Mouthtaping: Vorsicht vor Tiktok-Trend

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Ein Pflaster auf den Lippen soll den Schlaf verbessern: Das versprechen zahlreiche Tiktoker*innen. Doch der Mouthtaping-Trend ist mit Vorsicht zu genießen.

Tiktok-Trend Mouthtaping
Tiktok-Trend Mouthtaping: Wer mit weit geöffnetem Mund schläft, soll diesen doch mit einem Pflaster nachts zukleben. Foto: Symbolbild / gettyimages

Ein Tiktok-Trend verspricht besseren Schlaf mit einem einfachen Trick: einem Lippenpflaster. Das soll den Mund nachts verschlossen halten und zur Atmung durch die Nase zwingen. Expert*innen aber warnen.

Viele Versprechungen

Tieferen Schlaf, bessere Erholung, nie wieder Schnarchen: Das sind nur einige der vielen Versprechungen, die aktuell unter dem Hashtag #mouthtaping auf Tiktok zu finden sind. Das Thema stößt auf großes Interesse, wie die mittlerweile knapp 25 Millionen Aufrufen dazu auf der Videoplattform zeigen.

In den zahlreichen Clips sind meist Creator*innen zu sehen, die spezielle Pflaster vorstellen, mit denen sie sich nachts die Lippen zukleben. Dadurch können sie dann nicht mehr durch den Mund atmen, sie sind zur Nasenatmung gezwungen.

Sie versprechen, dass zahlreiche gesundheitsfördernde Effekte eintreten – etwa weniger Mundgeruch am Morgen oder das Verhindern von Zahnfleischentzündungen.

Nasenatmung grundsätzlich vorteilhaft

Im Gegensatz dazu weisen Einschätzungen von Expert*innen in eine andere Richtung. Der Tenor: Grundsätzlich gibt es zu wenig Forschung zu den Pflastern, die Erfahrungen beruhen bislang vor allem auf anekdotischen Erzählungen und nicht auf wissenschaftlichen Erhebungen. Mögliche Nebenwirkungen oder Risiken sind nicht ausreichend untersucht. Ein krasses Szenario, vor dem zudem viele warnen: Wer sich im Schlaf übergibt, könnte ersticken, weil der Mund verschlossen ist.

Auch abseits dieses lebensgefährlichen Extrems schreibt The Sleep Foundation in einer Pressemitteilung, dass die meisten der versprochenen positiven Effekte durch Lippenpflaster nicht nachgewiesen seien. Mit einer Ausnahme: Es konnte demnach gezeigt werden, dass das mouthtaping Schnarchen reduziere.

Grundsätzlich, heißt es weiter, sei Nasenatmung aus vielen Gründen vorteilhaft, auch tagsüber. Da im Vergleich zur Atmung durch den Mund beispielsweise Allergene besser aus der Luft gefiltert oder die Atemluft angewärmt werde.

Aber die Nasenatmung zu erzwingen, könnte zahlreiche negative Effekte nach sich ziehen. Dazu schreibt The Sleep Foundation: Lippen und die Haut um den Mund würden etwa stark irritiert, wenn jeden Abend ein Pflaster aufgeklebt und morgens abgerissen werde. Auch könnte das Verschließen des Mundes das Gegenteil des gewünschten Effektes bewirken, dass also der Schlaf gestört werde, weil das Gefühl eines zugeklebten Mundes unangenehme Gefühle verursache.

Experte: Vorteile sind es nicht wert

Im Gespräch mit Newsweek sagte der Schlafexperte James Wilson, dass es die möglichen Vorteile nicht wert seien, die Pflaster anzuwenden. „Mouthtaping ist eine sehr extreme Art, Nasenatmung zu erzwingen. Damit gehen viele Gesundheitsrisiken einher.“ Vor allem bei Patient*innen, die unter Schlafapnoe leiden. Dabei kann es nachts zu kurzen Atemaussetzern kommen. „Sollte das der Fall sein, könnte ein Lippenpflaster die Symptome verschlimmern und sogar zu schwerwiegenden Krankheiten beitragen wie COPD oder Herzerkrankungen“, sagt Wilson.

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