Beziehungspause? Diese neun Tipps von Experten helfen, das Beste daraus zu machen

Wenn ihr eine Auszeit von eurem Partner oder eurer Partnerin braucht, aber noch nicht bereit seid, die Beziehung zu beenden, kann es hilfreich sein, eine Pause einzulegen.

Ein Tagebuch kann euch helfen, herauszufinden, ob die Beziehung noch euren Bedürfnissen entspricht. (Symbolfoto) - Copyright: luza studios / Getty Images
Ein Tagebuch kann euch helfen, herauszufinden, ob die Beziehung noch euren Bedürfnissen entspricht. (Symbolbild: luza studios / Getty Images)

Beziehungspausen sind keine Seltenheit – und das nicht nur in der Dating-Phase: Etwa sechs bis 18 Prozent der verheirateten Ehepaare haben sich schon mal getrennt.

Candace Kotkin-De Carvalho, eine anerkannte Sozialarbeiterin, die mit Paaren arbeitet, nennt einige häufige Gründe für das Bedürfnis nach einer Pause:

  • Zeit für sich zu haben, um persönliche Vertrauensprobleme oder die Angst vor Intimität zu überwinden.

  • Die Kompatibilität zu prüfen, wenn ihr unterschiedliche religiöse Ansichten habt oder eure Ziele in Sachen Familienplanung nicht übereinstimmen.

  • Zeit für sich allein, um sich mit persönlichen Problemen wie einer stressigen beruflichen oder familiären Situation zu befassen.

Es ist immer ein guter erster Schritt, wenn ihr versucht, Beziehungsprobleme mit eurem Partner oder eurer Partnerin zu klären. Aber wenn kein Gespräch zu einer Lösung führt, kann es hilfreich sein, sich etwas Zeit für sich selbst zu nehmen. So könnt ihr Klarheit darüber gewinnen, wie es mit eurer Beziehung weitergehen soll.

Die Art der Pause, die ihr euch nehmt – und wie lange sie dauert – kann je nach Situation und euren spezifischen Bedürfnissen variieren. Letztendlich geht es darum, herauszufinden, was für euch am besten funktioniert. Mit den neun Tipps, die von Therapeuten empfohlen werden, könnt ihr eure Pause produktiv gestalten.

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1. Legt ein Enddatum fest

Kalley Hartman, eine Ehe- und Familientherapeutin mit umfangreicher Erfahrung in der Behandlung von Paaren und klinische Leiterin des US-amerikanischen Instituts "Ocean Recovery", schlägt vor, mit eurem Partner oder eurer Partnerin zu vereinbaren, wie lange die Pause dauern soll.

Je komplexer eure Probleme seien, desto länger sollte eure Pause sein. Wenn euer Partner oder eure Partnerin nicht einverstanden ist, könnt ihr einen Kompromiss in Erwägung ziehen. Beispielsweise eine kürzere Pause, regelmäßigerer Kontakt während der Pause oder kurze Besuche.

2. Formuliert klare und eindeutige Vorstellungen über den Zweck eurer Pause

Kotkin-De Carvalho rät, klarzustellen, was ihr euch von dieser kurzzeitigen Trennung erhofft – und was ihr von eurer Beziehung erwartet, wenn ihr wieder zusammenkommt. Euer Ziel für die Pause könnte zum Beispiel darin bestehen, herauszufinden, was ihr beide ändern müsst, damit die Beziehung funktioniert, wie zum Beispiel:

  • Bessere Work-Life-Balance, damit ihr mehr Zeit für euren Partner oder eure Partnerin habt.

  • Dem Partner oder der Partnerin Raum geben, um Probleme anzusprechen, die die Beziehung belasten, wie beispielsweise Wutprobleme.

  • Nehmt euch Zeit, um ernste mentale Krankheitssymptome anzusprechen, die einer gesunden Beziehung im Wege stehen, darunter schwere Depressionen, Drogenmissbrauch oder eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Was auch immer eure Vorstellungen sind: Wenn ihr sie im Voraus besprecht, könnt ihr ein gemeinsames Ziel festlegen, auf das ihr hinarbeiten könnt. Außerdem hat eine Studie aus dem Jahr 2021, an der ältere Paare teilnahmen, gezeigt, dass mehr gemeinsame Ziele mit einer höheren Beziehungszufriedenheit einhergehen.

