Mädchen oder Junge: Diese Eltern lassen ihre Kinder gender-neutral aufwachsen

Wenn ein Baby auf die Welt kommt, ist die erste Frage meist: „Und, was ist es?“ Nicht alle Eltern geben darauf eine Antwort. (Bild: AP Photo)

Zoomer ist zwei Jahre alt und wächst genderneutral auf. Bis das Kind sich selbst mit einem Geschlecht identifiziert, behält die Familie für sich, mit welchem biologischen Geschlecht das Kind auf die Welt kam.

Statt Rosa oder Blau soll es in ihrem Haus so aussehen, „als wäre ein Regenbogen explodiert“, sagen Zoomers Eltern, Kyl und Brent Courtney-Myers aus dem US-Bundesstaat Utah. Auf der Seite www.raisingzoomer.com berichten sie von ihrem gender-kreativen Zugang zur Kindererziehung, um mit ihren Erfahrungen anderen Familien zu helfen und Beispiele zu geben. Dazu sammeln sie etwa Links zu gender-kreativen Spielgruppen und berichten von ihren Amtswegen, um durchzusetzen, dass Kindern Geburtsurkunden ohne Geschlechtsnachweis ausgestellt werden. Der Instagram-Account Raising Zoomer (zu dt.: Zoomer großziehen), der Einblicke in den Alltag der ungewöhnlichen Familie bietet, besitzt über 8.000 Follower.


Sie sind aber längst nicht die Einzigen, die ihr Kind als sogenanntes ‚theyby’ erziehen: als Kind, dessen Geschlecht die Eltern für sich behalten, die mit ‚they/them’ angesprochen werden und frei von Vorstellungen aufwachsen sollen, wie sich Personen mit einem bestimmten Geschlecht kleiden oder verhalten oder welche Spiele sie mögen. Die Idee, die dahinter steckt, ist eine radikale Reaktion auf Stereotype und soziale Segregation: Wenn niemand das Geschlecht des Kindes kennt, kann es niemand entlang von Stereotypen behandeln, die dieses Geschlecht formen.

Oft wird diese Erziehung auch ‚gender-neutral’ genannt. Dahinter steht die Vorstellung, dass zwar das biologische Geschlecht einer Person von Anfang an ein Teil von ihr ist, das soziale Geschlecht – gender – aber gesellschaftlich produziert wird. Indem ein Kind erst mal gender-neutral aufwachsen darf, bekommt es die Gelegenheit, sich später selbst mit einem Geschlecht zu identifizieren. Das ist nicht immer einfach, erzählen die Eltern eines anderen geschlechtsneutralen Babys namens Sojourner Wildfire, „aber es ist die richtige Entscheidung“. Die Unterscheidung in Männer und Frauen lehnen viele Eltern aus der gender-kreativen Community ebenfalls ab: Stattdessen begreifen sie Gender als ein Spektrum – und wollen, dass ihnen andere folgen.

Im Sommer des Vorjahres wurde in Kanada erstmalig einem Baby eine Krankenkassenmitgliedschaft ausgestellt, auf der sich kein Vermerk für das Geschlecht des Kindes befindet. Statt „M“ oder „F“ steht dort schlicht „U“ für „Unknown“, also unbekannt. Jahre zuvor hatte eine andere kanadische Familie ihrem dritten Kind bei der Geburt kein Geschlecht zugeteilt, sondern gewartet, bis das Kind sich entscheidet. Die mittlerweile 7-jährige Storm sagt nun von sich selbst, dass sie ein Mädchen ist.

Durch die Aufregung über die kleine Storm erfuhr auch Kyl Myers, damals Studentin in Utah, von dem Ansatz der kanadischen Familie und war sofort begeistert: „Ich wusste bereits Jahre, bevor ich schwanger wurde, sogar noch bevor ich den Vater der Kinder kannte, dass ich meine Kinder einmal so erziehen will.“

Im Alter von drei bis vier Jahren wird sich Zoomer selbst für ein Geschlecht entscheiden, erwarten die Eltern. Ihre Entscheidung polarisiert: Während es viel Lob und Interesse an dem Konzept gibt, erntet die Familie auch viel Kritik und Spott im Netz. In den Kommentaren unter einem Bild zeigen sich die unterschiedlichsten Reaktionen:


portiar_traveller
Das ist so eine großartige Idee für die Erziehung! Alles Gute. Viel Liebe, Spaß und Abenteuer. Ich freue mich darauf, euren Familientrips zu folgen.

the_ravens_witch_78
Verdammt, für mich klingt das nach den Geschichten, die meine Geschwister und ich ERFINDEN, während wir SO TUN, als ob wir andere Sprachen kennen! Diese sogenannten ‚Eltern’ und eure genderlose Brut werden dieses Land zu einem noch größeren Scherz machen, als Obama es geschafft hat. NUR in AMERIKA ist Leuten wie euch so ein Schwachsinn erlaubt. In keinem anderen Land wäre diese Ignoranz erlaubt.

becky__one
Also jedes Mal, wenn ein anderes Kind sagt, „Ich bin ein Junge, was bist du?“, werden sie sagen: „Ich bin ein theyby!“ – und alle werden sich einfach ?????? fragen. Und am Ende werden alle Kinder sie für superseltsam halten. Ein geschlechtsloses Kind mit fast keinen Freunden, was für ein erstaunliches Konzept.

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