die Besatzung geblockte Reihe setzen und konnten gerade mal einen Vorhang zuziehen, um ein wenig Ruhe zu haben”, erinnert sich der Steward. “Das ist schon eine riesige Verbesserung.”

An Bord aller Lufthansa-Maschinen gibt es so genannte „Crew Rest Areas“. (Symbolbild: AP Photo/Frank Augstein)

Auch Piloten ruhen sich aus

Je nach Länge des Fluges gibt es zwei bis drei Piloten. Sie teilen sich vor Abflug die Pausenzeiten ein, während der sie in ihrem Crew-Rest-Bereich, der auch von dem der Flugbegleiter abgetrennt ist, schlafen können. Trotz automatischer Flugzeugführung müssen die Piloten während der Arbeitszeit immer fokussiert und wachsam sein und können im Cockpit keine Pausen machen.

“Sie blättern vielleicht mal kurz in einer Zeitschrift, unterhalten sich oder essen etwas, aber nie ohne die Konzentration auf ihre Arbeit zu verlieren”, weiß der Fachmann. “Die Piloten müssen die ganze Zeit nach dem Wetter sehen und auch beispielsweise laufend gucken, welchen Flughafen man als nächstes anfliegen könnte, sollte es einen medizinischen Notfall an Bord geben.” Ein anspruchsvoller Job, bei dem man zudem nicht einfach mal kurz aufstehen könnte, um sich die Beine zu vertreten. “Seit dem 11. September sind die da vorne so ziemlich eingesperrt.”

 Arbeiten, schlafen, essen

Außer der Arbeit und dem Ausruhen sei das Essen das dritte große Crew-Thema auf einem Langstreckenflug, berichtet der Flugbegleiter. Die Besatzung könne sich vor dem Flug beim Caterer Menüs bestellen, die sie dann bezahlen müssen oder die nicht verzehrten Mahlzeiten der Fluggäste essen. Gleiches gelte für die Piloten. “Wir sagen immer, wenn wir unsere Uniform anziehen, werden wir automatisch müde und hungrig. Bei uns dreht sich viel ums Essen”, lacht der Insider.

Doch was sich entspannt anhört, ist eben auch ein Knochenjob. “Wenn ich nach Los Angeles fliege, machen wir morgens um 10 Uhr das Briefing und am nächsten Morgen um 3 Uhr unserer Zeit landen wir. Das ist ein echt langer Arbeitstag und trotzdem fragen uns die Passagiere dann oft: ‘Und, fliegen Sie jetzt wieder zurück?‘“ Trotz kurzer Erholungsphasen im Crew Rest ist nun erst einmal richtig schlafen angesagt – und zwar im Hotelbett.