3. Entscheidet, ob und wie ihr kommunizieren werdet

Möchtet ihr lieber einmal pro Woche telefonieren, um euch gegenseitig auf dem Laufenden zu halten, und dafür nicht schreiben? Oder möchtet ihr lieber die gesamte Zeit lang eure Kommunikation unterbrechen?

Hartman rät dringend, solche Dinge zu besprechen, bevor ihr euch kurzzeitig trennt. Ihr solltet auch klären, ob ihr bestimmte Themen, wie beispielsweise eure Beziehungsprobleme, währenddessen nicht ansprechen wollt.

Zu guter Letzt schlägt die Sozialarbeiterin Lola Noero der "Manhattan Therapy" vor, darüber zu sprechen, wie ihr mit sozialen Medien umgehen werdet. Wenn ihr das Gefühl habt, dass es euch hilft, eine gewisse mentale Distanz zu schaffen, könntet ihr euch dafür entscheiden, einander vorübergehend nicht zu folgen, euch gegenseitig stumm zu schalten oder die Benachrichtigungen für die Beiträge des anderen zu deaktivieren.

4. Nutzt diese Zeit zum Nachdenken

"Eine Beziehungspause ist eine Gelegenheit, sich auf sich selbst zu konzentrieren und herauszufinden, was ihr euch von eurer Beziehung erhofft", sagt Hartman. In diesem Sinne solltet ihr diese Zeit nutzen, um über eure persönlichen Werte, Ziele und Erwartungen nachzudenken. Auf diese Weise könnt ihr nach der Pause besser einschätzen, ob die Beziehung noch euren Bedürfnissen entspricht. Tara McGrath, private Ehe- und Familientherapeutin, empfiehlt euch, ein Tagebuch zu führen, um diese Art der Reflexion zu fördern. Ihr könntet versuchen, über folgendes zu schreiben:

  • Eure Ziele für die Pause.

  • Wie sich eure Gefühle im Laufe der Pause entwickeln.

  • Eure Hoffnungen und Wünsche, wie sich die Beziehung verändern könnte, wenn ihr wieder zusammenkommt.

5. Setzt Grenzen in Bezug auf Dates

Kotkin-De Carvalho sagt, es sei wichtig, euch darüber zu einigen, ob ihr während eurer Pause mit anderen Personen ausgeht. Diese Grenzen können von Beziehung zu Beziehung sehr unterschiedlich sein. Ein paar wichtige Fragen, die ihr euch gegenseitig stellen solltet:

  • Wollt ihr eure Beziehung exklusiv halten und Dates mit anderen Menschen komplett vermeiden?

  • Sind Dates okay, aber körperliche Intimität mit anderen Menschen nicht?

  • Dürft ihr mit anderen Personen schlafen?

Wenn ihr solche Einzelheiten festhaltet, seid ihr euch beide darüber im Klaren, was während eurer Beziehungspause als Fremdgehen gilt.

6. Setzt Grenzen in Bezug auf gemeinsame Freunde

Wenn ihr und euer Partner gemeinsame Freunde habt oder eng mit den Familienmitgliedern des anderen befreundet seid, gehört auch das zu den Themen, die ihr vor der Pause besprechen solltet.

Wenn es um Familienangehörige geht, könntet ihr vereinbaren, während der Pause nicht mit den Eltern und Geschwistern des jeweils anderen zu kommunizieren – es sei denn, es liegt ein Notfall vor. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Aber wenn ihr ein paar Grundregeln festlegt, die für euch beide passen, wird das Risiko von unangenehmen oder schmerzhaften Missverständnissen minimiert.

7. Macht das Beste aus eurer Zeit allein

Es ist zwar völlig normal, dass ihr während der Pause gelegentlich an euren Partner oder die Beziehung denkt. Aber Kotkin-De Carvalho empfiehlt, euch stattdessen ganz auf euch selbst zu konzentrieren und das Beste aus eurer Zeit alleine zu machen.

"Beschäftigt euch mit neuen Hobbys, trefft euch mit Freunden oder verbringt mehr Zeit mit der Familie. Nehmt euch wieder Zeit für die Menschen und Aktivitäten, für die ihr in eurer Beziehung vielleicht nicht viel Zeit hattet", sagt sie. Nehmt an Aktivitäten teil, die euch dabei helfen, euch wieder mit eurem Selbst zu verbinden, das in der Beziehung vielleicht zu kurz gekommen ist. Zum Beispiel:

  • Wenn ihr euch danach sehnt, eure kreative Seite ausleben zu können, solltet ihr einen Bildhauerkurs besuchen oder einen Freund bitten, mit euch eine Fotoausstellung zu besichtigen.

  • Wenn euch die Zeit mit eurem Partner daran gehindert hat, Sport zu machen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um ein paar Schnupperkurse in örtlichen Fitnessstudios zu besuchen oder eine andere körperliche Aktivität zu finden, die euch Spaß macht.

8. Erlaubt euch ruhig, euren Partner zu vermissen

Es ist in Ordnung, wenn ihr euren Partner während der Beziehungspause vermisst. Es ist sogar ganz normal, meint Megan Harrison, Ehe- und Familientherapeutin und Gründerin der Ratgeberplattform "Couples Candy".

Ihr Tipp ist: Kehrt in euer Inneres, wenn ihr euch einsam fühlt, und fragt euch, was in eurem Leben derzeit fehlt. Vielleicht sehnt ihr euch zum Beispiel nach mehr Zeit mit Freunden oder nach einem Job, der es euch ermöglicht, regelmäßig mit anderen Menschen zusammenzukommen.

9. Arbeitet mit einem Paarberater zusammen

Wenn ihr mit eurer Partnerin oder eurem Partner an eurer Beziehung arbeiten wollt, aber bestimmte Schwierigkeiten einfach nicht allein überwinden könnt, empfiehlt euch Kotkin-De Carvalho, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Eine Paartherapie bietet ein sicheres Umfeld und unterstützt euch laut Hartman in vielen Angelegenheiten:

  • Ihr könnt emotionsgeladene Themen besprechen, zum Beispiel den Umgang mit euren Finanzen oder die Frage, ob ihr Kinder haben möchtet.

  • Gemeinsam anhaltende Probleme wie Kommunikationsfehler, problematische Beziehungsdynamiken oder kontraproduktive Verhaltensweisen bei Konflikten lösen.

  • Lernen, wie ihr Grenzen setzt und eure eigenen Bedürfnisse mit den Bedürfnissen innerhalb der Beziehung in Einklang bringen könnt.

  • Ermitteln, ob das Zusammenbleiben für euch beide das Beste ist.

Eine Paartherapie kann kurz sein und nur drei Sitzungen umfassen. Ihr könnt sie aber auch über einen längeren Zeitraum nutzen und 20 Sitzungen in Anspruch nehmen. Die Dauer und der gewählte Therapieansatz hängen ganz davon ab, welche Themen ihr behandeln möchtet und was eure Ziele sind.

Doch egal, wie lange sie dauert: Eine Paartherapie kann viel Gutes bewirken. Mehr als drei Viertel der Paare geben an, dass sich ihre Beziehung nach einer Paarberatung verbessert hat, so die American Association of Marriage and Family Therapists (AAMFT).

Wenn ihr den Verdacht habt, dass persönliche Herausforderungen – wie Bindungsprobleme – einer gesunden Beziehung im Wege stehen, könnte es auch hilfreich sein, während eurer Beziehungspause eine Einzeltherapie auszuprobieren.

Die wichtigsten Schlussfolgerungen

Eine Beziehungspause kann euch dabei helfen, einen Einblick in eure Bedürfnisse und Erwartungen zu gewinnen, persönliche Probleme zu bewältigen oder neu zu bewerten, ob euer Partner zu euch passt.

Es gibt jedoch kein Patentrezept für eine erfolgreiche Beziehungspause. Nur ihr selbst und euer Partner könnt bestimmen, wie sie ablaufen soll. Aber es ist ein guter Anfang, euch ein klares Ziel für die Beziehungspause zu setzen.

Denkt daran, dass ihr manche Differenzen nicht durch Diskussionen klären könnt – zum Beispiel, wenn einer von euch Kinder haben möchte und der andere nicht. In solchen Fällen braucht ihr vielleicht etwas mehr Zeit, um herauszufinden, ob ihr die Beziehung noch weiterführen könnt.

Je mehr Erwartungen und Grundregeln ihr jedoch in Bezug darauf festlegt, ob ihr während der Beziehungspause auf Dates gehen könnt, wie lange die Pause dauern soll und in welchem Umfang ihr währenddessen miteinander kommuniziert, desto wahrscheinlicher werdet ihr von der Auszeit profitieren.

(Dieser Artikel wurde von Melanie Gelo und Stefanie Michallek aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.)

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